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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1856-01-01 · 1856 · page 36

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1856
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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XXXIV 150 n. Chr. hinabzusteigen (s. oben S. XIV), so zwingt dann ferner das deutliche Absehen auf Besserung der Heiden hinter 70 n. Chr. zurück. Mithin bilden die zwei Jahrhunderte von der Regierung des Philometor bis auf die des Nero den Bereich, welcher für die Abfassung des Gedichts mit Wahrscheinlichkeit sich abstecken lässt. Auf diese Periode weist auch die litterärgeschichtliche Analogie. Denn in jene zwei Jahrhunderte fallt die eigentliche Blüthezeit des pseudepigraphischen Handwerks, welches freilich mit seinen ersten Ansätzen bis zu Onomakritos, dem priesterlichen Staatsdiener des Pisistratus, hinaufreicht und mit seinen letzten weltgeschichtlichen Ausläufern, den falschen Decretalen, bis tief in das Mittelalter sich hineinzieht. Aber was vorher und nachher nur vereinzelt und vorsichtig und fast immer um eines wichtigen Zweckes willen unternommen wurde, das hatte sich während jener zwei Jahrhunderte durch ein Zusammentreffen der verschiedenartigsten Umstände zu einer beliebten schriftstellerischen Form ausgebildet; Heiden, Juden und Christen haben sich derselben bedient, der eine mit grösserer, der andere mit geringerer Gewandtheit, alle aber ohne den leisesten Scrupel zu empfinden; es schien diess ein blosses Versteckspiel, bei dem man weder sich selbst noch Andern als wirklicher Fälscher, vorkam. Für den jüdischen Pseudepigraphen-Kreis hat Valckenaer's Forschung den Peripatetiker Aristobulos als einen der bedeutendsten Vertreter erkennen lassen; und diesem aristotelisch-jüdischen Hofgelehrten des' Philometor wäre also als Genosse oder Nachfolger der, ebenfalls, wie sich ergeben hat (oben S. IX8), im Aristoteles wohlbelesene Jude anzureihen, welcher für seinen Vortrag biblischer Moral den althellenischen Namen des Phokylides erborgte. Gerade dieses und keines andern Gnomikers Namen ward wohl nur deshalb gewählt, weil verbindungsloses Nebeneinanderstellen - der Sprüche als bezeichnende Eigentümlichkeit des phokylideischen Styls anerkannt war*) und der Hellenist nun aus der Noth, welche ihn so oft in den aphoristischen Ton hineintrieb, die Tugend, nicht aus der Rolle zu fallen, machen konnte. Aehnhche "Wahrscheinlichkeitsgründe, wie sie für diese Zeitbestimmung sprechen, lassen als den Ort der Abfassung Aegypten und dann bestimmter Alexandria vermuthen, die Metropole zugleich der damaligen Gelehrsamkeit und der hellenistischen Juden. In eine ägyptische Umgebung würde am besten das scharfe Verbot des Secirens (oben S. VH) passen, zu welchem innerhalb der alten Welt wohl kein anderes Land .so vielfache Anlässe darbot wie das Mutterland der Mumien und der Anatomie. Und ferner konnte noch am ehesten in Aegypten ein Jude sich zu jenem für unser Gedicht so bezeichnenden Uebergehen jeder ausdrücklichen Verpönung des Götzendienstes gemüssigt glauben, da einerseits dort inniger als in den übrigen heidnischen Län- 1) Iiio Ghrys, II, 79 R. o^^axvUSijg ißrlv ov xäv (icckqÜv ziva nal GW£%r[ 7toirjßiv slqovzav. — äUa nazä Syo ncärqia htr\ avxa Kai a$%i\v t\ nolrjOig Kai Ttegag laußavEi. — Welchen Saehtitel der Hellenist gewählt habe, lässt sich wohl jetzt nicht mit Sicherheit entscheiden. IlaQcuvEOEig und yväpat, zwischen welchen Suidas die Wahl freistellt, sind beide gleich möglich. K.£tpakaia, ebenfalls von Suidas erwähnt, und itoir][ia vov&szmöv der editio princeps tragen das byzantinische Siegel. Nur die dritte Wiener Handschrift, keine der besten, welcher jedoch Bergk hier folgt, hat den an sich freilich zweckmässigsten, weil alterthümlichsten Titel: <&a>y.vUSov yvä[iai. Der gute Mutinensis dagegen giebt die offenbar byzantinische Aufschrift: <&amvXUSov tpiXoßotpov noLrfiig (oq>s\i[iog. Bei dieser Lage der Sachen ist mir die allgemeinste Bezeichnung ffroaxvlidila. als die beste erschienen.

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