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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 25

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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23 der Theorie zu gelangen, und also keinen selbstständigen Theil des höchsten Gutes ausmachten^ Aber der gegen Aristoteles ausgesprochene Tadel betrifft doch nur einen formalen Uebelatand, der ganz wohl von dem grossen Stagiriten hätte beseitigt werden können und sachlich sogar beseitigt worden ist, da im Grunde die Einheit des Menschen zugleich die höhere Einheit für die Theile seines höchsten Gutes bildet. Die Späteren dagegen haben im Menschen nur den Denkenden tolerirt und mit'Plotin sich gleichsam geschämt, einen Körper zu haben 1). Auf diesem Standpunkte steht in der Hauptsache auch Maimoni. „Es ist bereits durch Demonstration dargethan worden," lehrt er 2), „dass der Mensch einer zwiefachen Art von Vollkommenheit fähig ist, einer körperlichen und einer geistigen. Die erstgenannte Vollkommenheit nun besteht darin, dass er in seinem irdischen Verhältnisse des besten Zustandes sich erfreut, was aber nur statthaben kann, wenn er seine Bedürfnisse, als da sind Speise und andere zur Erhaltung seines Leibes nothwendige Dinge, zur rechten Zeit findet. Zur Beschaffung dieser Dinge genügt aber die Kraft des Einzelnen nicht, sondern erst das Staatsleben, ein dem Menschen natürlicher Zustand, gewährt sie in vollkommener Weise. Die zweite Vollkommenheit wiederum besteht darin, dass er ein Erkennender der Kraftthätigkeit nach wird, d. h. dass er erkennt Alles was gemäss dieser Vollkommenheit sich nur immer von den Dingen erkennen lässt, und es ist klar, dass diese letztere Vollkommenheit weder tugendhafte Handlungen noch tugendhafte Fertigkeiten, sondern lediglich Erkenntnisse enthält. Nicht minder aber ist klar, dass die zweite Vollkommenheit einerseits die erste zu ihrer Bedingung hat, da der Mensch nicht erfolgreich denken kann im Schmerze, im Hunger, im Durst u. s. w., andererseits diese an Werth übertrifft, da sie allein die Fortdauer nach dem Tode veranlasst." Haben wir schon hier die bestimmte Erklärung, dass die eigentlich sogenannte sittliche Thätigkeit nicht Selbstzweck sein kann und dass nur die Theorie unsern Geist zur Verwirklichung und somit zur Unsterblichkeit bringt, so finden wir das ganze Sachverhältniss noch eingehender erörtert am Schlüsse des More. Anlehnend an Aristoteles3), aber seiner Ansicht es anpassend, bespricht nämlich M. daselbst die menschlichen Güter nach ihrem wahren Werthe. Den geringsten Werth, heisst es, hat der äusserliche Besitz, insofern er, wie aus seiner Trennbarkeit von uns leicht zu ersehen, durchaus nicht zu unserm eigentlichen Selbst gehört. Schon höher anzuschlagen ist die Vollkommenheit des Leibes. Dass aber auch sie nicht ein würdiges Ziel für das Streben abgeben kann, folgt einfach daraus, dass wir in manchen körperlichen Vollkommenheiten es ja nicht leichtlich den Thieren gleichthun könnten. Als tiefer freilich mit unserm innersten Wesen verbunden stellt sich die sittliche Vollkommenheit heraus. Dennoch aber ist auch sie nur die Unterlage für eine höhere. Denn alle Sitten betreffen nur das Verhältniss des Menschen zum Menschen und haben nur das gesellschaftliche Wohl im Auge. Erst die vierte Vollkommenheit daher ist Selbstzweck. Sie besteht im Denken und im Erlangen wahrer Einsicht in göttlichen Dingen. Durch sie erreichen wir Unsterblichkeit, durch sie wird der Mensch allererst Mensch. Diesen Aeusserungen entsprechend zerfallen ihm denn auch die Menschen in solche, die beim Mittel zum Zwecke stehen bleiben und. in solche, die bis zum letzten Zwecke vorzudringen suchen 4). Aber auch unter den letzteren giebt es sehr viele Gradunterschiede. Den 1) noQtf VQiov neQi nluTivov ßiov x. r. k. init. 2) More III, 27. 3) Ethik. Nikom. I, 8. 4) More HI, 51.

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