Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 52)
- Language
- German
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8 welcher die Vokation von dem Hohen Königl. sächsischen Kultusministerium ausgegangen war, vor dem 1. August d. J. nicht definitiv und für immer ausscheiden, also auch seine zur Erlangung der diesseitigen Naturalisation nöthige Entlassungs-Urkunde nicht früher beibringen könne — wurde die Eröffnung des Seminars auf den August d. J. festgesetzt Nachdem die Statuten die hohe Bestätigung erhalten, wurde auf Grund derselben zur Fundation der Anstalt geschritten. Dem der Königlichen Regierung überreichten Fundationsprotokolle vom 24. Mai d. J. entnehmen wir Folgendes: In Hypotheken und Effekten ist der Anstalt ein Betriebskapital von 100,000 Thalern übergeben, dessen jährliche Zinsen gegenwärtig 4775 Thaler betragen. Ferner ein Grundkapital des Lehrerpensionsfonds von 3000 Thlr.; ferner ein Kapital zur Fundiruhg von Freitischen oder Stipendien für auswärtige Schüler der Anstalt von 5000 Thlr. Der Zinsenlauf sämmtlicher vorstehender Stiftungskapitalien zu Gunsten des jüdisch - theologischen Seminars ist vom 1. April d. J. ab beginnend festgesetzt. Die Hypotheken werden auf den Namen der Stiftung überschrieben. Diesen Kapitalien in Hypotheken und Effekten, gegen deren pupillarische Sicherheit die Königliche Regierung laut hohen Erlasses vom 1. Juli d. J. nichts zu erinnern gefunden hat, tritt als weiteres Stiftungsvermögen der durch die neuen inneren Einrichtungen erhöhte Werth des der Stiftung überwiesenen Grundstücks nebst Inventarium hinzu, und endlich die Bibliothek, mit deren Bildung bereits vorgeschritten ist und immer noch fortgefahren wird. — Zur Ergänzung obiger Anführungen wollen wir noch bemerken, dass die alljährliche Vergrosserung des für den Pensionsfond bestimmten Grundkapitals im Statut vorgesehen ist, und dass an der Verwaltung desselben das Lehrerkollegium selbst Antheil haben wird. Eines Zuwachses erfreut dieser Fonds sich bereits durch ein Geschenk von 500 Thalern, aus der Hand eines in stillem Wohlthun geübten Mannes. — Bei der Entwerfung des alljährlich zu fertigenden Etats, welcher alle zu den Bedürfnissen der Anstalt nothwendigen Titel umfasst, ist die Zuziehung des Direktors statutarisch bestimmt. In diesen aus den Zinsen der 100,000 Thaler gebildeten Etat sind auch alljährlich vier Fränckel'sche Stipendien aufzunehmen, jedes zu 50 Tbaler, für Breslauer Seminarzöglinge bestimmt, eventuell aber auch für auswärtige besonders fleissige und würdige Schüler der Anstalt verwendbar. Beiträge zur Fuudirung neuer Stipendien sind von auswärtigen Gemeinden bereits in Aussicht gestellt. Eine spätere Vergrösserung der Revenuen der Anstalt im Allgemeinen ist ferner noch auf Grund von Bestimmungen des Statuts für eine andere Fränckel's<he Stiftung „das Darlehnsinstitut"*), deren Eröffnung bevorsteht, in Aussicht genommen; indem eventuell üeberschüsse jenes Instituts nach Bedürfniss auch dem Seminar von dem Kuratorium zugewiesen werden können; und ist auf jene betreffenden Bestimmungen auch in dem Statut für das jüdisch-theologische Seminar Rücksicht genommen. Die Bibliothek ist mit dem Ankauf der berühmten, an Handschriften und Inkunabeln reichen Saravall'schen Bibliothek, deren Erwerbung lange Unterhandlungen mit dem Besitzer (dem Sohne des hochverdienten Sammlers) und nicht geringe Konzessionen unsererseits vorangingen, begründet worden. Herr Dr. Graetz wurde von uns mit der Uebernahrae dieses wissenschaftlichen Schatzes beauftragt und reiste zu dem Ende nach Triest; so ist denn die Sammlung wohlbehalten und vollständig hier angelangt, auch bereits neu katalogisirt und aufgestellt. Geschieht nun Alles, um die Seminarbibliothek nach der Seite der jüdischen Wissenschaften hin zu vervollständigen, so werden doch auch Realien und die klassischen Sprachen hierbei nicht ausser Acht gelassen. So soll den Zöglingen der Anstalt neben dem durchweg *) Die Gründung auch dieser Stiftung ist bereits kurz nach der Eröffnung des Zufluchtshauses „Fränckel'sche Stiftung" im Jahre 1852 von uns in Angriff genommen worden, doch traten für die Entwicklung dieses Instituts ebenfalls mannigfache nnd unerwartete Schwierigkeiten hervor, deren schnelle Beseitigung oder Umgehung uns so wenig möglich war, dass noch in diesem Augenblicke der Termin der Eröffnung nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann.