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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 4

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 4 (sequence 48)
Language
German
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IRI
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Was nun zunächst folgt, versteht sich nach dem Vorausgeschickten von selbst: das Kuratorium vocirte den Verfasser, den Mann, dessen hervorragende Eigenschaften in seltener Vereinigung ihn zum Leiter einersolchen Anstalt so zu sagen prädestiniren mussten; an dessen Festigkeit und opferfähiger Hingebung an das hohe Werk nunmehr aber nicht weiter gezweifelt werden durfte — und der königlich sächsische Oberrabbiner von Dresden und Leipzig, der den Ruf an die Gemeinde zu Berlin vor Jahren ausgeschlagen, nahm unsere Vokation als Direktor des Seminars zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern in Breslau an.*) Wenn dieser Annahme ein gewaltiger innerer Kampf voranging, so muss auch dem Gefühle Rechnung getragen werden, eine ehrwürdige Gemeinde, welche von der grössten Liebe und der innigsten Verehrung für ihr geistliches Oberhaupt erfüllt ist, zu verlassen; und wenn die Annahme zuerst nur provisorisch erfolgte, so war uns dies vornehmlich nur ein Zeichen, wie schwer es dem Herrn Oberrabbiner werden musste, mit einer öffentlichen Stellung, in welcher er seit fast 18 Jahren friedlich und gedeihlich gewirkt» auch unter Anerkennung der höchsten Staatsbehörden durch neue Schöpfungen um Kultus und Unterricht sich verdient gemacht hatte, sogleich und für immer zu brechen. Wir forderten daher zur Zeit nicht mehr. — In einer ersten Zusammenkunft, welche am 27. und 28. März 1853 zu Dresden unter einer ebenso dankenswerthen als fruchtbaren Betheiligung bewährter Fachmänner und theilnehmender Freunde, die unserer dringenden Aufforderung Folge leisteten, stattfand, legte Herr Dr. Frankel einen fertigen, ins Detail ausgeführten Plan vor, welcher in der Hauptsache und dem Wesen sowohl mit den früher (Januar 1853) in seiner „Monatschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums**, als später in seinem Programme vom Februar 1854 veröffentlichten Grundzügen übereinstimmte. Die bezüglichen Stellen des letzteren lauten: „Unentbehrlich ist ferner eine Anleitung sowohl zu öffentlicher Volksbelehrung, in der Richtung welche „ihr unsere Zeit gegeben, als zur Belehrung der Jugend, mit Rücksicht auf die, von der Vergangenheit „verschiedenen, gegenwärtigen Verhältnisse. Während der Rabbiner vergangener Tage den religiösen Elementarunterricht voraussetzen durfte und seine eigentliche Lehrer-Aufgabe in Ausbildung .der schon erwachseneren und vorgeschrittenen Jünglinge erkannte, muss der jetzige Rabbiner seine volle Aufmerksamkeit „und eingehendste Sorgfalt dem Unterricht auch der frühen Jugend zuwenden, sei es nun dass er ihn „selbst ertheile, oder ihn überwache und leite. „Kaum bedarf es der Erwähnung, dass allgemeine gelehrte Bildung, wie sie auf Gymnasien „und Universitäten erworben wird, in den Studienkreis des jüdischen Theologen fällt. Die jüdische Wissenschaft hat immer die edleren Theile der jedesmaligen Zeitbildung mit dem eigenen Geiste zu durchdringen „und in sich aufzunehmen gewusst. Der Jünger der jüdischen Theologie muss daher befähigt werden, die jüdische und die allgemeine Wissenschaft in ihrer Zusammengehörigkeit zu erfassen und sich von der bei „einseitiger Bildung zu beängstigenden und verwirrenden Zweifeln führenden Meinung eines unversöhnlichen „Widerstreits der einen gegen die andere zu befreien. *) Wir sind glücklich, hier öffentlich der hohen Verdienste eines Mannes um die Organisation der Anstalt gedenken zu können, dessen stiller, anspruchsloser, aber ebenso unermüdlicher als fruchtbarer Thätigkeit das Seminar sehr viel verdankt. Schon beim Beginn unserer Vorarbeiten nämlich sahen wir uns nach einem Manne um, der mit den jüdischen Verhältnissen im Allgemeinen innig vertraut, sowohl vermöge seiner eigenen bedeutenden Sach- und Personenkenntniss uns rathend zur Seite stehen, als vermöge seiner intimen Beziehungen zu geistlichen und wissenschaftlichen Koriphäen des Judenthums, auch deren Ansichten uns vermitteln könnte; da wir alle Ursache hatten, in unmittelbar persönliche Verhältnisse der Art nicht zu früh eintreten zu wollen. — Der Redakteur des „Magaän's für die Literatur des Auslandes" Herr Joseph Lehmann zu Glogau, ein Mann, der wie Wenigej -mit umfassender, vielseitiger Bildung auch eine wahrhaft opferfähige Pietät für das Judenthum verbindet, willfahrte auf das, Wohlwollendste unserem Ersuchen, und scheute keine Zeit noch Mühe, in Durchführung des begonnenen Werkes uns beizustehen. Nachdem er auf dem Wege bis zur Wahl des Directors uns treu begleitet, war er es wiederum, welcher dem Herrn Oberrabbiner unsere Vokation übergab und die Annahme derselben wiederholt auf das Dringendste empfahl, auch an der folgenden Konferenz einen gewichtvollen Antheil nahm und nicht aufhörte, für das Unternehmen auf das Wärmste und Edelste sich zu interessiren. Sein Andenken wird in der Geschichte der Anstalt jederzeit dankbar bewahrt werden!

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