Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/2720904-2720911--0178-2721418- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
13 zurückgefallen, dass an ihnen die Lästerung noch abscheulicher erscheint, als an denen, welche nicht dtu'ch die Taufe die Wiedergeburt erlangt haben." Darauf beschwor Receswinth die Versammlung, dass sie ohne Vergünstigung und Ansehen der Person einen, Gott und dem Glauben wohlgefälligen, Beschluss gegen die Juden beiderlei Gattung fassen möchten *). Die Väter des Concils fassten indess keine neuen Beschlüsse in Betreff der Juden, sondern erneuerten die alten des vierten Concils unter Sisenand, dass die getauften Juden im Christenthum verharren müssten, den ungetauften Juden dagegen sollte keinerlei Zwang aufgelegt werden 2). Den Letzteren wurde nur das Recht des Sklavenbesitzes und der Amtsbekleidung genommen, die ersteren aber traf die ganze Strenge der Sisenand'schen Gesetze: Losreissen vom Judenthume, Zwang zur Uebung der Kirchenriten und noch dazu Unzulässigkeit zum Zeugnissabiegen. Die Convertiten sahen sich zum zweiten Male gezwungen, die Betheuerung ihrer Anhänglichkeit an die Kirche durch einen Revers kundzugeben, und sie thaten es mit schwerem Herzen (18. Februar 654). Sehen wir uns den Inhalt des für Receswinth ausgestellten placitum Judaeorum genauer an, weil es für unser Thema von gewichtiger Beweiskraft sein dürfte. Die Convertiten der Stadt Toledo schrieben: „Unserem durchlauchtigsten und gnädigsten Herrn und König Receswinth (wünschen) wir, sämmtliche Hebräer der Stadt Toletum, die wir unten unterschreiben oder Zeichen machen werden, Heil 3). Wir haben zwar schon unter Chintila in einem ■placitum versprochen, im katholischen Glauben zu verharren, aber unser Unglaube und der angestammte Irrthum unserer Vorfahren haben uns gehindert, Christus als unsern Herrn zu verehren und den katholischen Glauben aufrichtig zu bewahren." Von nun ab aber versprachen sie für ihre Frauen und Kinder freiwillig, dass sie sich nicht mehr mit den alten Riten und den jüdischen Bräuchen befassen werden. Sie wollen nicht mehr mit ungetauften Juden verdammenswerthen Umgang pflegen, nicht mehr in Blutschande bis zum siebenten Grade der Verwandtschaft heirathen, nicht mehr jüdische Frauen heimführen, sich nicht mehr beschneiden, nicht mehr Pascha, Sabbat und andere jüdische Feste feiern, nicht mehr die Speisegesetze beobachten, überhaupt nicht mehr, was die Satzung der Juden und die abscheuliche Gewohnheit vorschreibt, üben, sondern mit aufrichtiger Hingebung gemäss den Evangelien und der apostolischen Tradition glauben und 1) Flavius Recesuinthus rex. Judaeorum scilicet vitam moresque denuncio, quorum tantummodo novi terram regiminis mei pollutam esse peste contagii. Nam quum Deus omnipotens omnes ex hac regione radicitus exsitirpaverit kaereses, hoc solum sacrilegii (dedecus) remanisse dignoscitur. — Ex iis enim quosdam traditionis errore vetustae video retinere jura perfidiae, quosdam vero sacri baptismatis expiatos ablutione, ita in apostasiae dolo (Var. dermo) relupsos errorem, ut detestabilior inveniatur in eis profanatio blasphemiae, quam in Ulis, quos nondum constat purificatos esse. — Obsecro atque contestor, ut absque omni Javore, absque omni personarum partis ipsorum acceptione — de Iiis jubeatis ardenter et verissime Deo ac fidei meue placitum sententiam dare (Conc. toi. XIII. praef. 12, 13 bei (TAguirre 1. c. 540). 2) Nihil aliud pro his (Judaeis) ex nostra sententia definitur, quam ut decreta Concilii toletani, quod divae memoriae Sisenandi regis aggregatum est tempore, a nobis ac posteris omni modo suppleantur. Quisquis autem ab ejusdem Synodi voluerit sententia dissentire, ut vere sacrilegum se noverit condemnari {ibid. c. XII. (TxYguiree 547). 3) In der Ueberschrift: Clementissimo — Recesvindo regi omnes nos Hebraei toletani civitatis, qui infra subscripturi vel signa facturi sumus, fehlt das Wort salus, ohne welches sie nicht verständlich ist. Dieses Wort ist noch in der castilianischen Uebersetzung erhalten. Sie lautet: El nuestro sehor — el rey Resicindo, nos todos los judios de la cibdade de Toledo — saludes.— Dass dieses Placitum nur von den toletanischen Convertiten ausgestellt war, folgt aus der citirten Ueberschrift und aus dem Sclüusse, welcher lautet: Jactum placitum sub die XII. Kalendarum martiarum — Toleto. Schwerlich werden sämmtliche jüdischen Convertiten zu diesem Zwecke nach Toledo berufen worden sein. Daher ist die Leseart der Lindenbrog'schen Ausgabe, welche nur von einem einzigen Codex unterstützt wird: toletani civitatis atque Hlspaniae, zu verwerfen. Wir besitzen nur das placitum toletanum.