Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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XXV politische Gleichheit zwischen Alt- und Neubürgern, und zum Theil auch iliren wörtlichen Ausdruck nimmt nun der Phokylides unverändert herüber; er sagt (V. 39): cGleichgeehrt (6f.ioTtf.ioi) seien die Zuzügler unter den Bürgern3; die Begründung aus der jüdischen Volksgeschichte aber, wie sie Moses mit der Hinweisung auf Aegypten gab, verallgemeinert er zu folgender das ganzes Menschengeschlecht einschliessenden Moral (V. 40, 41): cDenn wir Alle haben unstätes Leben in der Fremde l) zu befahren: Nicht bietet Heimathland den Menschen einen festen Boden1. Wie nun diese Umdeutung zeigt, mit welchem Bedacht unser Verfasser allem jüdisch Nationalen aus dem Wege geht, so müssen auch hier, wo seine Benutzung des Leviticus-Capitels ihr Ende findet, die Auslassungen angemerkt werden, zu welchen er durch den Plan seiner Arbeit geführt ward. Abermals hat er, wie beim Dekalog, die Sabbathfeier unerwähnt gelassen, obgleich das. Leviticus-Capitel sie zweimal (XIX, 3, 30) einschärft; ebenso schweigt er gänzlich von den Opfergesetzen (Levit. XIX, 4—9); und während gerade dieses Leviticus-Capitel mit besonders kräftigem und wiederholtem Nachdruck den Götzendienst in seiner Wurzel und seinen Verzweigungen verfolgt (XIX, 4, .27, 28, 31), hat der Phokylides von all diesen directen Verpönungen keine einzige sich angeeignet, sondern nur den entsprechenden Abschnitt seines Gedichts eröffnet mit der freilich gewichtigen aber doch immer indirecten Warnung cGott die Ehre zu geben (V. S)*. — Auf die bisher überblickte Reihe specieller alttestamentlicher Gebote folgt nun, ohne überleitende Wendung, eine Spruchsammlung allgemein ethischer Art (V. 42—82), geordnet nach den Haupttugenden, wie sie in den Philosophenschulen benannt und behandelt zu •werden pflegten.2) Die für Gesinnung und Absicht des Verfassers bedeutsamen Theile sind bereits oben (S. IXff.) besprochen; und wir können uns hier gleich zu V. 83 ff. wenden, wo die Spuren des alten Testaments wieder tiefer und dichter eingedrückt sind. Denn es ist unverkennbar, dass V. 83 cSei nie ein harter Gläubiger dem armen Manne1 nur wiedergiebt, was im Exodus XXII, 24 gesagt ist: cWenn du unter meinem Volke dem Armen, deinem Nächsten, Geld leihst, so benimm dich gegen ihn nicht als Gläubiger3; und hieran wird dann folgendes Gebot gereiht (V. 84): 'Niemand nehme die Nest- ') Dass ndvxsg y«9 virig nsiQoaiiE&u xr\g ■JtoXvnXÜYxts, und nicht das gangbare äevmjs, das Richtige sei, lehrt der Zusammenhang wie das Beiwort •jtokvitXa.yyixov und bezeugen auch die Sibyllinen. — Man muss sich wundern, dass einem in der Bibel so bewanderten Manne wie J. A. Fabricius die angeführte Stelle des Leviticus entfallen und er nun für seine Ansicht, der Phokylides sei ein Heide gewesen, folgenden Beweis beibringen konnte (Biblioth. Graec. I, 721 Hart.): Kon facile mihi persuaserim a Judaeo scriptum BßTcoaay ofiotipoi inrfivSeg iv itoXvqcaig. Ein altklassischer Grundsatz ist es doch sicherlich nicht, weder dass datoi und |svoi, noch dass cioes Romani und Latini gleichberechtigt seien. — Richtig erkannt ist die Beziehung auf den Leviticus von Ulrich Andreas Rohde de veterum poetarum sapientiagnomica, Havniae 1800, 8. Ein Abschnitt dieses in Deutschland wenig verbreiteten Buches beschäftigt sich mit dem Phokylides (p. 300 — 311), und p. 301 versticht der Verfasser alttestamcntliche Parallelen tabellarisch zu verzeichnen. Er hat jedoch viel zu oft an die gnomischen und viel zu selten an die legislatorischen Bücher des alten Testaments sich erinnert. Als Probe seiner Wortkritik mag dienen, dass er V. 139, den im Wesentlichen schon Scaliger erledigt hatte, so übersetzt: Ne eibum capias ad mensuram iumenti mortalis, und diese, das Menschengeschlecht vom Todesstachel befreiende, Uebersetzung dann parallelisirt mit Siraoh XXXI, 19: 'Iss wie ein Mensch was dir vorgesetzt ist.' Seine gutniüthige Sachkritik aber charakterisirt sich hinlänglich durch seine Neigung, den Phokylides für einen Christen zu halten, hauptsächlich damit die 'ßraus', unter einem altklassischen Namen sich versteckt zu haben, nicht einem Juden aufgebürdet und so nova inittria in gentis miseriam (p. 308) gehäuft werde. 2)N Auch hier freilich fehlt es nicht an einzelnen Reminiscenzen aus dem alten Testamente; z. B. sind V. 53, 54 aus Jerem. IX, 23 und Sirach. J} 8 entnommen. 4