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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 1

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 1 (sequence 45)
Language
German
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Zar Geschichte des judisch-theologischen Seminars. „Ilas Judenthum hat nicht den äussern Feind zu fürchten: welche schwere Zeiten sah es nicht über „sich weggehen, wurde es auch nur im mindesten durch sie erschüttert, auch nur in der Ausführung „eines Gebotes durch sie irre gemacht? Auch die von mehreren Seiten sich zeigende Lauheit darf es „nicht ängstigen: der Fluss der Zeit überfluthet leicht Jene, die keinen innern Halt und Gehalt, keine „tiefere Auffassung und Erfassung haben, nicht in sich, sondern nur in der Zeit stehen, deren Leben nur „Widerhall und Abspiegelung äusserer Eindrücke ist. Das Judenthum hat auch solche Erscheinungen an „sich vorüberziehen sehen: sein innerer Gehalt unterliegt keinem Wechsel und keiner Veränderung, und „es fand bei dem jedesmaligen Erwachen aus dem Zeittaumel seine volle Berechtigung und Anerkennung „wieder. Nur in dem Verluste der Wissenschaft, dass das Auge nicht mehr den Gehalt aufzufinden wüsste, „die Lehre würde „wie ein versiegeltes Buch", drohet dem Judenthum Gefahr; der Verkündigungen trübste „ist: „es wird verloren gehen die Weisheit seiner Weisen, und die Einsicht seiner Einsichtigen ist um- „hüllt" (Jesaias 29, 14). Es ist schon dieses ein trübes Zeichen der Zeit, ein Untergehen der Sonne, wenn „im Judenthum der Begriff Vertreter und Laien in ihrem Gegensatze zur Geltung kommen, wenn „einigen Wenigen — den Rabbinern — die Obhut der Lehre und des Wissens anvertraut werden sollte, „sie einen „geschlossenen, die Theologie repräsentirenden Stand" bilden, der die Gemeinde der Sorge, das „Heiligthum zu wahren, überhebt. Aber selbst diese trübe Zeit erscheint der die Zukunft bedrohenden „Finsterniss gegenüber als Lichtpunkt! Machen wir uns mit dem traurigen Gedanken vertraut, dass die „Wissenschaft des Glaubens von einigen hierzu ernannten Wächtern vertreten werde: wo bietet sich „diesen Wenigen Gelegenheit dar, den Wächterdienst zu erlernen, wo öffnet sich ihnen die Stätte, an der „sie sich zum heiligen Dienste weihen, der Geist des Meisters sich auf sie ergiesse und ihnen geistige „Befähigung, Kenntniss und Wissen mittheile? Die Lehrzimmer sind geschlossen, kein Lehrer ölYnet sie: „woher sollen die künftigen Rabbiner ihre theologische Bildung nehmen? Gegenwärtig zehren wir, wenn „auch kärglich, von dem Mark und Nachlass mancher vor einigen Jahrzehnten dahingegangenen Lehrer; „aber dieses „Erbtheil der Väter" hört allmälig auf: wird nicht daran gegangen junge Rabbiner heranzubilden, welche Zukunft stehet Israels Heiligthum bevor? an wen werden sich Israels Gemeinden halten? „wer wird die Schätze des Glaubens wahren, wer die grosse Errungenschaft der Väter vertreten? „„Schöpfung eines Seminars!" so mahnet dringend der trostlose Zustand der Gegenwart, „rufen mit Donnerstimme die Dahingeschiedenen, die an Glauben und Lehre ihr Leben setzten, um sie „noch dem tausendsten Geschlechte zu überliefern, mahnt der in Feuerflammen gegebene Bund, durch „dm Israel für immer bestehen soll. Eine Stätte der Lehre, eine Stätte für Bildung zur Lehre: welche „Zukunft erwartet uns sonst!"

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