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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 32

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1858
Date
1858-01-01
Page
Seite 32 (sequence 34)
Language
German
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32 bekannt war. Als Erwig das Concil zu scharfen Maassregeln gegen die apostatischen Neophyten entflammte, führte er dessen Mitgliedern zu Gewissen, dass sie die kanonischen Gesetze nicht ausser Acht lassen mögen und besonders jenes Gesetz, „wodurch unser Herr und Vorfahr Sisebut alle seine Nachfolger mit einem ewigen Fluch gebunden hat, dass keiner derselben gestatten solle, dass ein Christ einem Juden als Sklave oder Leibeigener diene"1). Dieser Passus unterscheidet also die kanonischen Beschlüsse gegen die „Juden" von dem Sklavenbesitzgesetze. Jene gingen von den Concilien aus, dieses gehörte Sisebut an. Auch in einem Paragraphen seiner Sammlung bemerkt Erwig, dass er das von Sisebut erlassene Sklavenbesitzgesetz einschärfen wolle (Proinde legem illam, quae a praedecessare nostro divae memoriae Sisebuto rege est edita III., 12). Wären auch die übrigen Gesetze gegen die judaisirenden Neophyten von Sisebut ausgegangen, so hätte Erwig nicht ermangelt, sich auf diese orthodoxe Autorität zu berufen. Es ist sonnenklar, dass die altern kanonischen Verfügungen, die antiquorum canonum regulae in Judaeos, Sisebut nicht zum Autor haben. Nur das, den Juden den Besitz christlicher Sklaven verbietende, Gesetz in der Receswinthischen Sammlung (14) gehört Sisebut an. Denn das von Erwig hervorgehobene Moment, dass Sisebut seinen Nachfolger durch einen Fluch gebunden hat, es aufrecht zu erhalten, befindet sich in diesem Paragraphen (zu Ende). In dem darauf folgenden Paragraphen beruft sich der Sammler (JReeeswinth) selbst auf dieses von Sisebut verhängte Anathema über die Uebertreter des Sklavenbesitzgesetzes {et in legum transgressionibus illa immobilster sententia permaneat, quam Sisebutus rex risus est in hujusmodi actione superiori lege sanxisse). Auch der vorangehende Sklavenbesitzparagraph (13) gehört Sisebut an. Denn er enthält dieselben Bestimmungen wie § 14, setzt dieselbe Präklusivfrist fest, innerhalb welcher die Juden ihre christlichen Sklaven verkauft haben müssten: vom Jahresanfang bis zum ersten Juli (ab anno regni nostro proximo ad Calendas Jidias). Das Auffallende, dass zwei Paragraphen über denselben Gegenstand von demselben Gesetzgeber erlassen worden sein sollten, verschwindet, wenn man den Anfang beider Paragraphen ins Auge fasst. Der eine (13) ist an die Bischöfe und Richter des Landes gerichtet (episcopis sive judicibus), der andere (14) ist für das Volk erlassen (universis populis regni nostri). Bei diesen zwei Paragraphen stimmt die Ueberschriffc in den meisten Codices mit den Ergebnissen der Kritik überein, indem auch sie dieselben Sisebut vindicirt. Aber um die Unzuverlässigkeit der Epigraphen recht augenfällig zu machen, hat gerade der vierzehnte Paragraph, der noch sicherer als der vorhergehende von Sisebut stammt, in einem Codex, dem Cardonaischen, die gewiss falsche Ueberschrift: Flavius JRecesuindus rex. Haben wir bisher mit Hilfe kritischer Vergleichung gefunden, dass Sisebut keinesweges als Autor der meisten anonymen Gesetze in der ßeceswinthischen Sammlung, sondern nur der zwei Sklavenbesitzparagraphen anzusehen ist, so gilt es jetzt nachzuweisen, dass ihm auch nicht jenes Gesetz in der 1) Etenim valde nobis cavendam est, ne tot antiquorum canonum regulae, quae pro eorum \.Judaeorum) erroribus sunt etiam cum anathemate p'rotnulgatae, nos illorum culpae obnoxios reddant, praesertim si lex illa — serenitatis nostrae in tempore — cesset, ubi divae memoriae dominus atque praecessor noster Sisebutus rex omnes successores sub perpetua maledictionis censura obstrixit, quicumque regum mancipium christianum Judaeo servire vel famulari permiserit {Conc. tolet. XII. praef. 4 in d'AuuiKKE's Sammlung 682).

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