Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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8 falsch, dem Feuer mit Rücksicht darauf, dass es die einen Dinge schmelzt, die andern zum Gerinnen bringt, die einen schwärzt, die andern weiset u. s. w., die Attribute des Schmelzenden, des zum Gerinnen Bringenden, des Schwärzenden, des Weissenden beizulegen, wenn man nur nicht in ihm selbst ebenso viele verschiedene Naturen sucht, mittelst deren einer es schmelzt u.s. w. Doch bleibt freilich, hier noch ein Einwand, dem wir begegnen müssen. Wir geben zu, sagen nämlich Einige, dass von einer in sich einheitlichen Substanz verschiedene Wirkungen ausgehen können, behaupten aber, dass dennoch auch wesentliche Attribute angenommen werden müssen, die, ohne Rücksicht auf die von Gott ausgehenden Wirkungen, in ihm selbst zu unterscheiden sind, wenn man ihn nicht der Unvollkommenheit zeihen will. Solcher wesentlicher Attribute aber zählen sie vier auf: lebend, könnend, wissend, wollend. Das sind vier von einander unterschiedene Ideen, sagen sie, die aber nothwendig alle in Gott gedacht werden müssen, wofern wir ihn nicht als unvollkommen denken wollen. Darauf antworten wir aber vorläufig: Das Wissen Gottes, als ein Wissen von seinem eigenen Selbst, ist mit seinem Leben identisch. Ferner hat seine Macht und sein Wille nur einen Sinn in Bezug auf die Creaturen, denn auf sich selbst hat er weder eine Macht auszuüben, noch ist er ein Gegenstand seines Willens. Ist aber das Wissen, das Können und das Wollen Gottes, von dem sie reden, nur mit Rücksicht auf sein Verhältniss zu den Dingen gesagt, so bekennen wir uns vorerst zu der Annahme, dass, so wenig Etwas zu seinem Wesen hinzukommt, vermittelst dessen er die Himmel, ein Anderes, vermittelst dessen er die Elemente u. s. w. geschaffen hat, ebenso wenig in ihm zu unterscheiden ist ein Etwas, welches will und ein Etwas, welches kann, und ein Etwas, wodurch er Kunde von den geschaffenen Dingen hat. Aber auch dies ist im Grunde ungenau. Das Genauere ist vielmehr, dass zwischen Gott und den Dingen, wie kein eigentliches Verhältniss, so auch keine eigentliche Aehnlichkeit besteht/ Folglich ist es falsch, irgend Etwas von Gott zu prädiciren, was auch von einem Andern prädicirt werden kann, nur mit dem Unterschiede des Mehr und Minder. Die Attribute: Existenz, Leben, Wissen, Macht, Wille werden vielmehr auf Gott und auf uns blos homonymisch angewendet, ohne dass die mindeste Sachgleichheit zwischen Beiden herrscht. Denn so gut wie die übrigen genannten Attribute ist selbst die Existenz fiir die Dinge ein Accidens, welches zum Wesen der Sache hinzukommt. Ebenso ist auch die Einheit, auf die Dinge angewendet, nicht dasselbe was die einheitliche Sache. So schwer es nun auch ist, das wahre Sachverhältniss durch einen genauen Ausdruck zu fixiren, so müssen wir von Gott doch sagen, dass er existirt, aber nicht durch die Existenz, dass er lebt, aber nicht durch das Leben und auch, dass er einheitlich ist, aber nicht durch die Einheit. Wir wollen im Grunde mit dem Satze: Gott ist Eins, hur Etwas Negatives ausdrücken, dass wir ihn nämlich nicht als vielfach zu denken haben, die Art seiner Einheit ist aber damit noch nicht bestimmt, gerade wie, wenn wir von Gott Ewigkeit prädiciren —'■ ein Ausdruck, der schon darum positiv genommen einen schiefen Sinn giebt, weil wir jede ewige Sache uns in einer Beziehung zur Zeit denken, Gott aber ausser aller Zeit ist — wir nur das Entstandensem Gottes negiren. Die wahren Attribute Gottes sind daher diejenigen, die das Wesen Gottes nur vermittelst der Negation bezeichnen. Wenn wir nämlich beispielsweise durch Demonstration erkannt haben, dass ausser den vorhandenen Dingen ein Wesen sein müsse, das wir vermittelst des Geistes erkennen, so sagen wir, dass es existire, womit wir nur ausdrücken, dass sein Nichtvorhandensein undenkbar