Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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X Neidgewarnt: 'Wolle den Mitmenschen ihr Wohlergehen nicht neiden, auf.dass du dir nicht selbst einen Schandfleck anhängest.l) Neidlos unter einander leben auch die Uraniden/ Darf man hier dem ersten Klang des Wortes trauen und unter Uraniden die olympische Götterfamilie verstehen? Deren einzelne Mitglieder mögen gegen einander nicht gerade in Neid entbrannt sein; aber aus nicht viel besseren Gründen geriethen sie doch auch unter sich oft in Zwietracht; und ällesammt sollten sie dem Menschengeschlecht gegenüber nach der heidnischen, von Plato mit so tiefer Entrüstung bekämpften Ansicht, den unbarmherzigsten Neid empfinden. Jedoch unser Verr fasser klärt Alles in schönster Weise auf durch den gleich folgenden epexegetischen Vers (71): cNicht neidet der Mond die viel mächtigeren Strahlen der Sonne1. Mit c Uraniden1 meinte er also nicht das in den Theogonien verzeichnete Geschlecht des Uranos, sondern die Himmelsschaar der grossen und kleinen Gestirne. Und ganz streng vermeidet die weitere, zu dichterischem Schwung sich hebende Ausführung jede anthropomorphische Färbung (V. 72 — 75 ): cGegen die Himmelshöhen fühlt die Erde nicht Neid, obgleich sie in der Tiefe ruht; die Ströme beneiden nicht die Meere, sondern ewig halten sie Eintracht. Denn wäre Streit unter den Seeligen {ei yäq €Qig fiaxdQsa<fiv ivfjv'2), wanken müsste dann das Firmament.' Mond und Sonne, Erde und Himmel, Ströme und Meere — diese sind also die cseeligen3 Mächte, deren neid- und streitlose Eintracht den Bestand der Welt sichert; und je unzweifelhafter eine solche Schilderung der'Seeligen0 und der 'Uraniden3 einen bewussten Gegensatz macht gegen die unter sich hadernden und die Menschen neidenden Bewohner des Olyinps, um so weniger kann der Monotheismus des V. 03 ist &v[iug vn£Q%6iisvog (oder insQXOtisvog) fiavirjv bXoocpQOva. xtv%n zu bessern in on^xo^svog. 'Jähes Aufbrausen bewirkt sinnverstörte YVuth'. — Das Schlusswort rav%EL braucht nicht mit. Bergk in xh.xsi einer schlechteren Wiener Handschrift geändert zu werden. V. 64 OQyr\ 8' iaxlv ogegig, vTtegßaivovaa Ss (ifjvig nach Aristoteles RheLlI c. 2 init.: sgzco 8ij OQyq OQS^ig .... Tifico- Qiag; de anima I, 1 (p. 4()3a,'29): ogyr) xi iaxLV 6 SiaXsxxL-Aog OQiaaito av oqs^iv avxdvTtrjGEOog., Nur hat der Phokylidcs das unentbehrliche Rektum weggelassen, wahrscheinlich aus versificatorischer Noth. Wie sein Vers jetzt dasteht, kann ein nachsichtiger .Leser ihm etwa folgenden Sinn entlocken: 'Zorn ist an sich eine Begierde wie jede andre; geht er ins Uebermaass, so wird er Groll'. V. 65 fflog xäv iaQ-7.äv äya&og, (pavXcav 8' aL8r\Xog ist ein trefflicher, von Bergk benutzter, Gewinn aus dem guten Wiener Codex. Die wundersame Lesart des Mutinensis vjtEQoy/.og kann ich mir nur erklären als ein Glossem zu äi8rj7.og, welches falsch gegriffen winde aus den haufenweise von Grammatikern gegebenen Erklärungen dieses homerischen Wortes (Buttmann, Lexil. I, 251), während des Vaticanus 8b TtovrjQog als Glossein wenigstens erträglich ist. In fortschreitendem Verderbniss eitstanden dann aus vTtsgoyzog durch blosse Abschreibersünden die andern Lesarten vnosgyog, vitosQYhg, vitovgyog. Die Fassung aber, in welcher die Sibyllinen diesen Vers geben: tpavXayv 8s ys tpavXog, ist nicht als Variante anzusehen, sondern nur als flüchtige Aushülfe des Sibyllisten, der das ursprüngliche aiSr(kog in seiner gut homerischen Bedeutung 'verderblich' nicht verstand. Der Phokylidcs gebraucht es in demselben Sinne noch V. 193 SQcag .... vta&og aiSriXov amxvxoav. — Gerade weil hier glücklicherweise das Resultat unter allen Umständen sicher steht, habe ich die buntscheckigen Varianten besprochen, um kundigen und prüfenden Lesern an einem klaren Beispiel zu zeigen, wie sehr die handschriftliche Ueberlieferung unseres Gedichts eine kühnere als die allein auf Buchstabentausch gestützte Conjecturalkritik verlangt, welche ich denn auch eintretenden Falles anzuwenden mich nicht gescheut habe. Endlich erglebt Bergks Besserung von V. 68 rj8vg äyav acpQtov (statt ayuvöcpQcov, ayavvocpQav) ni.iyiXrfiv.ixai lvaoXii\- xtug 'der allzu Milde bekommt bei den Leuten den Namen eines Thoren' ein abermaliges Zusammentreffen mit Aristoteles Ethic. Nicom. IV, 11 (p. 1126a 4): ol [irj ogy^o^isvoi £ep' olg 8si riXtöiol Sokovgiv elvai. 1) M-q tp&ovsoLg äya&Sv. kxtXQOig, pj p(5[iov uväip-rj lese ich. Das gangbare Activum avdipflg könnte nur heissen 'Hänge Anderen keinen Schandfleck an', würde also eine neue Vorschrift ergeben und die Verbindung mit dem Folgenden stören,- wo wiederum nur vom Neide die Rede ist. . . 2) ivrjp mit Bergk für das handschriftliche erjj\ ' ,