Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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XXXIII 'gutes Leben bis an die Schwelle des Alters5. Es muss also mit dixctioavvn bescheiden und einfach bloss die bürgerlich sittliche Gerechtigkeit gemeint und von jeder dogmatischen oder ritualen Frömmigkeit Abstand genommen sein. Wäre der Verfasser auf solcherlei Frömmigkeit ausgegangen, so hätte er ja seinem Verse leicht diese Wendung geben können; %av% otiv svasßirig1) livaxriQia. Er begnügt sich jedoch mit dtxccioavvt] und zeigt dadurch, dass er seine Arbeit für nichts Anderes hielt und auch für nichts Anderes wollte gehalten wissen, als für das, was sie ist: für eine zwar aus biblischen Quellen geschöpfte, aber jedes positiv biblischen Elements entkleidete Anleitung zu sittlichem Leben. IV. Diese aus den einzelnen Bestandtheilen hervorleuchtende und zuletzt noch vom Verfasser selbst angedeutete Beschaffenheit unseres Gedichts gewährt nun auch, zusammengehalten mit der nicht minder unbestreitbaren Abwesenheit jeder neutestamentlichen Spur, den einzigen sichern Boden, auf welchem sich alle Vermuthungen über die Zeit der Abfassung bewegen müssen. Bevor das alte Testament der griechisch redenden Welt zugänglich geworden, also vor den ersten Uebersetzungsversuchen unter Ptolemäus Philadelphus, konnte schwerlich eine solche biblisch moralische Anthologie entstehen, und die Mitte des dritten Jahrhunderts vor Chr. wäre demnach als die äusserste mögliche Grenze rückwärts anzusehen. Legt man jedoch an diese allerweiteste Möglichkeit den Maasstab der Wahrscheinlichkeit im Hinblick auf die betreffenden geschichtlichen Verhältnisse, so wird man sich nicht geneigt fühlen, über die Zeiten des Ptolemäus Philometor, also über die Mitte des zweiten Jahrhunderts vor Chr., hinaufzusteigen, wo erst die hellenistische Bibel ihre Wirkungen allgemeiner zu äussern beginnt. Von da an erstreckt sich dann freilich der unserm Gedicht offenstehende Raum bis hinab in die Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Chr., d. h. bis zu der Zeit, wo das Christenthum als nicht zu ignorirende Macht dasteht. Aber auch hier wieder wird das Mögliche durch das Wahrscheinliche eingeschränkt, wenn man den jüdischen Ursprung des Gedichts für erwiesen hält und nun die Geschicke in Erwägung zieht, welche während der ersten anderthalb Jahrhunderte nach Chr. die jüdische Nation betroffen haben. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels musste für eine geraume Weile der bei den Juden nie allzu heftige Missionar-Eifer unter der Wucht des ungeheuren Verhängnisses gänzlich erlöschen; auf keinen Fall ist es glaublich, dass er sich damals auf litterarischem Felde versucht habe; die des Griechischen mächtigen Juden hatten Arbeit genug an der apologetischen Schriffcstellerei, welche ihnen durch das neue Verhältniss zu den römischen Herren und die Verleumdungen judenfeindlicher Litteraten geboten war; welche Aufforderung hätte ein Jude damals finden können zu einer so angriffsweisen moralischen Ermahnung, wie sie unser Gedicht an die heidnische Welt richtet? Verbietet also zunächst das Fehlen jeder neutestamentlichen Spur über x) Aristobulos (bei Euseb. Praep. XIII, 12 p. 666 d), wo er das jüdische Gesetzbuch nach seinen Hauptseiten bezeichnen will, sagt: t\ tov vöuov nuTctG-itEvii naß« tov nad"' rifiäg izsqI Evösßslag tkzmxai ttal Sinai ogvvtjs xcii iyxQazMag xal räv Xoimäv uya&äv tebv viava akfiftsiuv. Weder'Frömmigkeit' noch'Gerechtigkeit' allein schien ihm ausreichend; er setzte also beides. - 5