Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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10 an kein körperliches Organ gebunden sind, hat Aristoteles *-) Dunkelheiten gelassen, welche auseinandergehende Aufhellungsversuche bei den Commentatoren desselben veranlasst haben. Was die Araber betrifft, so sind sie in der Hauptsache der Auslegung des Alexander Aphrodisiensis gefolgt. Wenn nämlich der Geist selbst leidlos und vollständig ohne Verbindung mit dem Körper sein soll, so entsteht die Aporie, wie er, ohne afficirt zu werden, die Ideen in sich aufnehmen kann, eine Schwierigkeit, die Aristoteles durch die Antwort löst, dass der Geist potentiell die Ideen selber ist und durch die eigene Thätigkeit diese Ideen der Wirklichkeit nach wird. Für diese Unterscheidung nun innerhalb des Geistes selbst hat Alexander die Ausdrücke geprägt: vovg vlLy.bg und vovg biL'/.-crjvog, welche Ausdrücke die Araber durch '««Swi hpv und "isDnos b?V (^sSvn hyo und n:p3 -dü) wiedergegeben haben. Näher aber wird der vovg vliv.bg von Alexander in folgenden Worten beschrieben2): „Der hylische Nus ist Nichts von dem Seienden der Wirklichkeit nach, aber Alles der Möglichkeit nach. Denn vor dem Denken der Wirklichkeit nach Nichts seiend, wird er, wenn er etwas denkt, dasjenige, was gedacht wird, wenn anders das Denken für ihn darin' besteht, die Form dessen, was gedacht wird, zu haben. Also ist der hylische Nus blos eine Art von Tauglichkeit zur Aufnahme der Formen, vergleichbar einer unbeschriebenen Tafel, oder richtiger vergleichbar dem Unbeschriebenen der Tafel, nicht aber der Schreibtafel selbst. Denn diese ist bereits Etwas von den vorhandenen Dingen, weshalb die Seele und das die Seele Habende eher der Schreibtafel entsprechen dürfte. Das Nichtbeschriebene in ihr ist der sogenannte hylische Nus, nämlich die blosse Tauglichkeit zum Beschriebenwerden. Die Tauglichkeit selbst leidet nicht, wenn sie verwirklicht wird, denn sie ist kein Etwas, das zu Grunde liegt und so auch der Nus." Der vovg hzi/.trpog wiederum ist ihm der ausgebildete Geist, der Geist im Besitze der Denkobjekte, der eben nichts anderes ist, als die Denkobjekte selbst. Dagegen weiss er den vovg 7toujrr/.bg des Aristoteles, der den potentiellen (hylischen) Geist zur Wirklichkeit bringen soll, nicht mehr im Menschen zu suchen, sondern der vovg 7ZovrjCLv.bg ist ihm nichts Anderes, als der auf den Menschen einwirkende göttliche Geist. Alles was wir hier von Alexander gesagt, gilt genau auch von Maimoni, mit dem Unterschiede, dass er einmal unter dem vovg 7toirjriv.bg (lyitin ^y&) nicht Gott selbst, sondern die letzte der für sich bestehenden Intelligenzen versteht, deren Bedeutung bei Maimoni uns hier noch nichts angeht, und dass er zweitens die Consequenz des Alexander nicht theilt, dass der erworbene Geist sterblich sei3). Da also der hylische Geist Nichts ist, als eine Fähigkeit ohne Substrat, so ist der erworbene Geist Nichts, als das was er erworben, d. h. identisch mit den Denkobjekten. Treten aber im Menschen, weil er auch nicht denkt, die Unterschiede des Denkenden und des zu 1) de an. III., 4 — 5. 2) Alex, de an. L, 30, Folio 138. b. 3) Maimoni deutet im More seine Ansicht über Unsterblichkeit der Seele nur an, ohne dieser Frage eine eigentliche Erörterung zu widmen. Dennocli ist gerade nur im More seine wahre, weil mit seinem System übereinstimmende, Ansicht zu finden. Dass nach ihm nicht die Seele, sondern nur der Geist, und zwar, da der hylische Geist nichts Reelles ist, uur der durch Denkthätigkeit erworbene Geist unsterblich ist, ist sowohl an sich klar, als auch wiederholentlich von ihm angedeutet (MoreIII., 27). Da aber' zugleich seiner mit der des Averroes übereinstimmenden Ansicht zufolge, auf für sich bestehende, körperlose Substanzen die Zahl gar nicht angewendet werden kann, so dass man von einer Mehrzahl geistiger Substanzen uur in dem Sinne reden kann, dass die eine als Ursache, die andere als Wirkung gefasst wird, die menschlichen vom Körper losgetrennten Seelen aber zu einander im Verhältniss von Ursache und Wirkung nicht stehen: so ist Maimoni mit Averroes geneigt, die Seele nach ihrem Tode für eine untrennbare Einheit zu halten (More I., 74). Ueber den Ursprung dieser Ansicht aus Plotin soll anderswo die Bede sein.