Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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Das Seminar wurde am 10. August 1854 eröffnet. Es hat natürlich noch keine Geschichte, kann nicht von Abgangsprüfungen erzählen und von reifen Männern, die es dem Leben zugeführt, dass sie auf dem Gebiete des Glaubens und der "Wissenschaft wirken. Seine Berichterstattung kann sich nur auf die genetische Entwicklung erstrecken, auf die allmälige Realisirung des Planes, den es sich vorgesetzt, auf das Streben der Lehrenden, das im Geiste erfasste Ziel zu erreichen, und die Empfänglichkeit der Lernenden, sich zu diesem Ziele hinleiten zu lassen. Und da kann nur mit tiefem Danke gegen die Vorsehung ausgesprochen werden, dass der bisher befolgte Weg, war er auch mühsam und von vielen Anstrengungen begleitet, den reichen Lohn in sich trug, den das reifende Unternehmen fast mehr noch als das gereifte bietet; in dem höhern Schaffen und der auf dasselbe gerichteten spannenden Geistesthätigkeit liegt eine Welt voll Sorgen, die bei dem Gedanken, worauf sie gerichtet sind, und ihrem allmäligen Entweichen vor dem durch Gott geleiteten ernsten Willen, eine erhebende innere Befriedigung gewähren. Musste das Inslebentreten eines Rabbinerseminars auch dem Fernstehenden als dringendes Bedürfniss erscheinen, da jeder Confession eine Pflanzstätte für heranwachsende Theologen unentbehrlich ist und Deutschland eine solche Anstalt bisher nicht besass, so konnte der mit der jüdischen Theologie und den Anforderungen der Wissenschaft Vertraute sich nicht verbergen, dass neue Bahnen erstrebt, neue Gänge dem Studium eröffnet werden müssen. Der Gedanke an das Entstehen eines Seminars lag sehr nahe; die geistige Durch- und Ausführung schien, je mehr sich der Gedanke hierin vertiefte, in fast unerreichbare Ferne zu entweichen. Ein gründliches Wissen, ein in den Geist des Gegenstandes eingehendes und ihn nach seinen Tiefen auffassendes Studium ist die Forderung, die jeder redliche Forscher an sich und den Jünger der Wissenschaft macht. Auch auf dem Gebiete der jüdischen Theologie muss dieser Forderung, die in der letzten Zeit dem Bewusstsein abhanden gekommen zu sein scheint, vollständige Rechnung getragen werden; eine von tiefem, principiellem Eingehen zeugende Gründlichkeit soll schon den angehenden Theologen vor jener Oberflächlichkeit bewahren, die nicht nur abführet, sondern aus den Vorschriften des Glaubens Stoff zu hohlem Spott entlehnt und sich in ihrer Afterweisheit über ihn erhaben dünkt. Das Studium muss daher mit wissenschaftlichem Geiste befruchtet werden, der nicht bei dem Schema stehen bleibt, nicht in der Formel den Inhalt, sondern nur den Aus-