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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 7

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720909--0213-2721454
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5 Anschauung nach einer Religionsphilosophie fremden philosophischen Thematen begegnen. Nichtsdestoweniger lässt sich doch auch, wenn wir die rein philosophischen Abhandlungen des More aus ihrer theologischen Umgebung herausheben, eine geschlossene Ordnung des Maimonischen Philosophirens erkennen und etwa folgendermassen skizziren. Maimoni beginnt damit, den im Glauben vorhandenen Gottesbegriff so zu erörtern, daas dadurch erst sein voller Inhalt und die Notwendigkeit, ihn in sich selbst widerspruchslos zu gestalten, zu Bewusstsein gebracht wird, und das ist seine Lehre von den göttlichen Attributen, eine offenbar durch den Einfluss des Neuplatonismus *) angeregte brennende Zeitfrage, welche auch die arabischen Religionsphilosophen in verschiedene Lager theilte2). Der naturgemäss zweite Schritt, den er dann thut, ist, die Realität des so von innern Widersprüchen gereinigten Gottesbegriffes nachzuweisen. Da ihm jedoch der ontologische Beweis des Anseimus fremd ist, so kann er das nicht, ohne Rücksicht auf die vorhandene Welt zu nehmen, um von dem Effekt auf die Ursache zu schliessen. Dazu bieten sich ihm nun aus seiner geschichtlichen Kenntniss der philosophischen Meinungen zwei Wege, und er übt eine sehr eingehende Kritik, um vor den Augen des Lesers sich für den einen eher als für den andern zu entscheiden. Nach seiner Auseinandersetzung nämlich 3) stehen sich bei den Beweisen für die Existenz, Einheit und Unkörperlichkeit Gottes die MutakaJlimun einerseits, andererseits die Philosophen — bei den Arabern die übliche Bezeichnung derjenigen Denker, die nach dem Ausdrucke Scharastani's lediglich „ihrem eigenen Kopfe folgen", also vorzugsweise der Aristoteliker — sowohl was die Grundannahmen, von denen sie ausgehen, als auch was die Methode ihrer Beweisführung anbetrifft, durchaus entgegen. Die Grundannahmen der Mutakallimun aber werden nach Maimoni schon durch den Satz des Themistius gerichtet, dass die wahren Meinungen von den Dingen, nicht aber umgekehrt die Dinge von den Meinungen abzuhängen haben, da ein Theil der Vordersätze des Kalam, mit denen das Uebrige stehe und falle, sich gegen das deutliche Zeugniss der Sinne sperre, ein anderer, wie die Behauptung, dass das All aus Atomen bestehe und dass das Leere existire, sogar mit der Evidenz der geometrischen Beweise streite. Nicht minder tadelnswerth ist nach ihm die allen Mutakallimun gemeinsame Methode, zuerst die Weltschöpfung, dann die Existenz eines Schöpfers zu beweisen, da sie die Regel missachte, dass nur aus Evidenterem das minder Evidente gefolgert werden müsse. Auch flir diejenigen nämlich, die sich zur Annahme einer Weltschöpfung bekennen und zu denen er selbst gehöre, sei diese Behauptung dennoch .weniger strikt beweisbar, als die Existenz, Einheit und Unkörperlichkeit Gottes. Warum also auf das minder Evidente und durch Angriffe zu Erschütternde die wichtigsten Lehren bauen? Vielmehr wolle er zwar selbst ausführlich die Gründe erörtern, welche für die Schöpfung sprechen, nicht eher aber, als bis er die wichtigeren Sätze auch ohne diese Hypothese sicher gestellt habe. Seine Methode sei demnach so aufzufassen, dass er die Behauptung der Philosophen, die Welt sei ewig (aparte ante) vorerst zugebe, um sich ihrer Beweise bedienen zu können, und dass er erst nachher über diese Hypothese mit ihnen rechte. Der scheinbare Widerspruch aber , den Schern- Tob Falaquera, einer seiner bedeutendem 1) Die Wurzel der Lehre über die Attribute ist in Plotinischen Stellen wie etwa enn. VI., 8,8; ibid. 11 und ähnlichen zu suchen. 2) Vgl. Pococke, spec. hist. arab. S. 214 ff. und Münk S. 180. 3) More I., 71 ff.

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