Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XV Aussen auf die Moral forschen; und ebenso vergeblich ist das Suchen nach Spuren irgend eines der concreten christoiogischen Lehrstücke, wie sie in den Zeiten vor Fixirung der christlichen Urkunden weit mehr noch als die Moral von Freund und Feind gepredigt oder angegriffen wurden. Diese Behauptungen, welche sich als negative einer directen Beweisführung entziehen, dürfen getrost und in ihrem vollen Umfang dem Urtheil jedes unbefangenen und aufmerksamen Lesers anheimgegeben werden. Und das müsste wahrlich ein sehr unaufmerksamer oder ein kläglich befangener Leser sein, der durch V. 129 %r\c d& d-sonvsvaiov Gotpii\c, Xoyog iaxlv ägurtag, wo man allerdings neutestainentliche Terminologie und christliches Dogma heraushört, länger als einen Augenblick stutzig würde. Wer um dieses Einen Verses willen dem ganzen Gedicht einen o o o christlichen Ursprung beilegen wollte, dessen Kritik würde nicht einmal hinanreichen an die des weiland Doctors der Theologie und Rectors des Gymnasiums zu Danzig Herrn Ver Porten, welcher in einem Beitrag zu Harles' Ausgabe von Fabricius' griechischer Bibliothek (I, 721) sonst manches Verkehrte, aber über diesen Vers doch das Richtige gesagt hat; nur hat er es in so unklarer und durch keinerlei Begründung unterstützten Form gesagt, dass die neueren Herausgeber unseres Gedichts keinen Gebrauch davon gemacht haben. Suchen wir daher das Urtheil über diesen in seiner Art so vereinzelten Vers festzustellen durch einen Blick auf seine, auch sonst einer nähern Betrachtung wohl würdige, Umgebung. Der betreffende Abschnitt (V. 122 —131), welchen straffe Gedankenverbindung vortheilhaft vor so manchen andern Theilen des Gedichts auszeichnet, beginnt mit einer Warnung vor hochfahrenden Reden (V. 122): c Wolle nicht in Grossprecherei dich aufblasen und so in Wahnwitz gerathen. Fein vernünftiger Rede sei beflissen (evsTtiriv adxsivj, die Allen gar sehr frommt/ Diese Ermahnung führt dann in ungezwungenem Fortschritt zu einer Darlegung dessen, was das göttliche Geschenk der Sprache, oder -— wie unser griechisch schreibender Verfasser mit jener tiefen, selbst in deutschem Ausdruck nicht wiederzugebenden Bedeutsamkeit sagen kann — das Geschenk der sprechenden Vernunft (Xoyoq) dem Menschen gewähre, in Vergleich mit der Ausstattung der übrigen lebendigen Geschöpfe. c Wahrlich* — heisst es (V. 124) — can Vernunft und Sprache hat der Mensch eine Schutzwaffe schärfer als Eisen. Jedwedem Geschöpf hat Gott eine Schutzwaffe verliehen, den Vögeln ihr luftwandelndes Wesen, den Rossen Schnellfüssigkeitr Stärke den Löwen; den Stieren sind von Natur Hörner gewachsen.!) Den Bienen gab Gott den Stachel als eingeborne Wehr, den Menschen aber Sprache und Vernunft zu fester Burg. Tüchtiger als der starke ist der kluge Mann.2) Klugheit ist die Lenkerin auf den Feldern, in den Städten, auf dem Schiffe." Also eine wohldurchgeführte Parallele zwischen den körperlichen zu machen. Auch V. 19, wo von einer andern Art Bedrückung der Armen, dem Vorenthalten des Lohnes, die Rede ist, heisst es: yurj d-Xißs mivrjxa. *) Die sinnlose Ueberlieferung ravqoig 8' avxo%vxoig y.eqc'c£66iv kann mit viel geringeren Aenderungen als Sylburgs Vorschlag xavQOig 8' avxö%vxov KSQag e'gxiv und Bergks xavqoi 8' av%aXeOL xegäsaai erfordern, viel sicherer verbessert werden. Man braucht bloss in xequegglv die Pluralform xsqci, mit langem, hier durch rechtmässigen Hiatus verkürztem «, und laxlv zu erkennen, dann nur noch das handschriftlich gleich gut, wo nicht besser, beglaubigte avxo%vxcog in avxocpvtcag umzuschreiben, ,uird man erhält tavQOig ö' avxocpvxtog wfpa iöxiv, was den in der Uebersetzung ausgedrückten einfachen Sinn ergiebt. 2) ßeXxEQOg aXynqsvxog icpv GEGocpißyLEvog avriq, nach Koheleth IX., 16: u.ya&r\ ßocpla viisq 8vvct[iiv.