Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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18 fahren, wenn wir auf dem Gebiete des Nichtdemonstrabein das Wahrscheinliche aufsuchen. So gründet sich, um das eklatanteste Beispiel zu geben, die einzig mögliche Erklärung der Sphären- und Plänetenbewegungen auf zwei Hypothesen, den Epicyclus und den excentrischen Kreis 1). Beide Hypothesen widerstreiten aber den auf apriorischem Wege gefundenen und in der diesseitigen Natur auch bewährten Principien der Aristotelischen Physik. Denn nach seinen Grundsätzen kann es weder einen Epicyclus noch eine Bewegung in excentrischen Kreisen geben, vielmehr muss sich Alles um die Erde als festen Mittelpunkt bewegen. Und doch ist es unmöglich, dem von Ptolemäus Dargethanen zu widersprechen, obgleich es allerdings auch wiederum nicht einzusehen ist, wie eine Kreisbewegung nicht um einen festen Mittelpunkt stattfinden soll. Der Astronom freilich hat sich um dergleichen nicht zu kümmern, sondern hat seine Aufgabe gelöst, wenn er eine Hypothese erdenkt, welche die dem Auge sich zeigenden Bewegungen befriedigend erklärt. Aber der Philosoph, wenn ihm das Unbegreifliche als Thatsache entgegentritt, muss eben die Unbegreiflichkeit. anerkennen und gestehen, dass er an die Gränze des zu Erkennenden gelangt ist. Kann er aber einmal die Himmelsbewegungen nicht nach Naturnothwendigkeit erkennen, so wird er es probabler finden, an die Stelle der Naturnotwendigkeit die freie Ursache zu setzen, die allein auf die vollkommenste Weise die Wahrheit, die Natur, die Form, die Bewegung und die Ursachen des Himmels kennt. Die freie Ursache fuhrt uns aber auf die Schöpfung, wie bereits dargethan. Man könnte nun meinen, fährt M. fort, dass wir, da wir einen Weltanfang glauben, auch ein Weltende annehmen müssten nach dem Aristotelischen Satze, dass alles Entstandene auch wiederum dem Vergehen unterworfen ist. Man vergesse aber nicht, dass dieser Satz nur seine Anwendung findet auf dasr*Werden in der schon vorhandenen Welt, nicht aber auf das Urwerden. Da wir dieses Urwerden nun."auf den göttlichen Willen zurückfuhren und nicht auf Naturnothwendigkeit, so wird auch das schiechthinnige Vergehen oder der ewige Bestand der Dinge von seinem Willen abhängen. Sind doch auch nach unserer Ansicht die Seelen der Trefflichen unvergänglich, obwohl sie geschaffen sind, ja nach den Ansichten Mancher sogar die Leiber 2). Die nähere Bestimmung dieses göttlichen Willens aber, und die Art, wie Maimoni die Abhängigkeit der Welt von demselben sich gedacht hat, erhellt erst aus seiner Ansicht über die göttliche Providenz, ein Zusammenhang, den M. selbst dadurch angedeutet hat, dass er sich bei seiner Widerlegung der aus der Weisheit und dem Willen Gottes gefolgerten Annahme einer Weltewigkeit auf diese ausführliche Abhandlung beruft 3). 1) Bekanntlich hat Ptolemäus, nachdem man längst erkannt hatte, dass man mit Kreisbewegungen nicht einmal bei Sonne und Mond auskomme, zur Erklärung der besonderen, neben der allgemeinen Bewegung alles ausser der Erde Vorhandenen um diese letztere in 24 Stunden, stattfindenden Bewegungen einzelne Sphären angenommen, in denen eben diese besoudern Bewegungen vor sich gingen. Mond und Sterne laufen in excentrischen Kreisen um die Erde, woraus sich ihr bald schneller, bald langsamer erscheinender Lauf und ihre veränderliche Grösse erklärt. Die Planeten dagegen laufen nicht in Kreisen, sondern in Epicyclen um die Erde, woher ihr scheinbares Vor- und Rückwärtsgehen sowie ihr zeitweises Ruhen. 2) More IT. 27. In dem später als der More erschienenen a'ntJn n"nn noso erklärt M. seinen festen Glauben an die Auferstehung, sagt aber, dass er sie, als Wunder und philosophisch nicht beweisbar, lediglich als Dogma (Glaubensartikel 13. in der Einleitung zu p4n) hingestellt habe. Das Recht aber, Wunder zu glauben, folgt M. eben aus seiner Annahme einer Weltschöpfung, wie uns das noch im Laufe dieser Arbeit bestimmter begegnen wird. 3) More II, 18: nnjüna waBa nnn p2j?n nta vovn rtirn