Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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26 mehr die eingebildeten, für Viele eine Schwächung ihres philosophischen Eros und damit auch ihrer philosophischen Kraft zur Folge. Hält man das Alles fest, meint M., so wird es einleuchtend, warum die Schrift, welche von Kindern, Frauen und gewöhnlichen Menschen so gut wie von gereiften gelesen sein wollte, sich einerseits begnügte, die religiös nothwendigen Wahrheiten blos traditionell zu geben, andererseits statt des adäquaten philosophischen Ausdruckes sich homonymer, metaphorischer und amphibologischer Ausdrücke bediente. Diese, wenn wir so sagen dürfen, pädagogische Rücksicht, ist nun für Maimoni die ausreichende Antwort für alle Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, dass zwischen dem Litteralsinne der Bibel und dem von der philosophischen Forschung Demonstrirten ein scheinbarer Widerspruch stattfindet. Er begnügt sich aber keinesweges, mit dieser Antwort im Allgemeinen stehen zu bleiben, sondern unterzieht sich der Mühe, mit wenigen Unterbrechungen in fast fünfzig Capiteln die einzelnen biblischen Ausdrücke einer nähern Betrachtung zu unterwerfen, die durch ihren Litteralsinn auf philosophisch unhaltbare Meinungen führen können. Wir können ihm hier noch nicht so weit in's einzelne folgen, müssen aber einstweilen zur Charakteristik dieser Worterklärungen sagen, dass sie bei aller exegetischen Befangenheit, die sich darin kund giebt, Bewunderung erregen durch die seltene Voraussicht, mit welcher er Alles in nuce darein niedergelegt hat, wras später zur breitern Entfaltung kommen soll. Uebrigens lässt die systematisirende Natur Maimoni's ihn auch aus dem Einzelnen Regeln finden, die nicht unerwähnt bleiben dürfen 1). Unter den philosophischen Wahrheiten, sagt er nämlich, welche der Pentateuch und die Propheten Allen ohne Unterschied mitzutheilen hatten, steht selbstverständlich das Dasein und die Vollkommenheit Gottes oben an. Nun gab es aber offenbar keine andere Möglichkeit, diese GrundAvahrheiten dem gewöhnlichen Verstände zugänglich zu machen, als durch inadäquate Bezeichnungen. So oft also beispielsweise in Bezug auf Gott Ausdrücke gebraucht sind, die ihn scheinbar als körperlich darstellen, sollte gerade dadurch seine Existenz dem Volke desto fester eingeprägt werden, da für den gemeinen Mann Nichts so unzweifelhaft existirt, als das Körperliche und Fassbare. So oft ferner Gott vorzuführen war als in lebendiger Thätigkeit begriffen, war auf ihn der Begriff der Bewegung anzuwenden. In gleicher Weise endlich musste sein Wissen als Sinneswahrnehmung, seine Mittheilung an die Propheten als ein Reden, sein Wirken als ein Handeln vermittelst körperlicher Organe dargestellt werden. So sind denn seine körperlichen Organe Metaphern für seine Handlungen und seine Handlungen selbst Metaphern für das von ihm ausgehende Wirken. Dabei hat sich aber die prophetische Rede folgendermassen normirt. Alles was nach der Vorstellung des gewöhnlichen Mannes eine Vollkommenheit involvirt, glaubten die Propheten metaphorisch Gott beilegen zu dürfen, was dagegen selbst nach der gemeinen Vorstellung als Unvollkommenheit gilt, ist selbst als Metapher von ihnen gemieden worden. So haben sie beispielsweise wohl bildlich von dem Gesichts-Gehör- Geruchsinne Gottes geredet, nicht aber von seinem Geschmack- und Tastsinne, obwohl der strengen Wahrheit nach das Eine so inadäquat wie das Andere ist. Dasselbe gilt auch von. dem Verhältnisse der prophetischen Rede zu den Engeln, die für Maimoni identisch sind mit den getrennten Intelligenzen. Die Propheten haben ihnen nämlich Attribute von Körpern gegeben, gleichfalls um ihre 1) More I, 46, 47, 49.