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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 3

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1858
Date
1858-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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3 bleibt bei der vulgären Auffassung der westgothischen Gesetzgebung gegen die Juden im hohen Grade räthselhaft. Freilich kann man mir einwenden, der raffinirte Fanatismus der westgothischen Gesetzgeber hat die Auswanderung der Juden erschwert, er wird vielleicht auf Fluchtversuch eine schwere Strafe gesetzt haben. Dem ist aber nicht so. Es findet sich kein Gesetz gegen die Auswanderung der Bekenner des Judenthums. Die Strafe, welche über diejenigen verhängt wurde, „die in andern Gegenden einen Schlupfwinkel suchen," war — nächst Güterconfiscation — eben das Exil1), d.h. das Verbot, sich wieder auf spanischem Boden blicken zu lassen. Denn die Strafe von Geisseihieben und Decalvation, die ebenfalls auf ein solches Vergehen gesetzt wai*, konnte doch nun einmal an den Entkommenen nicht vollzogen werden. Auch Sisebut, der westgothische Antiochos Epiphanes für die Juden, hat ihn«n die Wahl zwischen Taufe und Exil freigelassen, und in Folge seiner Zwangs bekehrung sind, wie der Biograph des Königs Dagobert berichtet, viele Tausend Juden nach Gallien ausgewandert2). Der Irrthum derjenigen Geschichtsschreiber, welche behaupteten, Sisebut habe den Juden nur die Alternative zwichen Bekehrung und Tod gelassen, ist längst erkannt und berichtigt, da die Hauptquelle für das Factum, das Chronicon Isidor's von Hispalis, nichts von verhängter Todesstrafe für die Renitenten erwähnt. Wenn jene Kritiker Recht hätten, dass wir Sisebuts verhängnissreiches Edict der Zwangstaufe noch in einem Paragraphen der lex Visigothwum besitzen, so hätten wir einen sprechenden Beweis dafür, dass auch der incarnirte Fanatismus nicht so weit ging, den Juden das Auswandern zu verbieten, das Exil vielmehr als Strafmittel in die Sphäre des Gesetzes gezogen hat. Jener Paragraph verfügt nämlich, dass diejenigen Juden, welche binnen Jahresfrist nicht die Gnade der Taufe empfangen haben sollten, der Strafe des Exils verfallen sollten mit obligaten Geisseihieben und Stirnhautabschinden 3). Indessen wenn auch dieses Gesetz nicht Sisebut zum Autor hat (wie weiterhin bewiesen Averden soll), so bleibt es doch jedenfalls gewiss, dass Fluchtverbot keinesweges mit Taufzwang verbunden war, dass es demnach den Juden, welche ihrer Religion nicht entsagen mochten, frei stand, sich ein anderes Vaterland zu suchen, was damals bei der noch nicht vollendeten Zügigkeit der Völker nicht so schwer fiel. Was kann also die Juden bewogen haben, Gesetze über Gesetze, Verpönung über Verpönung über sich ergehen zu lassen und zu bleiben? 1) Si quis Judaeorum — in aliis partibus se latitandum transduxerit, centum ßagellis mulctabitur et decalvatus, rebus ejus in principis potestate redactis, exsilii conteratur aerumniis {Lex. Visigoth. Liber XII. T.III. §9). 2) Is enim {Sisebutus) Hebraeos regni sui Christum agnoscere coegit, eorum tarnen aliquot millia in Gallium effugerunt. 3) Si quis Judaeorum — vel unius anni spatium post legem hanc editam — sine gratia baptismatis transegerit, C. flagella suscipiat et decalvatus delicta mulceretur exsilii poena {Lex Visig. I. XII. T.III. §3). Don Diego deSaavedra schreibt dieses Gesetz Sisebut zu; vergl. die kritische Ausgabe der Lex Visegothorum, nach welcher hier citirt wird, unter dem Titel: forum judicum oder fuero juzgo en Latin y Castellano por la real academia espanola, Madrid 1815, und dazu die Einleitung von den Academikern de Lakdizabal u. A.: discurso sobre la legislacion de los wisigodos p. XIV. XV. Daselbst heisst es: Pruebase tambien por esta ley tercera, no ser cierto, que Sisebuto obligase a los judios a bautizarse com pena de muerte, como dice Ambrosio de Morales, Villadiego, Ferreras y otros, pues en ella se senalan individualmente las penas sin hacer mencion ningua de capital, de la que tampoco habla San Isidoro, en cuya autoridad se funda Morales, pues solo dice que los cpmpeliö por la fuexza del poder. — Sbmüel Usque, der die seiner künstlerischen Dichtung zu Grunde liegenden Thatsachen aus "alteren Quellen geschöpft hat, stellt im Anfange des dritten Dialogs seiner consolacoes das Sachverhältniss so dar, dass Sisebut zuerst Todesstrafe über die gegen die Taufe Renitenten verhängt, später aber sie in Ausweisung verwandelt habe: Vy Sisebuto forgar aos judeos que trocassem sua ley, e seo nao fizissem, dava licenca aos povos, quo os pudesem meter a boca de espada — e asssi per derradeiro estes {judeos) Joram livres da morte — dandolhe por pena desterra los assaz enjuriosamente de seus reinos. 1*

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