Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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XI Verfassers durch sein dichterisches, Seeligsprechen der Naturmächte irgendwelche Beeinträchtigung erleiden. Sollte jedoch ein misstrauischer Leser hier falsch verstehen wollen, so darf man ihn nur auf eine andere Stelle verweisen, wo abermals die cSeeligen:> in offenstem Widerstreit zu der geläufigen Auffassung von den Olympiern auftreten, und wo zugleich ein schlagendes Beispiel vorliegt von der fast parodirenden Weise unseres Verfassers, Lehnsätze aus der heidnisch-klassischen Litteratur seiner eigenen Religionsmeinung anzupassen. In jenem grösseren Abschnitt nämlich, weitaus dem besten des ganzen Gedichts, wo die Würde der Arbeit gefeiert wird (V. 153 174), ist der Vers (162) zu lesen: cSonder Mühe, mit leichtem Wurf, gelingt den Menschen keinerlei Wert (ovdhv avsv xctpärov nsXsi ävÖQa&iv simszäg sQyovf — ein Spruch, der in einer Sammlung von Branchiden-Orakeln ') gestanden haben soll, und mit dessen Alterthum wenigstens Gehalt und Ausdruck wohl verträglich sind. Um so bezeichnender klingt dann aber der ausspinnende Zusatz unseres Verfassers (V. 163): cJa nicht einmal den Seeligen selbst gelingt ihr Werk mühelos. Arbeit macht die Tugend gross (ovS3 ccvzoTg fiaxaQsfffff novog dy aQ&vijv [iey3 byeXXeif. Also nicht bloss sterblichen Menschen, wie das Orakel spricht, ist Arbeit auferlegt; auch die cSeeligena stehen unter dem Weltgesetz, welches Nichts umsonst und Alles um Arbeit gewährt. Welche cSeeligenJ sind das? Etwa die Olympier, die leichthin lebenden, die qsicc .£c6ovz€g? Wohl cverkaufen sie*, nach dem berühmten Spruch des Epicharmus -), cden Menschen alle Güter nur um Arbeit3, sie selbst' aber leben ohne Sorge und Mühe ewig dahin in dem ruhigen Genuss ihrer Ambrosia und ihres Nektars. Welche arbeitenden cSeeligenJ kann demnach hier der Verfasser meinen? Keine anderen, als die er oben (V. 75) im Sinn hatte, die grossen Naturmächte, die er im Vergleich zu den kümmerlichen und kummervollen Menschen wohl cseeligJ nennt, weil Nichts ihre sichere Stärke anfechten kann, die er aber doch, mit dem Psalmisten (104, 4; 148, 8), als arbeitende Dienerinnen des Gottes fasst, dessen Willen sie vollstrecken. An diese Rectification des Orakelspruches reiht sich passend ein Beispiel von Inversion, welche zwar nicht die hellenische Götterlehre selbst, sondern ihr Grenzgebiet,, die Moral, berührt, diese aber gerade in dem Mittelpunct hellenischen Wesens, dem Quell seiner Vorzüge und seiner Mängel. Denn nichts wohl unterscheidet den überall heimischen, die Meere mit seinen Ansiedlungen umsäumenden Hellenen so sehr von den andern Völkern wie seine unerschöpfliche Schmiegsamkeit und Dehnbarkeit. In jedes Klima weiss er sich zu schicken, mit jedem Barbaren sich zu benehmen, jede Sitte sich anzueignen. Von dem schlauen Heroen Odysseus bis auf Themistokles und Perikles, wo die Versatilität noch durch staatsmännische Haltung gemässigt wird, und weiter hinab bis auf Alkibiades, wto sie schon in bedenklicher Steigerung erscheint, konnte kein Grieche, der auf seine Landsleute nachhaltig wirken wollte, diese Nationaleigenschaft entbehren; J) Schol. in Herrn. Ehet. V, 441 Walz.: 6 ivMd.i\t<a &sog tprjGLovdh avsv vxl. — Vgl. Pind. Pyth. XII, 28: sidszig oXßog iv dv&Qcanoiaiv, avsv nafidrov ov tpaivstat. 2) Bei Xenophon Mem. II, 1, 20: zcov novcov ittaXovvxi ndvza zdyd&' dfiiv zol &soi cIn der Götter grossem Krame sind.alle Waaren um Arbeit und Fleiss feil', wie eine Uebersetzung in Lehmann's Florilegium (Lessing XI, 684 L.) lautet.* 2*