Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 2 (sequence 46)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2720904-2720905--0046-2721283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vorstehende Worte sind einem grösseren Aufsatze über Gründung und Wesen jüdisch-theologischer Seminarien entnommen, welchen der Oberrabbiner zu Dresden Herr Dr. Frankel in dem Januarheft des 2ten Jahrgangs seiner „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" veröffentlichte; und wir stellen sie an die Spitze unseres Berichts, weil das Erscheinen dieses Aufsatzes für die Geschichte der Anstalt als Epoche machend bezeichnet werden darf. Es fiel nämlich in eine Zeit, da die Erwägungen des Kuratoriums, nach vielfältigen ernsten Vorarbeiten, welche der Gründung eines jüdisch-theologischen Seminars gewidmet waren, nach Einholung und gewissenhafter Prüfung mannigfacher Gutachten von hervorragenden Gelehrten und Fachmännern, jenen Grad von Reife erlangt hatten, welcher es gestattete, nunmehr nach einem Manne sich umzuschauen, der an die Spitze einer so bedeutenden Anstalt zu treten den wahrhaften Beruf habe! Ehe wir jedoch hier den weitern Verlauf der Organisation verfolgen, ist es nöthig auf die Quelle zurückzugehen. Der selige Kommerzienrath Herr Jonas Fränckel zu Breslau hatte letztwillig verfügt, dass aus seinem nur wohlthätigen Zwecken geweihten Nachlass auch „ein Seminar zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern" errichtet werde. Die Ausführung seines, häufig nur in den allgemeinsten Umrissen hingestellten, letzten Willens vertraute der Testator einem zu dem Ende mit unbeschränkter Machtvollkommenheit versehenen Kuratorium an, welches mit der Befugniss sich durch Kooptation zu ergänzen *), die zu Nutz und Frommen der jüdischen Glaubensgenossen angeordneten vier Hauptstiftungen errichten, mit Statuten versehen und verwalten sollte; auch die Dotation der einzelnen Stiftungen im Verhältniss zu einander blieb dem Kuratorium überlassen. Diese Anordnungen sicherten uns die Möglichkeit eigener Prüfung der jeweiligen relativen Bedürfnissfrage; den Stiftungen jene völlige Selbstständigkeit und Freiheit der Entwickelung, welche vorzugsweise im Stande ist, sie vor unheilvollen Strömungen der Parteileidenschaften, wie vor starrem Formalismus zu schützen; aber diese Anordnungen legten auch dem Kuratorium die ganze Schwere der Pflichten auf, welche aus solcher Machtvollkommenheit nothwendig resultirt — Keine der zahlreichen Fränckeischen Stiftungen ist nun an weitgreifender Bedeutung dem „Seminar zur Heranbildung von, Rabbinern und Lehrern" vergleichbar; keine also erforderte für die Organisirung eine unbefangene und gewissenhafte Prüfung, umfassende Information und ernste Ueberlegung in gleich hohem Grade wie diese. Denn auch über die Gründung des Seminars enthält das Testament an sich ausser den angeführten Worten keine weitere Andeutung, als nur das Anheimstellen einer möglichen Vereinigung dieses Instituts „mit der hier bestehenden Wilhelmschule*. Diese Vereinigung jedoch konnte von uns nicht ausgeführt werden, da die Wilhelmschule unterdessen aufgelöst war, und die unsererseits pflichtmässig gemachten wiederholten Versuche, ihre Wiederherstellung zu bewirken, an der Ablehnung des zeitigen Obervorsteher - Collegiums der jüdischen Gemeinde scheiterten. — Leitend für die Grösse der Aufgabe, welche das Kuratorium bezüglich der Errichtung des Seminars sich selbst stellen zu müssen glaubte, war eben so sehr die von dem gottesfürchtigen, das Judenthum aus vollem Herzen liebenden, in die Geschichte und die Natzungen seiner Religion tief eingeweihten Testator, dem edlen Sprössling eines Geschlechts der grössten und berühmtesten Rabbiner, mit Vorliebe gehegte Idee dieser Stiftung; wie das von Tieferblickenden längst gefühlte, seit Decennien wiederholt angeregte und laut geklagte Bedürfniss einer Anstalt zur Bildung von Rabbinern; einer Anstalt, welche mitten in *) Das Kuratorium ist leider schon in dem Falle gewesen, sich ergänzen zu müssen. Am 25. April 1852 verlor es sein erstes Mitglied durch den Tod. S. J. Levy starb noch in demselben Monat, in welchem „das Zufluchtshaus: Fränkelsche Stiftung" eröffnet wurde, dessen Gründung das letzte Werk seiner pflichttreuen und unermüdlichen Thätigkeit, dessen feierliche Einweihung die letzte Freude seines schönen Herzens sein sollte! Der Edelsten Einer ist er dahingegangen und sein Andenken bleibt in Segen! Als Nachfolger im Kuratorium ist sein Sohn' Dr. Jmmanuel Levy eingetreten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.