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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1856-01-01 · 1856 · page 9

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1856
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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vn einhalten; wenn er jedoch verstattet, oder gar empfiehlt, den Göttern Massiges darzubringen, so ist er eben nur ein sehr massiger Heide. Alle diese Schwierigkeiten nun, die Unklarheit jedes einzelnen Verses für sich und der Mangel einer innern Beziehung beider auf einander trotz ihrer äussern Verbindung durch <S«, sind mit Einem Schlage gehoben, sobald gerade jenes Gott er wort 0EOI2I mit dem diplomatisch nicht zu weit abliegenden TO0121 (yöoiai) vertauscht wird. Dann erweist sich sogleich der erste Vers als eine Abmahnung von dem trauernden Hinsitzen an der Feuerstätte des Leichenbegängnisses; ein solches Brüten über den unwiederbringlichen Verlust sei ein vergebliches Abhärmen und Mindern der eignen Kraft. Vielmehr solle man — befiehlt, nun ganz richtig mit de anknüpfend, der zweite Vers — fden Seufzern Maasse setzen,0 denn überall, auch in der noch so sehr berechtigten Trauer, ist Maass das Beste; ähnlich wie es bei Sirach (38, 18) heisst: cLass dichtrösten in deinem Leid, denn vom Kummer geht der Tod aus, und Herzenstraurigkeit knickt die Kraft1. Sollte diese Auffassung und Verbesserung des Verspaares noch einer Bestätigung bedürfen, so wird sie hinlänglich dadurch gegeben, dass nun auch der sonst mangelnde Uebergang zu dem unmittelbar folgenden Abschnitt (V. 99—108) in der ungezwungensten Weise hergestellt ist. Denn ganz natürlich schliesst sich an jene "Warnung vor ausschweifender Trauer eine Aufforderung zu pflichtmässigem Verhalten gegen die Todten, wie sie dieser Abschnitt enthält. - Derselbe verlangt gleich hier nähere Beachtung, weil er ebenfalls nach der gangbaren LesartcGötter* in heidnischer Vielzahl erwähnt. Sehen wir jedoch zuvörderst auf den Gehalt seiner einzelnen Verse, soweit sie, unabhängig von der Götterfrage, Aufschluss über die religiöse Stellung unseres Verfassers gewähren. Zu allgemeingiltig, um als unterscheidendes Kennzeichen dienen zu können, ist freilich das an der Spitze stehende Gebot (V. 99) cunbestatteten Leichnamen ihr Erdentheil zu geben (ycitav emiioiQuad-ca l) arctQxvToig vsxvegoiv/ — ein bei Hellenen und Juden wie bei allen nicht wilden Völkern gleich heilig geachtetes und Fremde so gut wie Angehörige verpflichtendes Gesetz.2) — Ebensowenig verlässt die nächstfolgende Verpönung des Aufgrabens bestatteter Leichen (V. 100, 101) den Kreis der allgemeinsten Völkersitte. — Aber die dann gegebene Vorschrift (V. 101 bis 108) weicht, wenn nicht in ihrem Inhalt, so doch in ihrer Begründung merklich von Allem ab, was man bei einem nicht auf biblischem Boden stehenden Schriftsteller erwarten durfte. Sie widerräth, cdas Gefüge des menschlichen Leibes zu zertrennen3, mit anderen Worten, das Seciren der Leichname. Und aus welchem Grunde? cweil (V. 103) wir hoffen, es werden die Reste der Dahingegangenen wohl aus der Erde wieder an das Licht kommen.3 Also ein offenes Bekenntniss des Dogma's von der leiblichen Auferstehung der Todten, wie es innerhalb der heidnischen Religionen niemals ist ausgebildet worden. — Noch unverkennbarer tritt biblischer Gedankengang, 1) Bcmerkenswcrth ist, dass das Wort ini[ioiQÜ6&cii sich ausser bei Philo nur noch in den Versen des Moschion (bei Stobäus edogg. physs. I, 8, 38) vorfindet und dort ganz in derselben Verbindung wie hier beim Phokylides. Moschion schildert den Fortschritt menschlicher Gesittung.: %an tovSe zovg ^avövtag coqiosv vöpog Tvpßoig yiaXvmsiv v.äitiy>oiQa6Qrai ■aÖvlv. — Meineke, der (Ber. d. Berliner Akad. 1855, p 111) das Zeitalter des Möschion vor Alexander'etwa um Ol. 102* ansetzt, leugnet doch nicht, dass sein Styl schon an den alexandrinischen hinanstreife (p. 110). 2) Vgl. zu Hör. Carm. I, 28, 36 und die jüdischen Bestimmungen über niSJÖ ftt-

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