Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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XIII Zeitgenossen Unerhörte und für sie dalier schwer Glaubliche1) sei dennoch wahr, es gebe in Rom wirklich no.ch Männer, die uneigennütziger Handlungen im Privatleben fähig und als öffentliche Beamte über Unterschleif erhaben seien. Nachdem es dahin gekommen war, durfte es nicht unnütz erscheinen, die Hellenen zu ermahnen, dass sie ihr vielbelobtes Polypenmuster nun endlich aufgeben möchten; und nur um so erklärlicher wäre eine solche Ermahnung im Munde unseres Phokylides, wenn es sich ergeben sollte, dass er selbst kein Hellene gewesen, sondern demjenigen Volke angehört habe, dessen Tugenden und Fehler nicht aus der farbenwechselnden Versatilität, sondern aus der entgegenstehenden Eigenschaft, aus der zähen Unbeugsamkeit entspringen — demjenigen Volke, an Avelchem von jeher seine Propheten das unlenksame Wesen beklagen mussten, das aber dafür auch, als Volk wenigstens, durch Jahrtausende seine Charakterfestigkeit behauptet hat. Die bisher besprochenen Entlehnungen aus der klassischen Litteratur wurden bedeutsam für die Gesinnungen unseres Verfassers durch die Umprägung, die er mit ihnen vorgenommen, oder durch den Einspruch, den er gegen sie erhoben hat. Es ist schliesslich noch eine Herübernahme zu erwähnen, die nicht minder aufschlussreich gerade dadurch wird, dass er sie keiner wesentlichen Veränderung bedürftig fand. Theognis (V. 105) hatte in seiner aristokratisch heftigen Sprechweise, welche den nicht adlichen Mann ohne Weiteres einen Wicht und einen Schlechten'nennt, die Lehre gegeben:'Wer den Wichten Gutes thut, dessen Rechnung auf Dank ist gänzlich vergebens; es ist ebenso als wollest du die graue Meerestiefe besäen. Wenn du das Meer besäest, wirst du nimmer wogende Aeliren mähen, und wenn du den Schlechten Gutes thust, wirst du nimmer Gutes dagegen erhalten/ Und wörtlich übereinstimmend heisst es in dem phokylideischen Gedicht (V. 152)-): cThue dem Schlechten nicht wohl, es ist als wollest du im Meere säen/ Mag nun immerhin der 'Schlechte1 bei Theognis einen Niedriggeborenen, dagegen einen sittlich Schlechten bei dem Phokylides bedeuten, und mag dieser sonach an demselben Missverständniss Theil bekommen3), von welchem seit dem Verschwinden der aristokratischen Gesclüechter-Verfassung sich die meisten Griechen selbst und die neueren Gelehrten bis auf Welcker nicht frei erhalten haben: ein solches historisches Versehen — und unserm Verfasser, der ja den Theognis nicht commentiren, sondern nur nutzen will, ist es doch kaum als Versehen anzurechnen — trägt nichts aus für den Punct der praktischen Morallehre, auf welchen es hier ankommt. Dafür ist allein diess entscheidend, dass Beide, der den Zeus und die Olympier anrufende Megarer und unser an biblische i; Polyb. XXXII, 8: VI, 56 Bek. * a) Auf das Fehlen des Verses in einer einzigen, obendrein zur schlechteren Art gehörigen Handschrift, dem Baroeciamis, wird man hier so wenig wie bei V. 163, wo auch der bessere Mutinensis mit dem Baroccianus in der Auslassung zusammentrifft, irgendwelches Gewicht legen, wollen, wenn man den," zum Ueberspringen verfuhrenden, abgerissenen Ton des Gedichts erwägt und die Thatsache, dass B ergk allein aus dem ersten Vindobonensis sieben ganze Verse aufnehmen musste, von denen in allen sechs übrigen Handschriften, den Mutinensis einbegriffen, keine Spur erhalten war. Diese neu hinzugekommenen Verse sind 116, 117, 144, 145, 146, 155, 218. 3) Ebenso wendet Phokylides V. 201 nach moralischer Seite, was bei Theognis V. 183 über Missheirathen mit r.a-Aoi in politischem Sinn gesagt ist. — Dagegen ist Pho'cyl. V. 92 =. Theogn. V. 115 ohne Veränderung des Sinnes und, mit Ausschluss der Partikeln, in ganz gleichen Worten.