Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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XVIII Tiäai (pvXdaaeiv mit mcrzig durchaus nur Treu und Glauben im menschlichen Verkehr meinte keineswegs aber cden Glauben3 im dogmatischen Verstände, weder im altnoch im neutestamentlichen. Einem byzantinischen Leser jedoch, besonders nachdem er durch den alten Fehler nctq- &ev£i]v an die Nonnenklöster erinnert worden, wollte es nimmer in den Sinn, dass nicxic, auch noch etwas anderes bedeuten könne l) als den 'rechtfertigenden Glauben1, den fruchtbaren Keim endloser theologischer Controverse; und sei es nun, dass ihm dieser Terminus niaxig nicht genug specifisch christlich, oder dass er ihm allzusehr paulinisch und augustinisch erschien, er wollte es nicht "Wort haben, dass man cden Glauben in alle Wege hüten solle*; die cLiebe' schien, ihm unzweideutiger; statt nitixw schrieb «r also dytxnijv S1 snl Tcäai, (pvXäaasiv, was neckischer Weise gerade so gut in das Versmetrum als schlecht in den mercantilen Zusammenhang passt. Denn mit Liebespredigt ist noch nie etwas bei den Krämern ausgerichtet worden; gegen diese muss, selbst wer sonst überall mit Vier Macht des Wortes durchzudringen glaubt, doch, wo nicht zum Schwert, so wenigstens zu einer c Geissei aus Stricken (Joh. II, 15)J greifen. Allein Brunck war im Stande, diese Schwierigkeiten zu verwinden; ihm ist die byzantinische äycc7tij, obgleich sie sich nur in zwei der schlechteren Handschriften hat eindrängen können, nicht blos würdig in den Text gesetzt zu werden, sondern sie gilt ihm auch für einen Beweis, dass das ganze Gedicht von einem Christen herrühre. So weit man merken kann, ist auch nach Brunck Niemand auf die dargelegten inneren Gründe für die nichtdogmatische Bedeutung von niaxig und für die Lächerlichkeit von äydrai aufmerksam geworden; und lediglich dem äussern Umstände, dass die besseren Handschriften * und die Gesnerschen Zusätze zu Stobäus (Floril. XI, 5) niaxiv bewahrt haben, muss es verdankt werden, dass die Bruncksche uydmj aus dem Text des phokylideischen Gedichts jetzt entfernt ist. - In dem Text einer,andern Schrift jedoch, welche ebenfalls unsern Vers enthält, wird gerade die besonnene Kritik sowohl an. dem offenbaren Fehler 7iuQ$svii\v als an der nicht minder offenbaren Interpolation ayänijv festhalten müssen. Ich meine den Text der sibyllinischen Orakelsammlung. In diesem Behälter nämlich, in welchen seit dem Anfang des zweiten Jahrhunderts vor Ch. fast ein Jahrtausend hindurch reiche Zuflüsse aus den fadesten Gewässern der Predigermoral wie aus den lebendigen Strömungen der individuellsten Völkergeschichte und Poesie zusammenrannen, ward auch ein beträchtlicher Theil des phokylideischen Gedichts, im Wesentlichen mit Bewahrung der Versfolge (V. 5—79 incl.), aufgenommen. Es mag diess nicht lange vor dem Absclüuss der ganzen Sammlung geschehen sein; die ältere Klasse der sibyllinischen Handschriften kennt die Einschaltung noch nicht, und es ist längst bemerkt worden, dass bei Wegfall derselben ein recht guter Zusammenhang hervortritt zwischen Sibytt. IT, 55 und 149 den beiden Versen, welche jetzt durch das phokylideische Stück auseinander gehalten werden. Allein schon dem Suidas muss Idas Einschiebsel vorgelegen haben; wo er von dem phokylideischen Gedicht (s. v. *) Unser Verfasser gebraucht das Wort noch einmal von Treue in der Freundschaft, V. 218: 6xsQys cpllovg axQig %avatov, itlczig yag ay&ivcov. "*) Ich citire nach der Ausgabe von Alexandre. "