Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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22 zusammen, weshalb ihnen denn auch das Vergehen von ..Seiten ihrer Materie kommt, wenn diese nämlich die Form nicht länger festzuhalten im Stande ist. Nun aber ist es dem Menschen allein von allen sublunarischen Dingen gegeben, des Stoffes durch seine Form Herr zu werden und sich durch Denkthätigkeit einen für sich seienden, daher auch unsterblichen Geist zu erringen» Durch diesen unsterblichen Geist also auch steht er . in direkter Verbindung mit dem absoluten Geiste, durch ihn erringt er sich die Providenz. Es versteht sich demnach, dass das Walten der göttlichen Vorsehung über die Einzelnen graduell verschieden ist nach Massgabe dessen, was sie durch ein mehr oder minder vollkommenes Leben erreicht haben. Während nämlich der intellektuell und sittlich hochstehende Mensch durch innige Verbindung mit Gott des steten göttlichen Schutzes sich erfreut, zerreisst der der Materie sich Hingebende freiwillig das Band zwischen sich und Gott und erniedrigt sich selbst zur. Stufe der Thiere, über die als Individuen Gott nicht wacht. Die Frage aber, wie man es sich denken könne, dass Gott die Thiere vernachlässige, hat gleichen Werth mit der Frage, warum Gott überhaupt' den Menschen vor dem Thiere bevorzugt habe. Einleuchtend N ist dagegen, dass die absolute Vernunft nur mit dem Vernünftigen sich verbindet. Damit soll jedoch in Gott weder eine Kraftlosigkeit noch ein Nichtwissen gesetzt werden. Vielmehr darf die Kenntniss .auch nicht des Gerinfügigsten Gott abgesprochen werden. Dass diese Behauptung freilich ihre eigenthümlichen Schwierigkeiten habe und für die Philosophen Veranlassung zu den verschiedensten Annahmen geworden, ist bereits hervorgehoben. Beseitigt jedoch werden alle diese Schwierigkeiten, wenn man festhält, dass im Grunde das göttliche Wissen und das menschliche nur homonymisch durch dasselbe Wort gegeben werden. So wenig es nämlich im Hinblick auf unser Wissen uns einleuchtet, so müssen wir doch vom göttlichen Wissen sagen: a) dass in einem einigen und ungetheilten Akte der Erkenntniss Gott alle einzelnen und heterogenen Dinge weiss, b) dass seine Erkenntniss auch auf das Nichtseiende (erst Eintretende) sich erstreckt, c) dass sein Wissen das Unendliche umfasst, d) dass sein Wissen dadurch sich nicht ändert, dass das als erst eintretend Gewusste von ihm dann als sich verwirklicht Habendes (Gegenwärtiges) gewusst wird, e) dass das Vorherwissen Gottes die Möglichkeit zweier Fälle nicht aufhebt. Wir behaupten nicht, schliesst M., die innere Möglichkeit des eben Gesagten einzusehen, vielmehr ist die Art seines Wissens so unbegreiflich wie sein Wesen. Wir behaupten nur, dass Alles was in Gott eine UnVollkommenheit setzt, von ihm verneint werden müsse. Von dieser Lehre über die Providenz aus gewinnen wir schon einen Einblick in den ethischen Standpunkt Maimoni's. Doch fehlen uns nicht seine ausdrücklichen Erklärungen. Verglichen mit der Aristotelischen aber, von der sie im Wesentlichsten ausgegangen, zeigt die Ethik .Maimoni's genau dieselbe Hinneigung zum Neuplatonismus, die wir in seinen metaphysischen Ansichten bereits wahrzunehmen Gelegenheit hatten. Stand gleich auch bei Aristoteles das theoretische Leben dem praktischen als das höhere gegenüber, so war er doch weit davon entfernt, die Praxis, wie es die spätere Zeit that, zur blossen arrißaaig vrjg ^ewQtag zu erniedrigen. Freilich hat dieses unvermittelte Verhältniss zwischen Theorie und Praxis dem Aristoteles wiederum den gerechten Tadel zugezogen, dass sein höchstes Gut nicht aus einem einheitlichen Prinzip abgeleitet, sondern ein Aggregat von unzusammengehörigen Theilen sei. Und in diesem Punkte allerdings war die Ethik der Spätem geschlossener, insofern ihnen die politischen Tugenden -nur das Sprungbrett waren, um zur Seligkeit