Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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XXIX schon von Scaliger gesehen, aber nach ihm wieder übersehen worden1). Nun haben freilich diese zwei Speiseverbote, so uneingeschränkt wie sie der Phokylides nach dem Pentateuch aufstellt, nie bei einem andern als dem jüdischen Volke dauernde Beobachtung gefunden; aber auch hier wieder bot die griechisch-römische und die allgemeine Völkersitte doch Anhaltspunkte genug dar. Spuren eines gewissen Abscheus vor Allem von verendetem Vieh Herrührenden (xsvsßqia) finden sich vielfach bei den Klassikern; in einer römischen Priesterregel2) war es sogar verboten, Schuhe und Sohlen aus der Haut gefallenen Viehes zu tragen, Sveil — heisst es — Alles, was natürlichen Todes verendet, etwas Unheimliches an sich hat\ Und dass man sich dessen enthalten solle, worin schon die Klauen eines Raubthiers gewühlt haben, durfte der Phokylides um so unbedenklicher zumuthen, je seltener derartige Fälle in Frage kommen und je mehr ein feineres menschliches Gefühl auch ohne ausdrückliches Gebot von selbst vor solcher Tisch- N gemeinschaft mit den Carnivoren sich sträubt. Dieser ethische oder ästhetische Gesichtspunct wird denn auch noch zum Schluss hervorgehoben. Man solle, heisst es, dergleichen Abhub (leixpccva) von der Tafel der Raub thiere den Hunden geben, cdenn nur Thiere essen, was Thiere übrig lassen förjqcov ano 3) ^gsg s'Sovtcci V. 148)s. — Dasselbe Capitel des Exodus, auf welches das Verbot 'angefressenen Fleisches3 ihn geführt hatte, gab dem Phokylides auch die gleichfolgende Verpönung der Zaubertränke und alles magischen Unwesens an die Hand (V. 149 <pccQfxctxa fxrj tsv^siv, [ictyixaiv ßißXoov*) ansysaSui Exod. XXII, 18 g>ceQf.iaxovg ov TiSQmoiqGszs) — ein Verbot, dessen Durchführung unter Griechen und Römern zwar durchaus nicht leicht sein mochte, das aber doch mit den Grundbegriffen des Polytheismus nicht geradezu unverträglich ist und das daher auch ohne Accommodation oder moralische Hülle nackt hingestellt wird. — In eben derselben Gegend des Exodus (XXI, 16) findet sich endlich das Verbot des Menschenraubes, welches der Phokylides in derjenigen Form aufnimmt, in der es zu allen Zeiten und im Alterthum besonders seit dem Aufkommen der Römerherrschaft die häufigste Anwendung fand (V. 150): cZarte Kindlein (vr[Ttia%Hg axakovg) rafFe nicht fort mit gewaltthätiger Hand1. — Abgeschlossen wird dann die Sündentabelle durch ein Paar ethische Sprüche, dass man sich vor Streit, bösem Leumund und böser Gesellschaft hüten solle (V. 151, 146% 152). — Von hier an verliert jedoch das Gedicht seinen bisherigen mehr oder minder aphoristischen Ton und in streng gegliederter Reihenfolge, die freilich der Gegenstand selbst deutlich genug vorzeichnet, wird auf das Familienleben nach seinen verschiedenen Seiten eingegangen. Zur Einleitung dienen die zum Theil schon 1) Was sich wohl der von Bergk nachträglich angeführte Nanck dabei gedacht haben mag, als er Fhocyl. 147 statt &ri(?6ßoQOv 8aiGrj xgeug coniieirte Qtiqsiov? Dass &7jg6ßoQOv unantastbar und nur eine dem Vers bequeme Variation von drjQLulcotov der Septuaginta ist, wird nun wohl einleuchten. 2) Festus (s. v. Mortuae): mortuae peeudis corio calceos autsoleas fieri flaminicis nefas habetur sed aut occisae alioquin aut immolatde, quoniam sua morle exstineta omnia funesta sunt. — |-pj"| blV 7^3— hHö bw bl^D l*"Dn^ Ü*W "120"' •XV > Ht J^in. rttDDD MDÖ 'Nl injJnöW ^DÜ 'K Dnm "OBfr DETO — J» den apostolischen Kanones (p. 26 ed. Buns.) wird Degradation darauf gesetzt, wenn ein 'Bischof, Presbyter oder sonst einer aus der Priester-Matrikel Qi\QiaXatrov tj QvriGi[iaiov esse*. 3) Ich sehe keinen Grund, die nicht so nachdrucksvolle Lesart zweier, keineswegs allein guter Handschriften 9ijQss 8' a%b dijQOg sSovxai mit1 Bergk aufzunehmen. -Unter allen Umständen aber ist cato temporal (post) zu fassen. 4) Sollte ßißXoav nicht verschrieben, sein für ein allgemeineres Wort, wie etwa Ifecov?