Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
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21 haben wohl noch weniger die indictio judaica eingeführt. Sie stammt also sicherlich von einem der katholischen Regenten her, vielleicht von einem König nach Sisebut, der ihnen für diese Leistung Rückkehr und Aufenthalt gestattet hat. Es kommt aber in der lex Visigotliorum keine Verfügung darüber vor, sondern die Steuer wird als üblich vorausgesetzt. — Eine eingehende Analyse der ganzen Gesetzsammlung und der einzelnen Paragraphen de Judaeis wird es noch mehr zur Gewissheit erheben, dass die meisten Paragraphen den judaisirenden Convertiten gewidmet waren, einige den Juden und Convertiten gemeinsam, und nur drei Paragraphen galten den Juden vxcc ^e^oyrv. Zur leichteren Orientirung dürfte es gerathen sein, die betreffenden Paragraphen des westgothischen Codex in Gruppen auseinander zu legen und deren Verhältniss zu einander zu ermitteln. Dass wir es mit drei Gruppen oder Sammlungen zu thun haben, ist bereits oben angedeutet worden, obwohl sie im westgothischen Codex nur in zwei Titel zerfallen, nämlich Titel II mit 15 Paragraphen und Titel III mit 27 Aber drei Sammlungen sind ausdrücklich bezeugt: die erste und zweite dem ganzen Umfange nach, mit Angabe der Ueberschriften und des Inhalts, die dritte nur andeutungso ö y o o weise. Die zweite von Erwig angelegte Sammlung ist Paragraph für Paragraph von den Vätern des Concils sanetionirt worden, und eben dadurch ist sie vollständig beurkundet. Sie umfasst, wie schon gesagt, den ganzen dritten Titel. Diese documentirte Sammlung beurkundet ihrerseits eine ältere Sammlung ihrem ganzen Umfange und ihrer Ordnung nach namhaft, in der Absicht sie zu bestätigen O O O O J ö oder zu modificiren 2). Nur der Strafparagraph (§ 12 der Vidgata) ist nicht namhaft gemacht, eben weil ihn Erwig ganz cassirt hat (S. 15). Diese ältere Sammlung bildet demnach, wie die Erwig'sche, ein einheitliches Ganze uad setzt einen einzigen Sammler voraus. Der Sammler der älteren oder ersten Gruppe war ohne Zweifel Receswinth, nicht etwa weil die meisten Paragraphen die Ueberschrift haben: Flavias Reeesuindiis rex (abgekürzt Rees) und in der castilianischen Uebersetzung: Dan Reseindo, Recendo, Reciendo; den Epigraphen ist, wie schon einleitend bemerkt worden, kein Gewicht beizulegen. Einige Codices haben gar keinen Autornamen an der Spitze dieser Paragraphen, und die in Deutschland verbreitete Lindenbrog'sche Ausgabe hat sogar für den einleitenden Paragraphen das Epigraph Chints, was Chindaswind bedeuten soll. Nicht die unkritische Ueberschrift, sondern der Text selbst sagt es deutlich aus, dass der erste Sammler des westgothischen coi'pus juois, d. h. Receswinth, zugleich die Gesetze gegen Ketzer und Juden (im weiten Sinne) zusammengestellt hat. Der zweite Titel beginnt nämlich mit 1) Der dritte Titel enthält; zwar 28 Paragraphen, aber der § 2 mit der Ueberschrift de blaspkematoribus sdnetae Trinitutis betrifft keinesweges die Juden, weil weder in der Ueberschrift, noch im Con texte Jüchens vorkommt. Noch mehr beweist es der eilfte Kanon des XII. Concils, wo die Erwig'schcn Paragraphen vollständig aufgezählt werden mit den Worten item ne Judaeus oder in einer anderen Fassung, und dieses Gesetz über die Lästerung der Trinität nicht mit aufgezählt wird (bei d'AcuiRRE 1. c. p. 686 No. 27—30). Jost und Andere haben Unrecht, wenn sie auch dieses Gesetz für die Juden gelten lassen. 2) T. III. § 1. Denique abhinc specialiter rehixatae (Vor. lutae) sint leges, quae in Judaeorum sunt transgressionibus positae: id est de datis et confirmatis legibus supra Judaeorum nequitiam promulgatis, sive de cunetis Judaeorum erroribus amputandis; (das sind eben die Ueberschriften für die §§ 3 und 4 des Titels II). Ita vero ne Juduei more suo celebrant pascha (§ 5), neque more suo foedus nuptiale copulare praesumunt (§ 6), et ut carnis circumeisionem ne faciant (§ 7), neque more suo dijudicent esctis (§ 8), nec contra Christianos inscribant (§ 9), et nec contra Christianos testlficari praesumant (§ 10), ut ne Judaeus christianum maneipium circumeidat (§ 11). Nullo modo Judaeis maneipia christiana deserviant (§ J.3 und 14), de interdicto, ne quisquam (Christianomni) Judueos /actione atque favore vindicare studeat vel iueri (§ 15).