Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 49)
- Language
- German
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„Hiernach sind als Lehrgegenstände des Seminars folgende zu verzeichnen : „Heilige Schrift und deren Exegese, mit Einschluss der Targumim; hebräische und aramäische Sprache; Geographie von Palästina. „Historische und methodologische Einleitung in Mischna und Talmud; babylonischer und palästinensischer Talmud. „Klassische Sprachen und Realien. „Geschichte der Juden verbunden mit Geschichte der jüdischen Literatur. „Midraschim. „Religionsphilosophie und Ethik nach jüdischen Quellen. „Rituelle (talmudische) Praxis. „Geist des mosaisch talmudischen Kriminal- und Civilrechts mit besonderer Hervorhebung des mosaisch-talmudischen Eherechts. „Pädagogik und Katechetik. „Homiletik. „In dieses Verzeichniss sind die Universitätsstudien nicht aufgenommen, weil die Zurücklegung derselben an der Universität auch für den Seminaristen am angemessensten erscheint. Verlaugt die Rücksicht „auf die herbeizuführende innere Verbindung der jüdischen mit der allgemeinen Wissenschaft, sowie das „Maass der Zeit, welche das jüdisch theologische Studium erfordert, dass der Gymnasialunterricht am Semi- „nar selbst ertheilt werde: so ist dagegen der für die Universität reifgewordene Zögling durch den vorangegangenen Seminarunterricht bereits mit einer solchen Kenntniss der jüdischen Theologie ausgerüstet, dass „sein gleichzeitiger Besuch gesonderter Anstalten kein Bedenken erregen kann und der Vortheil benutzt „werden darf, welchen die Universität in ihren gegen Einseitigkeit gerichteten Einflüssen darbietet. — „Auch während der Universitätsjahre soll der Seminarbesuch fortgesetzt werden; in dieser Zeit wird der „Unterricht, zu den höheren Gegenständen aufsteigend, eine den philosophischen Studien entsprechende „Thätigkeit auf theologischem Gebiete entwickeln und, der Bestimmung des Seminars gemäss, den Zögling „bis an das Ziel seiner Befähigung zum Rabbiner leiten." Die Durchführung des vom designirten Direktor also vorgelegten Lehrplanes im Allgemeinen, insonderheit die Aufnahme der klassischen Studien und Realien von der Gymnasial-Sekunda ab in den Plan der Anstalt*), der siebenjährige Cyklus für die Studien zum Rabbinat, die dreijährige Vorbereitung in der Anstalt für die zukünftigen Religionslehrer, wurde in dieser Dresdener Konferenz zum Beschluss erhoben: ferner die Summe zur Dotation der Anstalt, auch die Bezeichnung „jüdisch-theologisches Seminar" als die in Zukunft gebräuchliche festgestellt; endlich dem verantwortlichen Leiter der Anstalt die Initiative in der Wahl des zunächst für die jüdischen Wissenschaften noch anzustellenden ordentlichen Lehrers selbstredend überlassen, in Folge dessen auch der durch seine „Geschichte der Juden" schon in weiteren Kreisen bekannte und geschätzte Herr Dr. H. Graetz für diese Stelle bezeichnet und vom Kuratorium berufen. Bald darauf trugen wir im Einverständnis« mit dem designirten Director einem schlesischen Gelehrten und altbewährten Schulmanne die Stelle eines ordentlichen Lehrers für die klassischen Studien an, und wenn die geschäftlich abgeschlossenen Unterhandlungen schliesslich auch resultatlos blieben, so konnten wir doch nur mit dem Gefühl der innigsten Hochachtung von dem ehrenfesten Manne scheiden, der weder aus Mangel an Interesse für das Unternehmen, noch aus materiellen, sondern einzig aus Gründen solcher Art zurücktrat, deren Beseitigung in der Macht keines der dabei Betheiligten lag. — Später — im Juni desselben Jahres — wurde für die Leitung der klassischen Studien am Seminar der wohlbekannte Privaldozent der Universität zu Bonn, Herr Dr. Jacob Bernays, vom Kuratorium gewonnen und vom 1. October ab als ordentlicher Lehrer angestellt. *) Unter nachdrücklicher Zustimmung der anwesenden Herren Dr. Sachs, Rabbiner der jüd. Gemeinde zu Berlin, und Dr.Beer zu Dresden