Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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17 nach Richtung und Schnelligkeit auf naturgemässe Weise zu erklären, und glaubte in der That inder Entfernung vom obersten Sphärenkreise und der Lage zu demselben einen Erklärungsgrund aufgefunden zu haben. Aber die Thatsachen widerstreiten augenscheinlich. Es giebt nämlich Sphären, die, obgleich sie höher liegen als andere, sich doch gleich schnell mit ihnen bewegen, andere, die obgleich weiter vom obersten Sphärenkreise entfernt, sich schneller bewegen als andere nähere und wieder umgekehrt. So überraschend demnach auch manchmal seine Erklärungen sind, so haben die Fortschritte der Astronomie sie dennoch als falsche aufgedeckt. Leicht hingegen, wie kaum gesagt zu werden braucht, wird die Erklärung dem, der eine Schöpfung annimmt. Denn der sagt nach unsern schon bekannten Grundsätzen, dass Einer da sei, der jeder Sphäre nach seinem Willen die ihr eigenthümliche Bewegung und Schnelligkeit zu eigen gegeben habe. Uebrigens aber sind die genannten Schwierigkeiten nicht die einzigen. Schwieriger noch ist z. B. aus Natiirnothwendigkeit das Verbundensein der Sterne mit den Sphären zu begreifen, deren Materie — wie Maimoni jetzt im Widerspruche mit seiner sonst ungenauem Darstellung sagt — nothwendig von der der Gestirne verschieden ist. Aus dieser vorläufigen Erwägung aber ergeben sich die Fragen: a) ob aus dem Vorhandensein der erwähnten Unerklärlichkeiten sich wirklich folgern lässt, dass sie aus der Absicht eines Beabsichtigenden und nicht aus Naturnothwendigkeit genossen sind; b) ob unter Voraussetzung einer beabsichtigenden Ursache die Annahme einer Schöpfung nothwendig wird. Um auf die zweite Frage zuerst zu antworten, so giebt es, meint Maimoni, allerdings Anhänger der Aristot.* Ansicht, die gleichwohl die Freiheit und Absichtlichkeit der göttlichen Thätigkeit retten zu können vermeinen. Und richtig ist es allerdings auch, dass Aristoteles selbst keinen so nothwendigen Hervorgang des Alls aus dem Einen lehrt, dass die Welt eine Folge der Gottheit wie der Schatten eine Folge des Körpers und das Licht eine Folge der Sonne sei (bekanntlich die plotinische Anschauung). Vielmehr will Gott auch nach Aristoteles, insofern er Denken ist und Freude am Gedachten hat. Aber das ist doch nicht der Wille, von dem wir reden, dass ist vielmehr ein Wille, dem zu vergleichen, der dem Menschen zugesprochen wird, wenn er das will, d. h. daran sich freut, was ihm von Natur verliehen worden. Die Ausflucht der Spätem aber, dass nur bei uns das Wirkende dem Gewirkten der Zeit nach vorangehen müsse, während in Bezug auf Gott wohl gesagt werden könne, die Welt sei gleich ewig mit ihm und dennoch ein Werk seiner Absicht, läuft auf eine blosse Aenderung des Ausdruckes hinaus, da ihnen doch einmal die Welt gleich ewig, also auch gleich nothwendig wie Gott selbst ist. Wir hingegen wollen mit den Worten, die Welt sei beabsichtigt, sagen, dass die Welt keinesweges in demselben Verhältniss der Nothwendigkeit stehe wie das Verursachte zu seiner Ursache, welches von dieser nicht getrennt und nur unter der Bedingung eine Veränderung erleiden kann, dass die Ursache selber sich ändert. So betrachtet ist es klar, dass man nicht zu gleicher Zeit sagen könne, die Welt ist nothwendig wie Gott selbst und dennoch ein Werk seiner Bestimmung. O Auf die erste Frage jetzt eingehend giebt er zunächst, indem er allerdings auch nicht verfehlt, dem Aristoteles neuplatonische Lehrmeinungen unterzustellen, den Entscheid: Alles, was Aristoteles über die sublunarische Welt gelehrt hat, kann nur Voreingenommenheit in Zweifel ziehen. Was er dagegen zur Erklärung des über die Mondsphäre Hinausliegenden vorgebracht hat, ist nur theilweise probabel, in Vielem aber ist offenbarer Irrthum, und wir befolgen nur sein eigenes Ver-! 3