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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1856-01-01 · 1856 · page 21

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1856
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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IRI
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XIX fDmxvXiSijg) spricht, sagt er ces sei aus den Sibyllinen gestohlen', eine Umkehrung des wahren Sachverhältnisses, die für Suidas' Zeit, wo man an das Uralter der Sibyllinen glaubte, eben so begreiflich als es jetzt überflüssig ist, sie zu widerlegen. Jener sibyUinische Cento nun bietet in der Reihe der übrigen auch unsern Vers (Sibyll. II, 65) mit dem^ wie sich nun ergiebt, recht alten Fehler nctQ&eviriv, welchen Herausgeber der Sibyllinen nicht bessern dürfen, weil sie ja nicht ermitteln sollen, was der phokylideische Verfasser geschrieben, sondern hinnehmen müssen, was der sibyllinische Stoppler abgeschrieben hat. Und noch viel weniger darf die dort vorfindliche Interpolation äyct7zijv ausgestossen werden, da sie sehr wahrscheinlich ihren Ursprung gerade dem Sibyllisten verdankt1). Denn auch sonst hat dieser an der phokylideischen Ueberlieferung mancherlei geändert, in der unverkennbaren Absicht, sie seinem eignen, aus dem neuen Testament fliessenden, Lehrbegriff anzunähern2). Es sind diese sibyllinischen Redaktionskünste-schon dadurch, dass sie überhaupt nöthig schienen, wohl geeignet, rückwärts auf die Stellung des phokylideischen Verfassers einiges Licht zu werfen, und desshalb sei auf die hauptsächlichsten, welche ausser der ayäitri vorkommen — sie bestehen in einer Auslassung und in zwei Zusätzen — hier kurz "hingewiesen. * Während der Sibyllist sich sonst eher zu matten Vermehrungen als zu Kürzung des phokylideischen Versbestandes geneigt zeigt, fehlt bei ihm das oben (S. X) besprochene Stück, welches von dem Neid handelt, die Erwähnung der cUranidenJ und cSeeligen1 enthält und sich auf sechs Verse (Phocyl. 70—75) beläuft. Der Sibyllist {II, 143, 144) giebt dafür zwei, selbstgemachte oder aus einem byzantinischen Versebuche entnommene, Zeilen, die freilich auch mit dem Neid beginnen, aber noch eine Fülle anderer böser Eigenschaften in ihren engen Raum zusammendrängen: Mij (fd-ovsqbq, firj amaxog ecfjj, [iq XoiöoQog tff&i, Mijd£ xccxoyv(6[.i(ov, [.ity \pevdaudzijg äf.iäTQij'uog. Man geht wohl nicht fehl, wenn man den Anlass zu diesem Verfahren eben in der Erwähnung der 'Uraniden* und 'Seeligen' sucht; dem spätem Gläubigen mussten diese Benennungen als lästerliche Paganismen erscheinen; unöl da der ganze Gedankengang der phokylideischen Ermahnung an denselben fortschreitet, so war mit blosser Ausmerzung der zwei anstössigen "Wörter nicht zu helfen; das Stück in allen seinen Theilen musste weggelassen werden. — Noch viel bezeichnender aber als diese Auslassung ist der Zusatz von sechs Versen, welchen nach Phocyl. 30 der Sibyllist (II, 91-^-96) einfügt. Er beschliesst eine Reihe, ethischer Gemeinplätze folgendermassen: fji^öi (pqsvag ßXdnxsiv oivqt fir}^ af.i€TQot (sie) nivsiv. Alfia ök (.Irj (payssiv siöcaXod-VTmv <5* ctTtsyeöd'ai. .Hier springt die Benutzung der Apostelgeschichte (XV, 29 ans%e(5&(u siSaXod-VTcav xctl cufictzog xtX.) eben so deutlich in die Augen wie der Weg, welcher die Gedanken des Sibyllisten dorthin führte. *) Der phokylideische Vaticanus, welcher uyämp> am Rande hat, giebt auch allein im phokylideischen Text nach V. 30 einen Sibyllistenvers, den Bergk nicht erst hätte aufnehmen und dann in Klammern sehliessen, sondern gar nicht aus dem Variantendunkel hervorziehen sollen. 2) Bemhardy (Gr. Litt. II, 361) hat sich durch den Umstand, dass einige Theile der Sibyllinensamralung, vorzuglich das fünfte Buch, jüdischen Ursprungs sind, zu dem falschen Schluss verleiten lassen: 'einen jüdischen Verfasser des phokylideischen Gedichts bezeuge die äussere Thatsache, dass 93 Verse in den Sibyllinen stehen.' Diejenige Partie der Sibyllinen, wo das phokylideische Stück eingeflickt wird, nämlich der Anfang des zweiten Buchs, ist augenscheinlich christlich. Man höre nur II, 45: ayvdg yccQ-Xq igt6g rovzotg ra dinata ßqaßevGsi Kai doKtpovg ßzhpsi, uvtccq dspu fteeprv 6i dcoasi mX. 3°

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