Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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IX hen (däifiovsg ayvoi Hesiod. Op. 121); ihr Aufenthalt ist nicht der himmlische Göttersitz, sondern die Erde (em%d-6vioi). Mithin ist auch diese Erhebung einer bevorzugten Menschengattung zu dem Rang der Dämonen hoch unendlich weit verschieden von einer massenhaften Versetzung -aller sterbenden Menschen in den Götterstand; und der phokylideischö Halbvers, welcher eine solche fratzenhafte Ä'Ienschenvergötterung^ausspricht, ist nicht bloss ^lnchristlich*, wie Bernhardy (Gr. Litt. II, 360) sagt, und unjüdisch, wie sich von selbst versteht, sondern er ist ebensowohl ungriechisch und unrömisch. ' Bei einer so allseitigen innern Unmöglichkeit des Gedankens, wie sie hier an das licht kam, wäre die Annahme eines äussern Verderbnisses der Lesart auch dann noch unvermeidlich, wenn die Verbesserung eine viel grössere Kühnheit verlangte, als im vorliegenden Falle zur Entfernung jedes Anstosses hinreicht. Es braucht nur, mit Aenderung Eines Buchstabens, vsoi an die Stelle des unmöglichen &eoi gesetzt, und statt des adversativen de der Vulgata aus einer der bessern Öandschriften das verknüpfende re entnommen zu werden, um in dem dann so lautenden Halbvers: dmffo} re veoi TeXe&ovrai einen-klaren Satz zu gewinnen, der mit dem monotheistischen Ton des ganzen Gedichts keinen Missklang macht und aus den unmittelbar vorhergehenden Worten wie von selbst hervorspringt. Es war vorher gesagt (V. 103): eWir hoffen, dass die Reste der Dahingegangenen wieder an das Licht zurückkehren', und hieran schliesst sich eng der Folgesatz, welcher den zu neuem Leben Erwachenden eine abermalige Jugend verheisst: c Und sie, die Dahingegangenen, werden wiederum *) jung1. Sorhaben denn die c Götter* an den beiden Stellen, wo sie unter ihrem unverhüllten Namen &eo£ auftraten, näherer Prüfung nicht Stand halten können; umschreibende Bezeichnungen aber wie MJraniden* und cSeeligeY deren derb polytheistischer Sinn bei heidnischen Klassikern unbestritten ist, hat unser Verfasser, obgleich er sich ihrer bedient, doch so fein und mit so offenbarer Absicht umgebogen, dass dadurch sein monotheistischer Standpunct nicht fraglich, sondern nur noch deutlicher wird. - Zunächst erscheinen die c Uraniden* am Schluss einer längeren ethischen Ermahnung, welche, wohl auf aristotelische Anregung, das Mittelmaass empfiehlt und Uebertr'eibung nach beiden Seiten verbietet bei Zorn, Eifer, Kühnheit, Liebe, Wohlwollen, bei den niedern sinnlichen Begierden und beim Sprechen (V. 59 — 69)2). Darauf wird in ausführlicherem Vortrage.(V. 70—75) vor l) onlcGi Tarsus. *) ' Das für Kritik und Erklärung dieses Abschnittes Bemerkenswerthe sei, da es unsern Hauptzweck nicht unmittelbar berührt, hier kurz zusammengestellt. „ V. 59 sWa xotvu äoI^ ist so viel wie das aristotelische fisaa, nach dein spätem Sprachgebrauch, der alles bürgerlich Massige, alles was nicht ueqittov ist, xoivov nennt. Deutlich wird hier dieser Sinn bewährt durch den Gegensatz prjdsv (isya ftrjd' vnsQOitlov. Oben freilich in dem schönen, wahrscheinlich von einem altem Gnomiker stammenden Verse 27 •Aoiva Ttaflrr\ mxvicov 6 ßio$ TQO%6g' äßvavos olßog hat dieselbe Wortverbindung einen ganz andern Sinn. HoShj sind dort nicht wie hier 'Leidenschaften*, sondern 'Leiden*; diese treffen alle Menschen ohne Unterschied (%oiva nävteav); denn cdas Leben dreht sich wie ein Rad; unbeständig ist die Wohlfahrt.' V. 60 ist statt 'ovm aya&öv itlsovagov sq>v &vrjroiaiv ovsiag zu schreiben ov8'. Denn der Zusammenhang und die Stellung der Negation zeigen diesen Sinn an: 'Nicht einmal beim Guten gereicht Uebermaass den Sterblichen zum Frommen'. " " - . , 2