Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9 ist. Sehen wir dann ein, dass es um die Beschaffenheit dieses Wesens nicht in gleicher Weise stehe, wie um die der Elemente, welche todte Körper sind, so sagen wir, dass es lebend sei, was nur einen dem Todtsein der Elemente gleichen Zustand verneinen, nicht aber positiv das Leben, wie wir es kennen, setzen will. In gleicher Weise negiren wir durch das Attribut unkörperlich nur eine Wesensgleichheit mit dem Himmelskörper, wie durch das Attribut ewig eine Wesensgleichheit mit dem Geiste, der eine Ursache hat. So ist es denn auch zu fassen, wenn wir von Gott sagen, er sei wissend, mächtig u. s. w., dass wir nämlich nur Unvollkommenheiten negiren, nicht Positives setzen Avollen. Der Einwand aber, dass man durch negative Prädikate der Gotterkenntnisss nicht näher kommt, ist ein unbegründeter, da man ja nicht behaupten kann, dass derjenige, der beispielsweise von Gott nicht weiss, dass er unkörperlich ist, dem an Erkenntniss gleich ist, der die Unkörperlichkeit Gottes durch Demonstration bei sich zur Gewissheit erhoben hat, oder dass derjenige, der die Consequenzen der Unkörperlichkeit Gottes, wie dass er nicht afficirt werden kann und andere, nicht zieht, so viel Einsicht hat, als derjenige, der sich dieser Consequenzen bewusst worden ist. Aber freilich ist es unmöglich, das wahre Wesen Gottes zu ergründen, da es unserm Geiste damit geht, wie unserm Auge mit der Sonne, die gerade durch die Kraft, mit der sie sich offenbart, blendet und keinen Einblick gestattet. So weit Maimoni's Lehre über die Attribute. Sehen wir jetzt, wie ihm eine Schwierigkeit daraus erwächst. Die abstrakte Fassung der Einheit des göttlichen Wesens, der wir in dieser Lehre begegnen, scheint nämlich den Gottesbegriff so sehr dem tv des Neuplatonismus anzunähern, dass Maimoni sich genöthigt sieht, ihn auch nach dieser Seite hin abzugrenzen. Der Neuplatonismus hatte ja bekanntlich schon in der Zweiheit des Denkenden und des Gedachten eine Vielheit gesehen und aus dem Grunde dem Absoluten das Denken ganz abgesprochen, oder genauer es als das „Uebervernünftige" gefasst. Da aber Maimoni das Göttliche nicht blos als einfach, sondern auch mit Aristoteles als beständig verwirklichtes Denken fasst und ihm nur darum das Denken nicht als Attribut zuschreiben will, weil es vielmehr sein Wesen ausmacht, so ist es für ihn von Wichtigkeit, im Zusammenhange mit seiner Lehre von den Attributen die Frage zu behandeln, wie Gott Subjekt und Objekt des Denkens zugleich sein kann, ohne dass in seinem Wesen darum eine Vielheit gedacht wird, oder, wie er nach dem Vorgange der arabischen Philosophen mit scholastischer Haarspalterei sich ausdrückt, wie Gott Denkendes, Denken und Gedachtes zugleich sein kann Maimoni beantwortet die Frage dadurch, dass er von der Natur des menschlichen Geistes in seinem Fürsichsein ausgeht und nachweist, wie selbst im menschlichen reinen Denken die ungetheilte Einheit zwischen Denkendem und Gedachtem sich findet. Die Mittel zu diesem Nachweise aber hat ihm Aristoteles geliefert, und wir müssen bis auf diesen zurückgehen, um Maimoni's wie aller arabischen Philosophen Lehre vom Geist und die Anwendung derselben auf das göttliche Denken zu verstehen. Bekanntlich soll die Aristotelische Definition der Seele, dass sie die Entelechie eines durch Naturbestimmtheit zum Leben geeigneten Körpers sei, nicht den Geist (vovg) in seinem Fürsichsein mitumfassen, da sich seine Thätigkeiten als die Entelechien keines Körpers ergeben. In der Bestimmimg .dieses Geistes nun, dessen Thätigkeiten 1) More I., 68. 2