Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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XVII Handel und Wandel übergeht, dass (V. 14) cder Kaufmann unter allen Umständen das richtige Maass messen müsse, dass es aber schön sei, noch etwas darüber als Zugabe zu messen ')* — hier nun inmitten dieser juristischen und handelspolizeilichen Vorschriften ist der Vers zu lesen: nvcQ&sviijv rijQslv, niaxiv d* snl näai (pvXäaaeiv. Das kann nichts Anderes heissen als: c Wahre die Jungfräulichkeit und Treu und Glauben hüte in alle Wege/ Wie, in aller Welt, ist die 0Wahrung der Jungfräulichkeit3 hieher unter die Richter und Kaufleute verschlagen worden? und wie hat man sie bisher so nachsichtig hier dulden können, zumal da sie noch an einem andern Orte des Gedichts, und dort ganz am richtigen Platze, nämlich bei Gelegenheit der Kindererziehung (V. 215), erwähnt wird? Wenn es nur wenigstens möglich wäre, naqx>eviriv für ein Adjectiv . auszugeben uud mit niaxiv zu verbinden! Es wäre das noch immer kein ganz reiner Geschmack, von Ti(xqd-svii\v xrjosTv niaxiv, von c Bewahrung der Treue in jungfräulicher Keuschheit3 zu reden, wo es sich um gewöhnliche kaufmännische Redlichkeit handelt; jedoch von einem späteren Versificator müsste man sich die Gespreiztheit einer solchen Phrase schon gefallen lassen. Allein es kann naQ&eviijv hier nimmermehr ein Adjectiv sein; die durch das Metrum geschützte Partikel ö1 verbietet es; der ganze Bau der beiden Verstheile spricht. dagegen; und es bleibt also die f Jungfräulichkeit3 als Substantiv in ihrem vollen Widersinn bestehen so lange bis nugd-svinv durch ein sinngemässes Wort ersetzt ist. Zum Glück lässt sich ein solches Wort herstellen mit Aenderung Eines Buchstabens und mit derjenigen Sicherheit das Richtige getroffen zu haben, welche in dergleichen Fällen .aus dem blossen Gefühle entspringt. Nicht nccQ&sviqv, sondern naod-sai^v zr}gstv hat der Verfasser geschrieben", die dem Hexameter anbequemte Form von naqci&eaict, welches so viel bedeutet wie naQcexaza&Tjxi], jedes im Vertrauenswege bei Jemandem hinterlegte Gut, das lateinische deposiium und das hebräische pIpD, das die Septuaginta richtig durch naQcc&ijxii (Lernt. V. 21) und naQtxxaxa^xij [Exod. XXII, 8) wiedergeben. Unser Gedicht erlässt sonach mit nagd-sainv ryqsiv2) eine Warnung vor Veruntreuung anvertrauten Gutes, welche den folgenden Sätzen über Redlichkeit im Messen und Wägen ganz gleichartig ist. Je weniger nun diese: Herstellung des ersten Verstheils, welche im Verlauf der Untersuchung noch von anderer Seite eine Bestätigung in völlig zwingender Weise erhalten wird, irgend einem Zweifel unterliegen kann, um desto klarer wird es auch, dass der zweite Verstheil niaxiv ö3 inl *) Man sieht schwer ein, wie Bergk darauf verfallen konnte, das in den Handschriften deutlich vorliegende fietga vs- (leiv zä dUaiu, xulov 8' htt[iszQov anavzcav unizuwandlen in die weder an sich gut ausgedrückte, noch irgendwie an diesen Ort hinpassende Sentenz: xuXov 8s zi [iszgov änävzcov. Die ' Krämerzugäbe, ini^iszQOv' wird durch den aufgewiesenen Zusammenhang unweigerlich verlangt. Aber das Schlusswort anavzcov ist allerdings matt. Ich glaube, es steckt htuvcXslv darin, und der ganze Vers lautete ursprünglich: {lizgu vifisiv zä SLxcua, nukov 8' £ni[iEZQOV mavtlsiv. ' Hinzuschöpfen sagt der Verfasser, weil er hier vom Messen des Flüssigen redet; "im folgenden Vers (15) erotS^ov [tri hqoveiv spricht er vom Wägen des Festen. — -Dass der ganze Passus sich auf Levit. XIX, 36; Deuteron. XXV, 14 bezieht, sieht jeder Bibelleser. 2) Ein Epigramm des Dioskorides Anth. Pal. VII, 37 lässt einen Schauspieler oder Choragen auf Sophokles' Grabe sagen: zvpßog öS' iat', äv&Qoans, ZJocpontiovg, dv naQci Movßäv*lQr,v itagfreeCriv, legos av (nämlich dem Dionysos geweiht) h*ka%ov. Auch dort gieht die Handschrift sinnlos 7ta(id,svi7}v. Die jetzt, im Text stehende Verbesserung rührt von Brauck her. — , Dass zTjQslv %aqanaxa%'y\Y.riv die eigentlich griechische Verbindung ist, weiss jeder Kundige. Zum Ueberfluss stehe hier der Satz aus Isoer. ad Demon. p. 6. Steph. [taXXov xj\q£i zag zäv loycov. ij vag zehr %^ri(tdzcav Ttttoaitttzu&riTtag. 3