Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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VI Biblischem und Klassischem bestimmt, und zugleich die Beschaffenheit des gangbaren Textes nach kritischer Seite in unzAveideutigen Proben dargelegt werden können. Die erste Erwähnung von 'Göttern1 findet sich in folgendem Verspaar V. 97: fiqdä {laxtiv inl itvq xa&toctc [Aivv&oig (pCkov ri%oq. fiszQcc Sä xsvys S-eoZai' ro ycco fistgov stixiv aqiaxov, dessen Schwierigkeit jedoch, wie man bald erkennt, nicht bloss auf dem Götterplural beruht. Denn es will sich nicht sogleich ein bestimmter Sinu ergeben für die Ermahnung des ersten Verses 'nicht sein eigenes Herz zu mindern, indem man beim Feuer sitze/. Durch paraphrastische Kunstgriffe haben freilich die altern Bearbeiter unseres Gedichts diesen Worten irgend einen an sich erträglichen Verstand unterzulegen versucht; aber auch der willkürlichsten Umschreibung1) misslingt es, den erschlichenen Sinn des ersten Verses dann mit der Vorschrift des zweiten cden Göttern Maasse zu bereiten3 in die logische Verbindung zu bringen; in welche der Verfasser beide Theile durch die Partikel ös hat setzen wollen. Und, von der gegenseitigen Verbindung abgesehen, was soll wiederum diese Vorschrift des zweiten Verses fiezQcc rsvys d-sotai bedeuten? Mag man sich durch alle hermeneutischen Windungen hindurchkrümmen, es ist doch nicht zu erwarten, dass die unklare Fassung dieses SätzcheDS bei Jemandem einen schicklicheren Einfall errege, als derjenige ist, auf welchen der oben erwähnte, treuherzige Michael Neander gerieth. Er meint, Phokylides gebe liier dieselbe Lehre wie der als Sokrates' Lieblingsspruch berühmte hesiodische Vers Op. 334 xaS Svvafiiv1 ö3 sqöbiv Uq3 a&avatoiai -d-soTai, also eine Warnung vor unbedachtem Aufwand bei Cultushandlungen und überhaupt vor Uebertreibung in Religionsdingen. Ist jedoch dieser Gedanke aus dem phokylideischen Wortlaut (igtqci Sb xsvys deofai zu gewinnen? Die vermeintliche Parallele des hesiodischen Verses macht erst recht anschaulich, wie sehr das unmöglich ist. Denn zu geschweigen, dass {.istqcc so absolut, ohne einen Genitiv wie etwa IsQoiv, nicht dem für jene Erklärung verlangten Adjectiv gleichgelten kann: so durfte freilich der hesiodische Spruch vorschreiben, cden Göttern nach Vermögen (x.aS SvvafiivJ darzubringen, weil diese Wendung beide Extreme, das verschwenderische Zuviel und das karge Zuwenig, gleicherweise ausschliesst, und weil nun einmal, wie Aristoteles2) erläutert, der Fromme seine Darbringungen nicht nach der unerreichbaren Hoheit der Götter, sondern nur nach der Beschränktheit menschlicher Mittel bemessen kann. Hingegen würde selbst das Adjectiv [teroicc, wenn es bei Phokylides wirklich stände, oder wenn man es, mit Streichung des ohnehin so lästigen Ss. hineinsetzen wollte, immer noch die ganze Vorschrift lahm und einseitig lassen, da [istqicc, wie unser 'inässig* und das lateinische modestus, moderatus, einem griechischen Ohr unvermeidlich die Vorstellung des Zurückbleibens hinter dem vollen Vermögen erweckt. Auch der götterfürchtigste Heide kann wohl ermahnen, man solle in den göttlichen Dingen das richtige Maass, das überall das Beste ist, *) Besonders ergötzlich ist die Umschreibung des Veit Amerbach: prohibetur maeror et tristitia, quae facit etiam homines scgnes et negligentes suarum rerum; inde est quod dicit*ubi consederis ad ignem.' Hoc enim otiosi faciunt, in hieme praesertim; unde vulgo apud nos (d. h. in Deutschland) dicunt: sedet ad fornacem et assat mala. (Der Faullenzer sitzt am Ofen und brät Äepfel). 2) Ethic. Nicom. VIII extr. p. il63b 15: ro yiax' ai-iav ov* soxiv iv näci, na&dne(j h> xalg nötig xovg freovg xipuTg vxti xovg yovBig' ovdalg yaQ av ltoxe xrp> ä£lav änodolrj, slg dvva[iiv 8h 6 fteganeoav titi£m,r\g slvai doxsi.