Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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XXX früher (S. XI) berührten Verse (153—.174) über den Werth der Arbeit, als Grundlage ein^s unabhängigen Daseins. Ueberall klingen hier ausgewählte biblische Sprüche zusammen mit Gnomen von echt klassischer Einfachheit *). Gleich der erste Vers 153 erinnert an Psalm. CXXVIU, 2, und die Schilderung der Ameisenthätigkeit, welche den Menschen als Muster vorgehalten wird, lässt ihr Vorbild in Proverb. VI, 6—9 und XXX, 25 deutlich erkennen -). — In das auf männliche Arbeit gegründete Haus tritt das Weib; und so reiht denn auch der Phokylides an seine Aufforderung zur Arbeit erstlich eine Abmahnung von der im spätem Alterthum so sehr um sich greifenden Ehelosigkeit (V. 175, 176), und« zweitens (V. 177—198) eine Auswahl der biblischen Bestimmungen über die geschlechtlichen Verhältnisse, zugleich mit einigen Strafreden gegen solche Laster, zu deren ausdrücklicher Verfolgung die mosaische Gesetzgebung in der jüdischen Sitte keinen Anlass fand, die aber bei den übrigen Völkern, klassischen wie nichtklassischen, nur zu offenkundig im Schwange gingen (V. 177, 191). Hinsichtlich der Benutzung der Bibel ist hervorzuheben, dass bei den verbotenen Graden der Verfasser seine gewohnte Zurückhaltung in übermässig zaghafter Weise an den Tag legt. Obgleich er offenbar aus dem achtzehnten Capitel des Leviticus schöpft, so hat er aus der dortigen vielgliedrigen Reihe doch nur vier Fälle herausgehoben: die Verbindung mit Stiefmutter, Schwester, Kebsweibern des Vaters, gleichzeitige Verbindung mit zwei Schwestern (V. 179—182, 194). In Betreff klassischer Unsitte aber ist die Aufmerksamkeit vorzüglich zu lenken auf V. 184, wo das Aussetzen der Kinder, das bei den Juden nie eingerissen war, in so gelassenem Tone erwähnt wird, dass der Verfasser nur die griechisch-römische Welt im Auge gehabt haben kann, wie sie ungescheut und bis zü Valentinians Zeit durch keinerlei Strafgesetz gehemmt jene Art des Kindermordes übte. — Zu dieser Besprechung der-mit der Ehe zusammenhängenden Verbrechen bilden den Epilog (V. 199—206) einige ethische Sprüche über Gattenliebe, gegen Geld-Heirathen, endlich - ein wohlmeinender Rath gegen das Ehlichen mehrerer Frauen (V: 205), dessen halbneckische Wendung deutlich zeigt, dass die gesetzliche Statthaftigkeit der Polygamie vorausgesetzt wird, was ja übrigens schon die Auswahl der verbotenen Grade erschliessen liess. — Nach Erledigung des Verhältnisses zwischen Mann und Weib wendet sich das Gedicht (V. 207—217) zu den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Die pädagogischen Regeln betreffen fast ausschliesslich die Fernhaltung alles dessen, was die Keuschheit beider Geschlechter gefährden konnte in jener schwülen, alles-Unreine ausbrütenden Atmox) Besondere Auszeichnung verdient der aus dem Vaticanus bei Bergk hinzugekommene V. 155; nur ist er an seinen rechten Ort, nämlich vor V. 158 zu steilen, mit welchem er sich zu folgender Sentenz verknüpft: 'Kunst nährt die Männer, den Faulen beisst der Hunger. Hat Jemand keine Kunst gelernt, so grabe er mit der Karst'. Bei cndnzoixo SlyJXXt] möge man nicht bloss an die Stelle im Evangelium (Luc. XVI, 3) denken, sondern auch an Aristoph. Arm. 1432, wo auf die vorwurfsvolle Frage vsuvtag av cvKOcpavcsig xovg vsovg der Sykophant sich so rechtfertigt: xi yaq Ttäftco; g-accicxelv yug ovx hdGxu\LU.i. Vom Margites hiess es in dem gleichnamigen Gedicht (Arisf. Ethic. JXicom. VI, c. 7 init): xbv 8' ovx ccq GY.aitxr\qa %so\ %koav ovx' aooxrjQa Ovx' attag xi ßotpöv. *) Prot. XXX,1o 'Die Ameisen sind ein schwaches Volk, dennoch schaffen sie im Sommer ihre Speise'. Phocyl. 169. 170 &. frsgeog itoxi %et[ia ßoofjV acpstsQrjv 6vvayovxsg"Axqvtoi.' tpvlov 8' oXLyov xsXi&si ■jioJ.v^lox&ov. Die Wendungqrvlov 8' oliyov lässt über die Nachahmung des Hebräischen wohl keinen Zweifel; der Gedanke an sich ist freilich gnomisches Gemeingut. Parcula magni formica laboris Ore traliit quodcunque potest atque addit acervo, Quem struit, haud ignara ac non incauta futurl. Heindorf hat dort auch den Phokylides. angeführt.