Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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24 höchsten Grad der Vollkommenheit hat derjenige erreicht, oder, um mit M. zu reden, um den Thron des Königs verweilt, wer all sein Denken auf Vervollkommnung in göttlichen Dingen richtet, sich, mit Abwendung vom Irdischen, ganz der Gottheit weiht und die Dinge nur darauf ansieht, inwieweit sich aus ihnen das Walten Gottes erkennen lässt Und das ist ihm die Stufe der Prophetie, deren wahres WeBen jedoch Maimoni so eingehend und tief erörtert hat, dass wir besser thun, davon erst im Zusammenhange mit seiner Bibelauffassung, überhaupt zu reden. Uebrigens ist diese Stufe als Maimoni's sittliches Ideal1) zu betrachten, das zu erreichen zwar nicht mehr in unserer Macht steht, insofern dazu göttliche Wahl gehört, das aber so weit durch uns selbst verwirklicht werden kann, bis wir zu dieser Wahl eben geeignet sind. Was nun noch schliesslich die specielle Moral betrifft, so ist darin keine wesentliche Abweichung von der Aristotelischen wahrzunehmen. Auch ihm zerfallen die Tugenden in dianoetische und ethische 2), auch er fasst die ethische Tugend als eine Fertigkeit und als ein Mittelmass zwischen zwei Extremen 3), auch er bestimmt ferner das Verhältniss der Lust zur sittlichen Handlung als ein positives, so dass ihm also die die Handlung begleitende Lust erst die rechte Bewährung für die tugendhafte Beschaffenheit des Handelnden ist 4), auch er endlich erwähnt als die drei vorzüglichsten der diabetischen Tugenden: Geist, Weisheit, Vernünftigkeit (yovg oocpla (pQovrjoig) 5). So vortrefflich demnach auch die einzelnen Bemerkungen bei Maimoni sind und so imponirend der ganze sittliche Standpunkt des Mannes, so müssen wir doch bei dieser summarischen Angabe uns begnügen und zu un« serm zweiten Haupttheil, der Maimoni's philosophische Bibelexegese in's Auge fasst, übergehen. II. Maimoni's Ausgleichung der Philosophie mit der Bibel. Das göttliche Gesetz, lehrt M., wie selbst jedes Gesetz, das sich für göttlich ausgiebt, unterscheidet sich von andern Gesetzgebungen dadurch, dass diese letzteren eingeständlich nur das politische Beisammenleben der Menschen .im Auge haben und also nur die Praxis sittlich gestalten wollen, während die religiöse Gesetzgebung auch und vor Allem die Meinungen berichtigen will, näher, wie sich von selbst versteht, die Meinungen über Gott und über das Verhältniss der Dinge zu Gott 6). Man wird demnach auch in der Bibel auseinanderzuhalten haben die Seite, welche der Berichtigung der Erkenntnisse und die andere, welche der sittlichen Gestaltung des Lebens zugewendet ist7). Der zuletzt genannte Zweck aber ist, als Grundbedingung für den erstem, der uns nächstliegende, in Wahrheit jedoch bloss Mittel, insofern ohne sittliches Verhalten keine wahre Erkenntniss möglich ist, das sittliche Verhalten selbst aber den Menschen noch nicht zum Menschen macht 8). Aber freilich befolgt die Bibel bei Mittheilung von Erkenntnissen eine eigene Methode, von deren richtiger Erfassungj die richtige Auslegung abhängig ist. Nach der materialen Seite nämlich ist festzuhalten, dass die Bibel, als für Alle berechnet, die philosophischen Wahrheiten nur in ihren Endresultaten 1) More'n, 36. 2) Acht Abschnitte cap. IL 7) More IH, 27. 8) More ibid. 3) Ibid. III—IV. 4) Ibid. VI. 5) Ibid. II. 6) More II, 40.