Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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XXXVI berechneten Plane des Verfassers lag, die aber einen Clemens und Eusebius nicht zum Excerpiren reizen konnte. Dieser so wie aller altern Kirchenschriftsteller vornehmstes Augenmerk bei ihrer Blumenlese auf dem Felde hellenistisch-pseudepigraphischer Litteratur ist gerichtet entweder auf vermeintliche Spuren von rein jüdischen Satzungen und von Kenntniss jüdischer Begebenheiten innerhalb des Heidenthums, wie sie z. B. die Orphika des Aristobulos bezüglich Abrahams und des Sabbat enthalten, oder auf Capuzinerpredigten gegen den heidnischen Cultus, wiesie in den pseudo-sophokleischen Versen1) vorliegen, oder endlich auf ehristologische vaticinia post evmtum, mit denen die Sibyllinen-Orakel so verschwenderisch sind. Von all diesen Dingen, welche sonst den Clemens und Eusebius locken, bot ihnen das phokylideische Gedicht Nichts dar; und auch unter der Voraussetzung, dass sie es gelesen, begreift man daher leicht, dass sie es nicht ausschrieben, so wie liinwieder die Voraussetzung, dass sie es nicht gelesen, noch keineswegs zu der Folgerung zwingt, dass sie es der Zeitverhältnisse wegen nicht hätten lesen können, da sie um ein für ihre Zwecke so wenig versprechendes Schriftchen sich nicht allzu eifrig umzuthun brauchten. Eben dieselbe schillernde Zwitterhäftigkeit aber, welche es als Belegstück für rein ecclesiastische Zwecke in den ersten Jahrhunderten n. Chr. unbrauchbar machte, musste in der Folgezeit, als das Heidenthum gänzlich unterdrückt und dennoch der Jugendunterricht nach wie vor auf die heidnische Litteratur angewiesen war, dem phokylideischen Gedicht einen Ehrenplatz in den byzantinischen Schulbibliotheken verschaffen. Ganz so wie später den Humanisten des sechszehnten Jahrhunderts musste den byzantinischen Grammatikern und Pädagogen von Anfang an die biblische Moral in klassischer Form aus der Feder eines alten Milesiers hoch willkommen sein als eine theilweise Erlösung von dem peinlichen Dilemma, entweder schlechtes Griechisch oder heidnische Sitten mit der Jugend zu tractiren. Jedoch auch auf jene zeitweilige Schulcelebrität unseres Gedichts ist nun bereits seit mehren Jahrhunderten abermals eine beinahe vollständige Vergessenheit gefolgt; und so spiegelt denn die Geschichte dieses kleinen jüdisch-hellenistischen Produkts das Schicksal wieder, welchem die gesammte jüdisch-hellenistische |und jede ihr ähnliche Schriftstellerei verdientermaassen unterliegt, das Schicksal nämlich, keinen nachhaltigen Einfluss üben zu können auf das geistige Leben der Völker, das sich in kräftigen Gegensätzen umschwingt, und alle Versuche, das Concrete durch Compromiss oder Abstraction zu verflachen, verächtlich zur Seite schiebt. 1 1 j Bentlei Opp. p. 462, 529.