Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
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37 angewandt. So Numer. 18, 15 „Alles offene Gefäss, das keinen Deckel hat, ist unrein." Verschiedenen Theilen der Psyche, als der Sinnlichkeit, der Sprache u. s. w. darf nicht^freier Lauf gelassen werden*). 5. Eine breite Unterlage für die Allegorie bilden mehrere in der Schrift vorkommende Zahlen. In Alexandrien lebte im letzten vorchristl. Jahrh. der Pythagoräismus in neuer Gestalt auf (Neupythagoräismus). Die Zahlen wurden als sinnliche Zeichen für übersinnliche Begriffe nach neuen Anschauungen gebraucht; so drückte die Zahl Eins die Ursache der Harmonie und des Bestandes aller Dinge aus u. s. w.2). Diese Zahlensymbolik wurde von den alexandr. Forschern in die Schrift hineingetragen und durch die mehrfach erwähnte Geistesoperation zugleich in der Schrift mit solcher Sicherheit wahrgenommen, dass die Verbindlichkeit der heiligsten Gesetze nur aus dieser Zahlensymbolik abgeleitet und nur in ihr die wahre Ursache für jene erblickt wurde. Philo, der in den compendiarischexegetischen Abhandlungen de Decalogo und de Special. Leg. etwas nüchterner ist, konnte sich dennoch nicht von den Zahlen trennen: die Heiligkeit des Sabbats erblickt er in der Zahl Sieben, die „Jungfrau ohne Mutter geborne Natur" ist3); die Zahl der reinen Thiere (Deuteron. 14, 4. 5) ist zehn, weil zehn von Eins angefangen die vollkommene Zahl4). Die Schöpfungsgeschichte wird aus dem Begriff und Werth der Zahlen erklärt 5), und diese Eintheilungsweise kehrt an unzähligen Stellen wieder. So Numer. 8, 24,. 25, wo für die Leviten vorgeschrieben ist „von fünf und zwanzig Jahren an soll er können den Dienst verrichten, und von fünfzig Jahren hört er auf, er soll aber den Brüdern beistehen und hüten u. s. w." Fünf und Zwanzig ist die Hälfte der Vollkommenheit: diese ist fünzig. Diese arbeitet nicht mehr: sie hütet was sie durch Uebung und Arbeit erworben. Die Uebung ist das Mittlere, das Fortgeschrittensein, das Vollkommene. (Das Vollkommene die Beschauung; die Vorbereitung hierzu — Uebung in Wissenschaften — nur der Weg zu ihr zu gelangen.) Diese Uebung fange an von fünf und zwanzig Jahren ff.6). — Levit. 19, 23 soll gelesen werden $ xd^nos j^u irrj htm {antQixtöciQTog hinunter gezogen vgl. oben). Dieses Tqi« Inj bedeutet die dreifach getheilte Zeit: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: die Frucht der Wissenschaft bleibt für immer 7): Und im vierten Jahre soll die ganze Frucht heilig sein u. s. w. (vgl. 24 das.): Vier ist die heilige vollkommene Zahl. Endlich „im fünften Jahre sollet ihr seine Frucht essen" (vgl. 25): haben wir die Seelenfrucht geheiligt, dann mag auch der Sinnlichkeit einige Rechnung getragen werden: fünf ist die der Sinnlichkeit («fo^«) verwandte Zahl8). 6. Ein noch bedeutenderes Element der Allegorie bilden die Eigennamen der Schrift. Je weniger die Alexandriner mit der hebr. Sprache bekannt waren, desto mehr hatten die unübertragenen fiiccv ll&(6v, tva rl Tt3v &£as d%itov xcnavo^aui, ovdiy (avtjacc dkXd axoQmad-tis 6 vovs n nddsi> dtj/S-sis dys/dQ^ay eis Tdvavria. iff« tT ort xttl Iv -nl^it, ftVQidvdfiu) iQtjfttS Tqv didvoiav, tov qv%ix6v ojfXof axsddßayros feov xai diddgayrög fte, on ov rontav focaf OQtti ro ts ev xai x&qoy iQ^d^oyrat, dkky 6 xivtav &(6g xai dytoy $ av nqoaiQqrat to rijs y>vx%S o/^ua. J) Auch die paläst. Hagada liebt derartige witzige Auffassung; vergl. Erubin 54. Ketubot 5 und sonst, ist sich aber bewusst, dass es nur witzige Wortspiele sind. 2) Vergl. Zeller a. a. O. S. 499. 511. 3) De Decalogo p. 759 nttQ&iyos, q d/ujTWQ rjvcis u. s. w. 4) jDe Special. Leg. p. 353 Mang. 6) So im ganzen Buch de Opif. Mundi und Allegor. 1. 6) Quod Deter. p. 167 ff. Dem Sinne der Schrift jedoch, wie häufig, ganz entgegen. 7) De Plant, p. 230 ff. 8) Quod Deter. p. 167 ff.