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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 5

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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…/2720904-2720909--0211-2721452
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angeschlossen und die Ausgleichung mit dem Glauben etwa in derselben Weise, wie er es selbst im More thut, zu treffen versucht hätten. Wenn nun dieses Urtheil auch so allgemein, wie Maimoni es ausspricht, nicht zutrifft1), da einerseits auch von den Mutakallimun stark beeinflusste spanische Eeligionsphilosophen wie Bachja ben Joseph und später zur Zeit Maimoni's Ibn-Zadik auf uns gekommen, sind, andererseits der geniale Verfasser des Cusari, Jehuda Halevi, obwohl innig vertraut sowohl mit dem Aristotelismus als auch mit dem Kalam. der Araber, weder dem Einen noch dem Andern seinen Glauben zu danken haben wollte, sondern den durch Beweisthümer vermittelten Glauben nur für solche nöthig erachtet, denen „der Glaube nicht Natur ist", so finden wir doch in Abraham ben Daud aus Toledo (1160) einen höchst nennenswerthen Repräsentanten der von Maimoni in Spanien als herrschend bezeichneten philosophischen und exegetischen Richtung, die in diesem selbst ihren Höhepunkt erreicht hatte. Das diese Richtung Bezeichnende besteht nun darin, dass ihre Vertreter sich rückhaltlos und zuversichtlich dem Studium der Philosophie, wie sie ihnen durch die arabischen Aristoteliker von Alfarabi bis Ibn-Sina und Ibn-Roschd vermittelt wurde, hingaben und in der unbefangenen Forschung keinerlei Gefahr für den wahren Glauben fürchten zu müssen meinten. Vielmehr gingen sie noch einen Schritt weiter und hielten sich überzeugt, dass in der Bibel dieselben philosophichen Wahrheiten nur in anderer Form wiederzufinden seien, und dass eine geeignete Exegese nicht nur keinen Widerspruch, sondern sogar eine merkwürdige Bestätigung des von der Philosophie Gelehrten ergeben müsse. Wir begegnen daher hier einer der Alexandrinisehen ähnlichen Bibelauffassung 2), ohne dass jedoch ein geschichtlicher Zusammenhang zwischen beiden besteht, vielmehr nur die gleichen Ursachen die gleichen Wirkungen erzeugen. Wohl aber hatten auch die Araber eine ziemlich weitgehende allegorische Interpretation des Koran, auf die sich sogar die Herrschaft der Abbassiden stützte3), und scheint der Karäer Benjamin ben Moses Nahawendi der Erste gewesen zu sein, der zur Ausgleichung mit philosophischen Resultaten der allegorischen Auslegung nach der Methode der Araber sich bedient hat4).- Um nun speciell auf Maimoni zu kommen, so macht das gerade seine Grösse, dass er so vollständig seine Zeit in sich aufgenommen hat und wiederspiegelt, dass er demjenigen, der wahrhaft geschichtlich anschaut, wie der sichtbar gewordene Zeitgeist einer eigen gearteten Epoche erscheint. Wir bekennen uns heutzutage weder zu Maimoni's philosophischen Meinungen, noch auch können wir uns eines gewissen tinbehaglichen Gefühls gegenüber seiner Bibelexegese erwehren. Aber weit entfernt, sein geschichtliches Bild zu trüben, spricht dieser Umstand vielmehr für die Normalität seines Wesens, das alles in seiner Zeit vorhandene Grosse und Bedeutende in sich gesammelt und zur Einheit eines Gesammtbildes verdichtet hat. Freilich wird derjenige, der gerade im Abnormen das Grosse sucht, bei Maimoni ein Hinausgehen über seine Zeit vermissen. Aber wenn ein solches Hinausgehen überhaupt jemals vorkommt, so wird doch auch derjenige nicht gering anzuschlagen 1) Vgl. Münk's belehrende Anmerkung zu Seite 339 seiner französischen Uebersetzung des ersten Theiles des More. 2) Der Vergleich ist freilich cum grano salis zu verstehen, da zwischen der die kraftvollsten geschichtlichen Persönlichkeiten und die bedeutsamsten Gesetze zu Symbolen und Allegorien verflüchtigenden Manier der Alexandriner und den gesetzeskundigen und gesetztreuen Spaniern, die mit ihrem Allegorisiren nie das Solide in Wässriges verwandelten, noch immer ein weiter Unterschied ist. 3) Weil, Geschichte der Chalifen, TheilL, S.632; Theil II., S.260. 4) S. Haarbrücker's deutsche Ausgabe des Scharastani, S,257.

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