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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 16

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1858
Date
1858-01-01
Page
Seite 16 (sequence 18)
Language
German
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16 Geis'selhieben, Decalvation und Exil. Dieses Strafmaass setzte Erwig für sämmtliche apostasirende iDebertretungen der jüdischen Neopbiten mit Ausnahme der Beschneidung, für welche er auch das Nasenabschneiden hinzufügte. Noch härter wurden die Erwig'schen Gesetze dadurch, dass sie die getauften Juden unter die besändige Aufsicht der Geistlichen stellten und eine Art Passwesen für sie einführten. Sie durften ohne das Visum eines Geistlichen mit dem Vermerk aufrichtigen katholischen Glaubens keine Keisen im Lande machen. Das Sclavenbesitzgesetz der Juden verschärfte Erwig, dass es ihnen nicht einmal gestattet sei, ihre christlichen Sclaven freizulassen; „denn es sei unwürdig, dass diejenigen, welche, mit der unfläthigen Knechtschaft des Unglaubens behaftet sind, den Christen den Titel der Freihett verleihen sollten"3). Es wird sich später zeigen, dass Erwig diesem Gesetze auch eine andere Wendung gegeben hat. Am 25. Januar (681) war das zwölfte toletanische Concil geschlossen, und zwei Tage darauf wurden die Erwig'schen Gesetze den Juden in der Kirche Sancta Maria zu Toledo vorgelesen und zur strengen Nachachtung eingeschärft 2). — Obwohl in diesen Gesetzen auch eine Verfügung enthalten war, dass die noch nicht getauften Juden sich binnen Jahresfrist der Taufe unterwerfen müssten, wenn sie nicht den Strafen von hundert Geisseihieben, Stirnhautabschinden, Güterconfiscation und Exil verfallen wollten 3), so wurde diese Verfügung doch nicht ausgeführt. Wohl wurden sämmtliche Synagogen im westgothischen Spanien zerstört4), aber ausgewiesen wurden die treu am Judenthum Hangenden nicht, als wenn der westgothische Staat die Unentbehrlichkeit der Juden embfunden hätte. Julian von Toledo selbst, der Präsident der Synode, welche jenen Paragraphen genehmigte, dass die noch nicht getauften Juden es binnen Jahresfrist zu vollziehen hätten, hatte eine intime Beziehung zu einem Juden Namens Eestitutus, durch den er seinem Freunde Idalus, Bischof von Barcelona, sein Buch von „der Vorkunde der Zukunft" (pi'ognostieon futuri saeculi) zukommen liess (687). Freilich wunderte sich Idalus Anfangs nicht wenig darüber, wie der heilige Julian eine Schrift geistlichen Inhalts einem „ungläubigen und gottlosen Juden" anvertrauen und gewissermassen „ein Thier zum Lichtträger" machen konnte 5). Julian schrieb zwar auch ein Buch gegen die Juden auf Geheiss des Königs Erwig, das aber den convertirten Juden gegolten habeu mochte, und also weniger das Vorhandensein der Juden im westgothischen Spanien zu Julian's Zeit beweist, als eben dessen Verhältniss zu Eestitutus. Da aber die Juden unter Erwigs Nachfolger wieder Gegenstand synodaler Gesetzgebung waren, so ist kein Zweifel, dass der Taufzwang nicht an ihnen vollzogen worden war. 1) Nullu$ ex Judaeis mancipium christianmn habere praesümat, excepto hoc uno, quod lex ipsa [Sisebuti regis) eis permittii, ut christianum mancipium Judaeus audeat manumittere, quia valde indignum est, ut hi, quos coenosa servitus perfidiae maculat libertatis titulum christianis imponant. Nonenim est consequens, ut tenebrae lucem obnubilent, aut servitus praeroget libertati (Ibid.§ 12). 2) Schluss des Com. toi. und der lex Visgoihorum. 3) Proinde si quis Judaeorum de his scilicet qui adhuc non snnt baptizati — vgl unius anni spatium post legem hanc editam — sine gratia buptismi transegerit, centum ßagella suscipiat et decalvatus debita mulceretur exsilii poena (ibid. § 3). 4) Als der König Egica sich über die öden zerfallenen Kirchen im Lande beklagte, fügte er hinzu: Quod (semirutae, labefactae et viduatae basilicae) non tantum sacerdotibus dei in culpa est, verum etiam et infidelibus Judaeis ridiculum affert, nihil praestüisse interdictas sibi ac destructas fuisse synagogas, cum cernant pejores Christianorum effectas esse basilicas {Conc. tolet. XVI. praef. 6. bei d'ÄGUiRKE 736). 5) Adveniens namque quidam Judaeus, quasi brutum, ut ita dixerim, animal, materiam lumini congruentem deportans, librum. — suscipiens mirasse ine fateor, cur tanti et tarn praeclari viercimonii causam tarn infido et a cultu dei alieno vestra sanctitas crediderit bajulo (Epistola Jdali bei d'AGUiEKE 1. c. 536).

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