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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1856-01-01 · 1856 · page 22

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1856
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
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XX Da er nämlich in dem einen Verse auf diätetische Mässigung im'Trinken .gerathen -war, so fand er es schicklich, auch die zwei Speise verböte, des Blutes und der Götzenopfer, anzuknüpfen, von deren 'Last (a%&og)3 selbst die Heidenchristen zu befreien das erste Apostelconcil zu Jerusalem sich nicht berechtigt hielt, und deren Beobachtung besonders in der morgenländischen Kirche ~ bis . in sehr späte Zeiten fortgedauert hat.1) Dies aber kümmerte den Sibyllisten dabei wenig — und konnte ihn auch nicht wohl kümmern, weil er gewiss von der wahren Absicht des phokylideischen Gedichts nichts erkannt hatte — dass die Einflechtung des Blutverbots gegen die, gleich darzulegenden, Prinzipien verstösst, welche der phokylideische Verfasser bei der Auswahl seines Stoffes befolgt, während andrerseits die blosse Nennung des Wortes 'eiSooXov, Götze' in dem Compositum sldmXodvzov eine formelle Rücksicht aus den Augen setzt, an welche der Phokylides sich streng gebunden hat. Der Sibyllist freilich hat sich desselben Wortes el'dcaXov auch noch an einer andern Stelle nicht enthalten können, in dem Zusatz nämlich, welchen er dem achten phokylideischen Vers Ugarcc S-ebv vifia, fisxsnsita 8h asto yovfjctg' voraufschicken zu müssen glaubte, weil er die 'Ehre Gottes* nicht erwähnen mochte .ohne der Götzen zu Unehren zu gedenken. Sein Zusatz (ßibyll. II, 59) lautet: Mijöä fidTrjv ei'd cola cfeßov zov & acpd-izov aisl Jl^Hoxa &ebv rifxa xtX., wo die grammatische Verknüpfung zwar regelrecht ist, aber die stylistisch nun unerträgliche Stellung von ngutra allzu ungeschickt das Anhängsel verräth. Der phokylideische Verfasser hingegen lässt weder hier den Gegensatz zwischen Gott und Götzen laut wer4en, der ihm gewiss eben so gut wie dem Sibyllisten im Sinn und auf der Zunge gelegen hat, noch hat er sonst im ganzen Verlauf seines Gedichts auf die griechisch-römischen Gottheiten anders als in jenen vorsichtigen Anspielungen Bezug genommen, welche in dem ersten Abschnitt dieser Untersuchung erläutert wurden. Trotzdem hat er sich als entschiedener Monotheist erwiesen; ebensowenig kann seine, durch die Vergleichung der Sibyllinen nur um so klarer hervortretende, Unbekanntschaft mit der christlichen Lehre und dem. neuen Testament bezweifelt werden; er muss also wohl ein Jude gewesen sein; als solcher hätte er doch aber das beste Recht und vollen Beruf gehabt, die cGötzenJ zu schelten. Und dennoch thut er es nicht. III. Zur Lösung dieses Räthsels muss die allgemeine Thatsache der Benutzung des alten Testaments näher begränzt werden durch Ermittlung der Grundsätze, welche den Phokylides bewogen haben, gerade diese alttestamentlichen Gebote auszulesen und so viele andere zu übergehen. Wahrscheinlich würde das längst geschehen und damit das eigentliche Wesen unseres Gedichts aufgeschlossen sein, wenn die Bearbeitung desselben, welche des Hugo Grotius Freund, der Rabbi Menasseh ben Israel2), unternommen hatte, wäre vollendet und zum Druck befördert worden. Diejenigen namhafteren Gelehrten jedoch, welche später den jüdischen Ursprung des Ge- *) Grotius zu act. ap. XV, 20 giebt die Nachweisungen und hätte nichts dawider, wenn die Kirche das Blutverbot apostolorum et antiquitatis recerentia in usum revocare velit. 2) _ Vorrede zu Conciliador Vol. II, Wo er seine "Werke aufzählt: JSscrevi despues notas en Phocilides Poeta Griego, que agora se imprime; sie sind nicht erschienen.

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