Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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XIV 'Gotteseinheit glaubender Phokylides, es offen heraussagen , man solle an die Schlechten nicht unnütze Gutmuthigkeit verschwenden, sondern sich auf Kriegsfuss gegen sie setzen; Beide, der um die sechszigste Olympiade lebende Hellene und unser später Hellenist, wagen es in die Moraltheorie das aufzunehmen, was zu allen Zeiten die Praxis aller thatkräftigen Menschen gewesen ist; und es entsteht nun die Frage, ob unser Verfasser das wohl hätte wagen können, "wenn er sich selbst an die Lehren der Bergpredigt gebunden, oder für Leser, die ihnen huldigten, geschrieben hätte? So bat uns denn der Fortschritt der Untersuchung über das Verhältniss unseres Gedichts zum klassischen Alterthum hinangeführt an die Prüfung seiner Stellung zum Christenthum. Gegen das Heidenthum trat der Verfasser in offeneren oder stilleren Gegensatz überall, wo sich dasselbe von den alttestamentlichen Grundbegriffen sondert. Steht er ebenso dem Christenthum entgegen? Oder steht er auf dessen Seite? Oder kennt er es gar nicht? Oder endlich, um alle Möglichkeiten zu erschöpfen, kennt er es und ignorirt er es nur? II. Der letzte Fall nun, absichtliches Ignoriren bei vorhandener Kenntniss, ist für ein griechisch abgefasstes Schriftstück moralisch religiösen Inhalts von vorn herein so unwahrscheinlich, dass man zu einer solchen Annahme sieb nur dann zwingen lassen dürfte, wenn äussere Zeugnisse der unumstösslichsten Art die Entstehung des Gedichts auf eine Zeit nach der Mitte des zweiten Jahrhunderts n. C. herabrückten. Von dergleichen Zeugnissen verlautet jedoch nicht das Mindeste. Und hinsichtlich der ganzen Zeit vor der Mitte des zweiten Jährhunderts muss der kritischen Untersuchung die Möglichkeit des Ignorirens gleichgelten dem einfachen Nichtkennen. Denn für einen vor 150 n. C. lebenden Schriftsteller ist aus der damaligen Lage der religiösen Dinge Unkenntniss der christlichen Lehre ganz ebenso begreiflich wie Kenntniss derselben; und nur unkritische Grübelei kann ein schlaues Nichtwissenwollen da voraussetzen wo das schlichte Nichtwissen so natürlich ist. Von den vier ansich möglichen, für unsern Zweck aber auf drei hinauslaufenden Fällen ist also zuvörderst die Vorfrage zu erörtern, ob unser Verfasser überhaupt Kenntniss der christlichen Lehre bekunde. Erst wenn die Antwort hierauf bejahend ausfallt, können die weiteren Möglichkeiten zur Verhandlung kommen. Es muss nun aber diese Vorfrage unbedingt verneint werden. In dem ganzen Gedicht findet sich keine einzige, die Prüfung aushaltende Beziehung auf das neue Testament; nirgends ist eigentümlich christliche Redeweise zu entdecken M; vergebens wird man nach christlichen Ein- 1) Es bedarf kaum der Erwähnung, dass Scaliger ungenau spricht, wenn er die biblische Phrase hqlveiv itQOOanov (Pkocyl. Y. 10) eine 1 christliche' nennt. Der Phokylides gebraucht sie in dem Abschnitt, der von der Unparteilichkeit des Richters handelt, und ganz in demselben Zusammenhang steht sie Deuteron. I, 17: ov% htvyvaGri ngoaconov iv kqlosl. Scaligers Worte lauten: Illud verö plane ex medio sermonis Christiani petitum aSiv.cog (irj xQive TtQOßwitov. Nam Scriptura to ngoaconov avzL J.oyr/.ov vqpiazafiivov et soli ecclesiastici poeiae usurpant, non veteres poetae pagani, und sie bieten einen kleinen Ersatz für jene Ungenauigkeit, indem sie durch die Art des Citirens die richtige Interpunction des fraglichen Verses andeuten. Er ist'iiämlich nicht zu schreiben, wie er bei Bergk steht, fif] (iiipTjg itsviriv ädineog' fir] hqivs nQÖaoojtov, sondern ftq Q-).iipi)g ithv'vr\v dSiy.tog [vr) y.qivs itQOßamov. Ueber dXtyrjg braucht man für Leser der Septuaginta nicht viel Worte