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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1857-01-01 · 1857 · page 30

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1857
Date
1857-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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28 Sabbatjahrgesetze zu mäkeln kein Raum ist. Aber nicht blos die Sabbatjahrfeier, sondern das Zählen nach der Sabbatjahraera war in der nachexilischen Zeit in Gebranch, was aus Folgendem erhärtet werden wird. 1) Das Buch Daniel braucht, um das Eintreffen gewisser Zeiten zu weissagen, die Sabbatjahrcyclen. „Vom Ausspruche des Wortes, Jerusalem wieder zu erbauen, bis zum herrschenden Gesalbten (Hohenpriester) sieben Jahrwochen. Nach zwei und sechszig Jahrwochen wird der Gesalbte (Hohepriester) vertilgt und Stadt und Heiligthum von einem herrschenden Volke zerstört werden. Eine halbe Jahreswoche wird das Opfer vom Altar verschwinden" (Daniel IX. 25—27.). Da diese Prophezeiung darauf angelegt war, auf das Gemüth des Volkes zu wirken, so müssen dem Volke die Sabbatjahrcyclen bekannt gewesen sein. 2) Im Talmud wird oft nach Sabbatjahrcyclen gezählt. Der Söller des Allerheiligsten wurde nur einmal in einem Sabbatjahrcyclus untersucht: V13W3 nns DV3 N^S nV {"»0:33 px D^npn tsnp rv3 iv^y (Pesachim 86 a. vergl. Talmud Kidduschin 71a, Jomalla, Synhedrin 40 a. In einigen dieser Stellen kommt zwar auch Jobel vor, allein nur in der Bedeutung eines grösseren Zeitabschnittes, eines halben Jahrhunderts, und es folgt hiex*aus nicht, dass, auch Jobelperioden als laufende Aera im Gebrauche gewesen). 3) In einem Formulare für Ehepakten findet sich das Datum folgendermassen angesetzt: Sabbatjahrcyclus, Jahr, Monat, Tag und Proconsulat (£7tttQ%iu).24) Da wir ims also in der nachexilischen Zeit auf historischem Boden befinden, in welcher der Gebrauch der Sabbatjahrcyclen nach Obigem ausser allem Zweifel ist, so ist dieser dritte Zeitraum für die Frage, welches Jahr als ein Sabbatjahr anzusehen sei, von der grössten Wichtigkeit. Schade nur, dass uns hierbei geschichtliche Daten fehlen, von welchem Jahre man das Zählen begonnen hat. Der Talmud versetzt den Beginn der. nachexilischen Sabbatjahrcyclen (und Jobelperioden) in Esra's Zeit, rückt aber Esra's Rückkehr mit der Heimkehr der Exulanten unter Zerubabel ganz nah aneinander, was uns hier nicht angeht. Der Talmud fuhrt ferner die Differenz zwischen R. Jehüda und der Gegenansicht auch in diesem Zeiträume fort, so dass je nach der einen oder der anderen Zählungsweise der Beginn der Sabbatjahrcyclen auch verschieden ausfällt. Nach R. Jehuda habe das Zählen der Sabbatjahrcyclen mit dem Jahre der Rückkehr (oder was als identisch angesehen wird), mit der Grundlegung zum Zerubabel'schen Tempel begonnen. Nach den Chachamim hingegen sei der Anfang erst sechs Jahre später anzusetzen. Diese Annahmen beruhen aber nicht auf deutlichen Traditionen, nicht einmal auf unzweideutigen Sätzen von R. Jehüda und seinen Gegnern, sondern sind das Resultat eines ausgleichenden Calcüls. Vorausgesetzt wird, dass der Zerubabel'sche Tempel 420 Jahre bestanden habe. (Wie dieses mit der Chronologie auszugleichen ist, gehört nicht hierher. Bemerkt sei nebenher, dass nach den chronologischen Untersuchungen des Duke of Manchester die Rückkehr aus dem babylonischen Exil und hiermit auch der Tempelbau nicht unter Cyrus, sondern viel später anzusetzen sei, der Zeitraum des zweiten Tempels also viel kürzer 24) (MidraschRabba Numeri cap.L S. 209 d.) JV3"©X WN3 »1113 J1Ö33 V1D 1? »N3 mV U »N3 JN3» lt 'S3 H31H3 rh 3H3 Allerdings erscheint diese Notiz nur als eine Eedefigur, allein es folgt doch wohl daraus, dass das Zählen nach Sabbatjahrcyclen auch in der .diasporischen Zeit ebenso üblich war, wie das Datum des Proconsulats.

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