Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 33 (sequence 35)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2720904-2720905--0035-2721272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

33 meist für die Exegese hervorzuheben. Sie bilden einen fortlaufenden Commentar zu Genes. 1—18, C. 18 (doch sind auch hier manche Stucke verloren gegangen), ferner zu G. 28, 10 bis Ende des C. — Dieser allegorische Commentar scheint ursprünglich aus von Philo gehaltenen öffentlichen Vorträgen über Verse der Schrift zusammengeflossen zu sein (in Alexandrien bestand überhaupt die öffentliche Sabbatverlesung nur aus Vorträgen über Schriftverse)1): und diese schönen Vorträge verarbeitete Philo mit mancher passenden neuen Einschiebung zu einem Commentar. Es leiten noch manche Spuren auf uns vorliegende vollständige Vorträge 2). Philo spricht mitunter von „Regeln, Gesetzen der Allegorie" 3). Ob den Allegorieen ins Bewusslsein getretene Interpretationsregeln zu Grunde lagen, ist sehr zu bezweifeln. Auch gingen sie ursprünglich nicht aus Forschung der Schrift hervor, hatten sich nicht als Ergebniss durch Eindringen in die Textesworte und Vergleichung der Textesstellen herausgebildet, sondern wurden durch das Bedürfniss die fremden Ansichten in der Schrift wiederzufinden, hervorgerufen: die Resultate waren schon gefasst, waren von aussen mitgebracht worden, und ihnen sollten die Interpretationsregeln angepasst werden. Doch gehen wir daran, wie die Alexandriner die Schrift nach ihrer Weise interpretirten und welche Regeln bei ihnen hervortreten. 1. Die Schrift darf kein Wort zuviel sagen. Daher ein tieferer Sinn aufzusuchen, wo a) entweder der Ausdruck doppelt, oder b) ein überflüssiges Wort. So heisst es Genes. 2, 16 ßquica. Philo's. Man erkennt bei genauem Durchforschen, dass hier die Schulübung eines philosophischen Tironen vorliegt: kein eigenthümlicher Gedanke, keine lebendige Darstellung, nur Aufeinanderhäufen fremder Sätze und angeführter Beispiele, und wenn Philo am Eingänge der Schrift de Vita contemplat. (deren Echtheit aus dem Plrilo gewöhnlichen und ganz in seiner Weise gehaltenen Ausfalle gegen den Luxus p. 895—899 hervorzugehen scheint) davon spricht, dass er über die Essäer abgehandelt, so beziehet sich dieses auf eine verloren gegangene Schrift, aus der dieses Qnod omnis probus manchen dürftigen Auszug haben mag. —- Als ein solches Machwerk erscheint auch die Schrift de Incorruptibilitate mundi. Die Weise wie p. 941 von Moses gesprochen wird, erinnert nicht an Philo. Und wenn p. 952 die Worte des Brethus „die Welt sei weder erschaffen noch vergänglich" ohne irgend eine Gegenbemerkung angeführt werden (sie werden sogar lobend hinsichtlich der Behauptung der UnVergänglichkeit der Welt eingeführt), wenn ferner der Beweis, „wenn die Welt vergänglich, so würde die Gottheit dann ein müssiges Leben führen" ohne Widerrede p. 953 aufgenommen wird, ein Beweis der ebenfalls für die Anfangslosigkeit der Welt spricht, so ist hierin schlagend die Nichtantorschaft Philo's nachgewiesen; Philo spricht auch Opific. mund. p. 1 und sonst mit vieler Entrüstung gegen Jene, die die Welt als nichterschaffen betrachten. Auch diese Schrift hat übrigens keinen einzigen selbstständigen Gedanken, sie zeigt nur von gedankenloser Anhäufung von Dogmen und Sentenzen. — Neben dieser Schrift hat sich noch eine Schrift de Mundo (bei Mangey) erhalten. Beide sind einander an Inhalt und Ideengang oder vielmehr Ideenlosigkeit ganz gleich; nur ist de Incorrupt. der Form nach etwas vollendeter. Sie ist also nur die verbesserte Ueberarbeitung der Schulübung de Mundo. Beide haben einen angehenden Philosophenzögling zum Autor. — Manches über andere Schriften Philo's und unechte Bestandtheile in den echten Schriften an einem anderen Orte: hier genüge auf das Bedürfniss einer tiefer eingehenden Texteskritik aufmerksam gemacht zu haben. *) Vergl. Vorstudien S. 52 ff. 2) So Allegor. 3 von Anfang bis p. 66 sv otorrjo u. s. w. bis xtu anoXoftu (hl ro ßXaßtQov ntcO-os, ein Vortrag, in welchem Philo über das Schützen des Guten, indem er sich vor dem txuSos zurückzieht, spricht. Die Vorträge wurden, wie aus Palästina bekannt, gewöhnlich mit aufrichtenden Worten (:ia ^zi2 oder nsn; ^nz) geschlossen (und auch Philo endigt gewöhnlich seine Schriften mit einem erhebenden oder tröstenden Worte). Und so ist denn dieses so ccot^q ein Gebet am Schlüsse des Vortrages. Aehnliches scheint auch das. p. 72 zu Ende bis p. 81 zu Anfang. Der Inhalt dieses Vortrages ist, dass manche Personen an sich disponirt zum Bösen, andere zum Guten seien; hierfür werden bibl. Personen (Seelenkräfte) beider Art angeführt, und es wird geschlossen mit: „wir beten, dass Gott den Himmel offne u. s. w." und „es gibt auch für den Bösen eine Rückkehr". Ein Vortrag dürfte auch das. p. 82—90 a. a. O. wahrzunehmen sein. — Hierdurch dürfte sich auch einiger Aufschluss ergeben, über die selbst durch einen schwachen Faden kaum gehaltene Zusammenhangslosigkeit, sowie über die weitschweifigen, nicht selten ermüdenden rhetorischen Ergüsse Philos. Der eigentliche kurze Commentar scheint in den Quaest. ad Genes, und Exod. (jedoch nur fragmetarisch auf uns gelangt) enthalten gewesen zu sein. 3) xavovts, pöfiot Trjs dXXyyoQias. De Somniis p. 576; de Abrah. p. 359; de Sacrif. p. 851. 5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.