Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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12 Weniger, wie begreiflich, von diesem Beweise aus, als von den eigentlich Aristotelischen, gewinnt nun Maimoni den Einschritt, um das Verhältniss Gottes zur Welt näher zu bestimmen. Diese Welt des Maimoni selbst aber ist, wie sich' von selbst versteht, in astronomischer Hinsicht wesentlich von der Aristotelischen verschieden, da Maimoni nicht blos mit dem Almagest des Ptolemäus, sondern auch mit den für uns freilich nicht eben bedeutenden Fortschritten der arabischen Astronomen auf's innigste vertraut ist, in physischer (philosophischer) Hinsicht aber gelten für Maimoni noch genau die Aristotelischen Bestimmungen. Wir begegnen demnach bei ihm l) demselben Gegensatze zwischen der sublunarischen und jenseitigen Welt der Sphären und der Gestirne, demselben Unterschiede nämlich zwischen der diesseitigen, die Formen beständig wechselnden Materie der vier Elemente und der jenseitigen, die eine Form unwandelbar festhaltende Materie des fünften Körpers, derselben Theorie ferner über den natürlichen Ort der vier Elemente und über die Rückkehr zu demselben in geradliniger Bewegung, wenn sie durch die Kreisbewegung des Himmels zum Verlassen desselben gebracht sind, derselben Erklärung demnach des diesseitigen Werdens und Entstehens aus dem Einflüsse der den Sphären eigenen Kreisbewegung, wobei übrigens für Maimoni hervorzuheben ist, dass er gerade mit Eücksicht auf die wahrnehmbaren Folgen dieses Einflusses sämmfüche Sphären mit Ausnahme des äussersten umgebenden Sphärenkreises als eine Vierheit von Sphären auffasst 2), und erst in der Frage nach der Art, wie Gott die Sphären bewege, ist die Antwort des Aristoteles durch neuplatonische Zuthat von den Arabern so eigenthümlich gestaltet worden, dass wir die Maimonische Darstellung 3) hier geben zu müssen glauben. Dass die Sphäre, lehrt Maimoni, der zunächst von einer Sphäre spricht, als beseelt aufzufassen sei, lässt sich aus ihrer Bewegung darthun. Wäre nämlich das Princip ihrer Bewegung Natur und nicht Seele, so würde sie, wie alle unbeseelten Naturdinge, nur nach dem ihr natürlichen Ort sich hinbewegen und dort verharren. Aber auch aus der Annahme, dass sie beseelt sei, erklärt sich ihre Bewegung nicht genügend. Denn die Bewegung entsteht erst, wenn das Begehrungs- \ vermögen angeregt wird entweder auf sinnliche Weise oder indem dem Geiste ein zu Erreichendes vorschwebt4). Dass nun der Sphärenbewegung weder die Erreichung des sinnlich Angenehmen noch die Flucht vor dem Unangenehmen zu Grunde liegt, ergiebt sich sowohl aus der Art der Bewegung, nämlich in denselben Gränzen des Eaumes, als auch daraus, dass sie sonst ihr Ziel endlich erreichen müsste oder die Bewegung zwecklos wäre. Folglich ist es vielmehr ein Gedanke, oder richtiger,. da Gedanken an sich noch kein Princip der Bewegung sind5), die Begierde nach einem Gedachten, was die Sphärenbewegung veranlasst. Dieses Gedachte aber ist der primus motor oder Gott, der eben dadurch auf die Sphäre wirkt und sie in Bewegung setzt, dass diese bestrebt ist, ihm ähnlich zu werden in Einfachheit, Unveränderlichkeit und Güte und sie als körperlich dies nur im Stande ist durch die einfachste, stetigste, unveränderlichste aller Bewegungen, die Kreisbewegung. Nun fand schon Aristoteles mit Beachtung der vielen in Rücksicht auf Schnelligkeit und Richtung verschiedenen Bewegungen, dass es viele Sphären geben und, wiewohl allen die Kreisbewegung gemeinschaftlich, doch beispielsweise der Sphäre, die in einem Tage ihren Kreislauf 1) More I., 72. 2) More II., 10. 3) More II., 4. 4) Arist. de an. III., 10: ^aivtrut, de ye dvo zavra xwovvtcc, tj oQt&S y vovs. 5) Arist. ib.: vvv dt 6 juiv vovs ov qaivsrav xwtov avsv oqs&üjs.