Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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25 mittheilen und, was ihre nähere Begründung angeht, sich auf das Gebot: „Du sollst den Ewigen Deinen Gott lieben u. s. w." verlassen musste1), ein Gebot, das, wie Maimoni wiederholentlich auseinandersetzt 2), den Menschen zur philosophischen Erkenntniss Gottes und des Universums auffordert. Nach der formalen Seite wiederum gilt als oberster exegetischer Grundsatz der bekannte talmudische Satz, dass die Bibel sich der Ausdrucksweise des Volkes anbequemt hat3). Die Mittheilung von philosophischen Wahrheiten hat nämlich ihre eigenthümlichen und, wie Maimoni zu glauben nicht abgeneigt ist, von Gott beabsichtigten Schwierigkeiten4)- Wer es daher versucht, sie bildlos und in nüchterner Prosa zu geben, ist meist noch dunkler, als wer in Bildern und Gleichnissen redet. Die letztere Methode aber, die Wahrheiten zu lehren, haben die Propheten befolgt, so dass der Schlüssel zum Verständnisse derselben in der richtigen Erkenntniss ihrer allegorischen Ausdrucksweise liegt. O ö O Gleichzeitig allerdings ist die allegorische Sprechweise der Propheten so eingerichtet, dass hie und da auch die Hülle oder das dem oberflächlichen Auge daran Erkennbare eine nützliche praktische Wahrheit repräsentirt, während der Kern eine grundlegende Glaubenswahrheit ist, so dass wir also bisweilen einen exoterischen und einen esoterischen Sinn zu unterscheiden haben. Nicht minder wichtig ö ausserdem für die richtige Exegese der prophetischen Gleichnissrede ist. die Regel, dass bald jedes einzelne Moment des Gleichnisses etwas Besonderes lehren will, wie beispielsweise in dem Gleichnisse von der Jakobsleiter, bald nur durch das Ganze des Gleichnisses eine Wahrheit ausgedrückt werden soll, während die einzelnen Elemente desselben als poetische und rhetorische Ausmalungen zu fassen sind, wie etwa Spr. Sah 8 in dem Gleichnisse von dem ehebrecherischen Weibe, dass nämlich Maimoni auf die Materie und ihre Neigung die Formen zu wechseln, beziehen zu müssen glaubt 5). Es wäre aber im Sinne Maimoni's nach zwei Seiten hin falsch, wenn man die den Propheten eigene Sprechweise für zufällig hielte. Vielmehr ist sienothwendig sowohl mit Rücksicht auf die zu Belehrenden, als auch mit Rücksicht auf die Propheten selbst und die Art ihrer Erkenntniss. Mit Rücksicht auf die zu Belehrenden nämlich wird von Maimoni Folgendes geltend gemacht 6). Ö O Ö J Nichts ist gefährlicher, als mit dem Studium der Metaphysik anzufangen, weil der zur Spekulation noch nicht gereifte Geist leicht zu bedenklichen, für ihn nicht lösbaren Zweifeln kommt. Dafür aber ist die Metaphysik so Avenig verantworlich zu machen, wie von den Nahrungsmitteln etwa das Fleisch und der Wein, wenn sie einem Säugling schaden. Vielmehr liegt es in der Natur dieser Wissenschaft, dass sie nur von gereiften Männern mit Nutzen getrieben werden könne. Einmal nämlich ist ihr Gegenstand fernliegend und subtil. Dann ist der Mensch, so zu sagen, mit dem Organ für die Metaphysik nicht geboren, sondern hat es sich allererst zu erwerben. Ferner bedarf es zur Metaphysik einer Anzahl von propädeutischen Studien, wie das weitläufig nachgewiesen wird. Ausserdem kann ohne sittliche Vortrefflichkeit von keinem gedeihlichen Studium der Metaphysik die Rede sein, eine Vorbedingung, der völlig gerecht zu werden viele Menschen schon temperamentell nicht geeignet sind. Endlich hat die Sorge für die Bedürfhisse des Leibes, die reellen und noch 1) More m, 28; Jcsode hathora II, 1. 2) More ibid. 3) More I, 26, 33, 46 oist '32 psSa min m2T 4) More, Vorrede, die auch für das Nächstfolgende zu vergleichen. 5) Maimoni distinguirt eigentlich noch genauer, so dass ihm vier verschiedene Arten von Gleichnissen herauskommen, worüber Münk in seinen „additions" zur Uebersetzung zu vergleichen S. 460. "Wir haben im Texte absichtlich zusammengezogen. 6) More I, 33—34. 4