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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 21

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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IRI
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19 Was diese selbst nun betrifft J)> so schreitet sie trotz der eingestreueten, scheinbar vom Ziele abfuhrenden Themata dennoch sehr methodisch fort, so dass wir unseres Autors eigenem, besonnenen Gange getrost folgen können. Alle entständlichen und vergänglichen Dinge, beginnt er, sind vergänglich von Seiten ihrer Materie, von Seiten ihrer Form aber ewig.- Daher sind die Dinge in deir sublunarischen Welt individuell vergänglich, generell bleibend. Gemäss der göttlichen Weisheit nun sollte auch die edelste Form im Diesseits, die menschliche, mit dem schwerfälligen Stoffe verr bunden sein, aber doch so, dass diese Form die Möglichkeit habe, ihres Stoffes Herr zu werden. Freilich kann uns das wiederum nie in dem Grade gelingen, dass nicht der Stoff immer eine Scheidewand bildete, die uns die letzten Erkenntnisse verhüllte. Wollten wir mm aus dem Grunde von Gott sagen, dass er uns unwissend mache, so wäre das in demselben Sinne wahr, wie es wahr ist, dass er uns blind oder taub macht, d. h. im uneigentlichen Sinne. Denn in Wahrheit besteht die Natur des Uebels mir in einem Nichtsein des Guten, zum Nichtsein bedarf es aber keines Schöpfers. Von Gott selbst hingegen kommt nur Positives, d. h. Gutes. Insofern nun die Materie fähig ist, dieses Positive festzuhalten, ist sie des Guten theilhaftig, insoweit ihr diese Fähigkeit abgeht, trägt sie den Mangel, das Böse, an sich. Freilich hat Gott auch die Materie in's Dasein gerufen, und da in ihr der Grund} des Bösen liegt, so kann er im uneigentlichen Sinne auch der Schöpfer des Bösen genannt werden. Aber genau genommen ist die Materie als Fähigkeit ebenfalls gut, und inwieweit sie begränzte Fähigkeit, Mangel, ist, auch nicht geschaffen. Maimoni unterbricht hier den Gang der Untersuchung durch den Nachweis, dass alle Uebel, die in der Menschenwelt herrschen, in der That nur auf einen Mangel, d. h. auf das Nichtsein eines Guten, zurückzuführen sind. Er unterscheidet zu dem Ende drei Klassen von Uebeln: a) die Uebel, die uns nothwendig treffen, insofern wir einmal aus Materie und Form zusammengesetzte Wesen sind; b) die Uebel, welche die Menschen einander gegenseitig zufügen; c) die Uebel, die wir ims selbst anthun. Sehen, wir ab von der ersten Art der Uebel, die in der Bedingtheit unserer Natur liegt und deren Wesen als Nicht-/ seiendes bereits erkannt ist, so müssen auch die beiden andern Klassen von Uebeln auf die Thorheit, das Nichtsein der Weisheit, zurückgeführt werden 2). Das Hauptresultat der Untersuchung aber ist, dass bei weitem die meisten Uebel den Menschen durch ihr eigenes verkehrtes Verhalten kommen, während überall die Spuren höchster Fürsorglichkeit walten. In den Gang der eigentlichen Abhandlung lenkt dann wieder ein die Behauptung, dass die Frage nach dem Zweck der Schöpfung unzulässig sei. Wohl haben nämlich die Dinge alle einen ihnen einwohnenden (immanenten) Zweck, aber der transscendete Zweck eines jeden Dinges ist allein im göttlichen Willen zu suchen. Falsch ist daher die Annahme, dass der Mensch Zweck der Schöpfung sei. Denn wenn auch zugegeben werden kann, dass von den Dingen einige nur um anderer Dinge willen .wie die Pflanzen beispielsweise um der Menschen willen da sind, so ist es doch ungereimt, das unermessliche x\ll zum alleinigen Zweck der Menschen anzunehmen. Auch gewinnen wir bei dieser Annahme wenig. Denn fragen wir weiter- O ö ö gehend: Und welches ist der letzte Zweck des Menschen, d. h. nicht sein immanenter, denn der ist 1) More ni, 8—21. 2) Freilich wurzeln auch die zuletzt genannten Arten von Uebeln in der Materie als in ihrem letzten Grunde, da diese auch der Grund der Sünde und aller moralischen Schlechtigkeit ist. Aber der letzten beiden Arten können die Menschen Herr werden und darauf beruht die Unterscheidung.

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