Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 44)
- Language
- German
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42 nur bildlich? zu begreifen sein. In dieser ungeordneten, wasser- und schattenlosen Einöde, wie verlassen fühlt sich"der Mensch! Da soll er Gott aufsuchen in Wesen, Weisheit und Beschauen, und den;Gott, der ihm so nahe, der in seinem Innern wohnt, weiss er nicht zu finden, will ihn nicht finden 1 Und in diesem stolzen Wissen, in diesem mysteriösen Beschauen ging das speeifische Judenthüm verloren: sein Boden schwandv seine Nationalität ging selbst nach der religiösen Seite in Allgemeines, Verflachendes auf; und mit welcher Kraft würde Israel an der Hand dieser Schriftauflösung seine lange schmerzliche Wanderung angetreten, mit welcher Ausdauer die grosse leidenvolle Reise zurückgelegt haben. Es waltete eine verhängnissvolle Selbsttäuschung: diese Männer vermeinten die Lehre oben an zu stellen, und sie hatten die Wissenschaft ihrer Zeit oben angestellt; aber die Wissenschaft ist vergänglich, der Glaube bleibt: darum musste auch das erträumte'Religionswesen Jener vergehen,-seine Anhänger verschwinden ..aus dem Judenthum und es Hess nur etwa in den Falascha 4) Spüren zurück! Wie »anders die palästinische Schriflforschung! Sie stand auf dem realen Boden des Gesetzes: die Schrift blieb Schrift, dem Geiste wurde Nahrung des Geistes geboten, das Gemüth fand einen liebreichen; ihm in jedem Zustande unmittelbar nahen Gott. Hier war und verblieb ein Geschichtliches, Vorbilder, an denen man sich aufrichtete: die Vorfahren lebten in aller Herzen und trösteten und erfüllten alle Herzeh mit Muth und Ausdauer aus dem Verlangen ihnen nachzuahmen. Hier fand der Geist Nahrung und schöpfte aus sich und nicht aus Inspiration2); und hier fand Israel den Gott seiner Väter, der mit ihm in Leiden, der beistehet und aufrichtet und zu Grossem aufbewahrt. Solches Judenthum hat erhalten, an seiner Hand bildeten sich die Geschlechter und ist der Zukunft ihre Bahn vorgezeichnet.; Gehen wir nun auch noch etwas über jene alte Zeit herab. Die palästinische Schriftforschung mit ihren Resultaten hatte sich auch Babyloniens bemächtigt und ging endlich nach dem Abendlande über;; Und als die Schulen Palästinas sich aufgelöst und die Babylons ihrem Verfalle nahe waren, verjüngte sich das Judenthum in Spanien und zog die Wissenschaft in seinen Kreis. Aber wie verschieden von der alexandrinischen Schule; nicht die Wissenschaft über den Glauben, sondern der Glaube voran. Und welchen Glanzpunkt bildet die spanische Schule in der Geschichte des Judenthums, wie hell leuchteten Männer wie R. Samuel Hanagid, R. Isaak Ibn Giat, R. Moses ben Maimon, K. Jehüda iääVevi, die Familie Ibn Esra, R. Moses ben Nachman u. A. an seinem Horizonte! — Und diesen Weg möge das Judehthüm für alle Zeiten verfolgen. Seinem Inhalt und Gehalt nach kann es der Wissenschaft nicht abhold sein: es fordert zum Forschen, zum Denken auf, wiÜ. nicnt .Geistes^ — und dieses ist sein Stolz — die Wissenschaft zu scheuenaber voran der Glaube: er das Panier, er der Führer, und es wandelt stets im Lichte des Ewigen! 1) Vergl. Monatsschrift 2. Jahrg. S. 428. 429. 2) Vergl. Baba Mczia 59 und sonst. Maimonidcs Einleitung zu Sara'im. Der cssäischen Ueberschwenglichkcit wurde auch nicht der geringste Einfluss auf Forschung und Gesetz gestattet; vergl. meinen Aufsatz; „Die Ess'acr" Frankel Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums 3. Jahrg. und Monatsschrift 2. Jahrg.