Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2720909--0215-2721456- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7 sophen Gott nicht definirt werden kann, da die Definition bekanntlich durch das Genus und die spezifischen Differenzen zu Stande kommt. 2. Attribute, die einen Theil der Definition ausmachen, wenn nämlich beispielsweise, vom Menschen blos das Genus (Thier) oder die specifische Differenz (vernünftig) ausgesagt wird. Diese Klasse von Attributen wird ebenfalls in Kücksicht auf Gott von Allen verworfen werden, weil, wenn es einen Theil seiner Wesenheit gäbe, diese selbst aus Theilen zusammengesetzt sein müsste. 3. Die dritte Classe von Attributen ist die, die über die Wesenheit der Sache schon hinausgehen, so dass das Attribut den Begriff derselben nicht mehr constituiren hilft, vielmehr zu einer der vier Arten der Qualität gehört *). Gott hat aber weder eine Seele, so dass ihm dauernde Bestimmtheiten (effitg) und vorübergehende Zustände (dia&eoeig) zukämen, noch hat er ein entgegengesetzter Aeusserungen fähiges natürliches Vermögen und Unvermögen, noch kann er afficirt werden, noch passen auf ihn die Verhältnisse des Wie gross. . 4. Eher scheint man die Classe von Attributen auf Gott anwenden zu können, durch welche man ein Ding bezeichnet blos in Rücksicht auf sein Verhältniss zu einer andern Sache, wie man etwa einen Menschen bezeichnet als Vater eines andern, als Bewohner dieses und dieses Ortes, als lebend in dieser und dieser Zeit. Denn solche Verhältnissbegriffe drücken weder das Wesen noch, wie die Qualitäten, Etwas am Wesen aus. Es müsste also untersucht werden, ob zwischen Gott und irgend einer der übrigen Substanzen ein solches Verhältniss stattfinde, durch welches er bezeichnet werden könnte. Dass nun von keiner eigentlichen Relation die. Rede sein kann, folgt einfach daraus, dass zwischen einem Wesen von nothwendiger Existenz — eine Bezeichnung Gottes, die hier einstweilen anticipirt wird — und solchen, die nur eine mögliche Existenz haben, keine vollkommene Reciprocität statthaben kann. Aber auch ein irgendwie positiv zu bestimmendes Verhältniss ist undenkbar2), da, genau zugesehen, ja nicht einmal zwischen Dingen desselben Genus, sondern nur derselben Species von einem Verhältnisse gesprochen wird, vollends aber unter verschiedene Genera begriffene Dinge, w. B. die Intelligenz und die Farbe, nicht zu einander in Verhältniss gesetzt werden können. Bedenkt man nun gar, dass die zwischen Gott und den Dingen selbst darin zu findende Gemeinschaft des Wesens, dass von Beiden Dasein prädicirt wird, nur im Ausdrucke, nicht in der Sache existirt, wie das später noch gezeigt werden soll, so wird man die Unzulässigkeit positiver Attribute der Relation zur Bezeichnung Gottes erkennen. Nichtsdestoweniger kann man diese Classe von Attributen sich am leichtesten in der Rede gestatten, weil sie keine Vielheit in Gott selbst setzen. 5. Eine fünfte Classe von Attributen endlich ist die, bei deren Anwendung man eine Sache bezeichnet durch die Wirkung, die von ihr ausgeht. Von diesen aber ist zu sagen, dass sie, als dem Wesen Gottes durchaus fremd, unbedenklich gebraucht werden können, wenn man nur festhält, dass die verschiedenen Handlungen Gottes nicht auch in ihm selbst Verschiedenheiten bedingen, sondern alle aus seinem einen und ungetheilten Wesen fliessen. In ähnlicher Weise wäre es nicht 1) Ueber diese auf Aristoteles (cat. 8) zurückgehende Eintheilung der Beschaffenheiten (notonjitg) ist Brandis grosses Werk: „Aristoteles und seine Zeitgenossen", TheilI, S. 385, und Trendelenburg's Geschichte der Kategorienlehre zu vergleichen. Ausserdem Münk zur Stelle S. 193 ff. 2) Plotin LI. eff* dt okag tiqos ovdtv avxov ksyHv.