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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 3

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 3 (sequence 47)
Language
German
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den Schwankungen und Spaltungen, von denen seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts das Judenthum unterwühlt wird, endlich auf festem Boden sich erheben sollte! Eine solche Anstalt musste von dem positiven Inhalt des Judenthums in der Gestalt, wie sie. eine Geschichte der Jahrtausende ausgeprägt hat, ebenso erfüllt und durchdrungen, als von dem irischen Geist der wissenschaftlichen Forschung und ihrer Ergebnisse durchweht sein. Konnte die Schwierigkeit, welche die Lösung dieses Problems auf praktischem Boden darbieten würde, weder von dem verklärten Stifter, noch von seinem Kuratorium unterschätzt werden, so musste doch das sich von selbst als Grundprinzip, als Charakter der künftigen Anstalt ergeben, dass sie eine Pflanzstatte für Rabbiner und Religionslehrer sei, welche den Beruf haben, auf dem Boden des positiven und historischen Judenthums fortzubauen. Unter allen den Fragen, welche nun zunächst in Betracht kamen und eine um so sorgfältiger eingehende Prüfung erheischten, als es sich um ein neues, eines den hier in Betracht kommenden Verhältnissen anzupassenden Vorbildes entbehrendes Institut handelte, verdient wohl die Frage über Vereinigung des doppelten Zweckes der Heranbildung von Rabbinern und Lehrern in derselben Anstalt als besonders wichtig und schwierig hervorgehoben zu werden. In der That hat das Kuratorium nicht unterlassen, auch über diese Frage durch erbetene Aeusserungen anerkannter Kapacitäten sich zu belehren, und muss die Bereitwilligkeit, mit welcher erleuchtete Männer ihm hier zu Hilfe kamen, mit dem tiefsten und auch da nicht verringerten Danke anerkennen, wo es dem immerhin von hoher Einsicht diktirten Rathe zu folgen nicht vermochte. — Es wurde schliesslich die Entscheidung dahin getroffen: dass zur Bildung spezifisch jüdischer Elementarlehr er ein eigentliches Bedürfniss überhaupt nicht und insbesondere nicht für die jüdischen Gemeinden unseres Staates vorliege, ein solches aber für die Ausbildung jüdischer Religionslehrer anzuerkennen sei; dass die Heranbildung von Rabbinern zu wahren Volkslehrern, zu Religionslehrern im höheren Sinne, gerade die Aufgabe der zu gründenden Anstalt sein und diese also die nöthigen Elemente in sich aufnehmen müsse, um Rabbiner rait Wirklichem Lehrberuf und der entsprechenden Lehrbefähigung zu bilden; dass dieselbe Anstalt in einer zweiten Abtheilung die Bildung von Religionslehrern für die Jugend sehr wohl, ja in voller Harmonie mit ihrem innersten Wesen vollbringen könne. Diese Vorarbeiten waren, wie schon bemerkt, bis zu Anfang des Jahres 1853 so weit gereift, um mit Entschiedenheit an die Wahl eines Direktors der neuen Anstalt gehen zu können. Es musste das Zusammenwirken besonders günstiger Umstände den Mann bezeichnen, der zuerst an die Spitze eines neuen Instituts von solcher Tragweite zu treten, ihm ganz sich zu weihen berufen würde! Er musste auf dem Gebiete der jüdischen Theologie und der Wissenschaft überhaupt heimisch sein, ja einen nach beiden Seiten [hin wohlerworbenen, dauernd und fest begründeten Kamen haben; musste das Vertrauen der Gemeinden, welche aus dieser Anstalt einst ihre Rabbinen empfangen sollten, durch scharfe Zeichnung seines religiösen Standpunktes und Bewährung desselben während einer langen Laufbahn in vorzüglichem Grade erworben haben; musste mit der Theorie jene umsichtige Praxis eines organisatorischen Talentes verbinden, welche aus den vorhandenen Mitteln ein wohlgegliedertes Ganze herauszubilden versteht; musste endlich auch die ganze Hingebung, die volle Liebe zur Sache besitzen, welche vor den unzähligen der Eröffnung einer solchen Anstalt vorausgehenden und sie begleitenden Schwierigkeiten nicht zurückschreckt, von ihnen nicht entmulhigt, nicht gebeugt wird. — Während wir uns das Alles sagten und zugleich uns gestehen mussten, dass die öffentliche Ausschreibung einer Konkurrenz der zum Ziele führende Weg nicht sein möchte —, erschien jener Aufsatz, aus welchem wir oben ein Stück milgelheilt haben, und worin überdiess die leitende Idee für ein jüdischtheologisches Seminar mit eben solcher Festigkeit als Klarheit auf eine unserer eigenen Anschauung entsprechende Weise entwickelt, namentlich auch der Lehrberuf des zukünftigen Rabbiners als nothwendiges Postulat hervorgehoben war. —

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