Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
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Wir sind nun befähigt, an Pliilos Schrifterklärung zu gehen und wollen nur noch bemerken, dass diese Weise der Erklärung keinesweges erst mit Philo begonnen habe. Es zeigen sich schon in einigen Fragmenten des oben gedächten Aristobul Andeutungen, dass die Schrift nach einem tieferen Sinn zu nehmen sei; und Philo selbst führt häufig die Meinungen (allegorische Auffassungen) von Männern an „die das Gesetz tiefer erforschen" *). — Diesem entgegengesetzt spricht er von Anderen, die die Schrift nach dem Wortsinu nehmen und lässt sich zuweilen sehr beissend über sie aus 2). — Er hatte aber noch eine andere Partei im Auge, die — wie er sie nennt — „der Heuchler und Spötter," deren es in Alexandrien nicht wenige gegeben zu haben scheint3). In Philo's Erklärungsweise ist der Einfluss der therapeutischen Schule vorherrschend4); doch enthält sie auch manche Momente des paläst. Midrasch (vgl. weiter), auch scheint manche von Leontopolis, dem Sitze des Oniastempels ausgehende Doctrin in Alexandrien Geltung und hierdurch auch auf Philo, obschou er dem Ouiastempel abgeneigt war5), Einfluss geübt zu haben6). Von Philo's Schriften sind so weit sie sich erhalten1) und deren Echtheit nicht zu bezweifeln ist8), die allegorischen Abhandlungen zunehmen; aber auch dieser erscheint in der Hagada selten; und einen Logos als Vermittler, Dazwischentreter zwischen Gott und Menschen, einen Logos bei dem man statt bei Gott schwöre u. s. w. weiset das paläst. Judenthum auf das Entschiedenste zurück. *) Vergl. de Opif. Mund. p. 16; de Plantat. p. 221. 224; Nom. Mutat. p. 10GG und sonst. 2) Vergl. vorzüglich Resipuit Noc p. 278. 3) Vergl. de Confus. linguar. zu Anfang: ol cJW/fßßiVoi'reff irj naTqUo noliTtitt u. s. w., vergl. auch Allegor. 3, 98; Quod Deter. p. 162, 164 und sonst. 4) Die vorhergedachten Männer „die das Gesetz tiefer erforschen" sind wahrscheinlich Therapeuten, vergl. oben. 5) Ueber das Verhältniss Philo's und der Alexandriner zum Ouiastempel, vergl. Ucber den Einfluss S. 157; Monatsschrift 1. Jahrg. S. 273 ff. 6) Doctrin des Oniastempels scheint de Humanitate p. 710: ein schwangeres Thier darf nicht geopfert werden, woran Philo eine weitläufige Betrachtung knüpft. Die paläst. Halacha kennt (mit Ausnahme der nach Numer. 18 zu bringenden rothen Kuli, und auch da nicht unbedingt; vergl. Para 2, 1. 4) nicht diese Doctrin. — Auch dass nach Philo de Spec. Leg. p. 831 auch für das Erstgeborene des Pferdes, Kameeis u. s. w. ein Lösegeld zu geben sei. — Die Schrift Exod. 13, 12 und sonst spricht nur vom Erstgeborenen des Esels, und so hat es auch die paläst. Halacha, von Leontopolis ausgegangen. Ein anderes Element des Oniastempels vergl. Ueber den Einfluss a. a. O. T) Einige Schriften Philos sind verloren gegangen. So sagt er Mutat. nom. p. 1052 er habe 2 Bücher über Bündnisse (niQi ffiaSijxttiv) geschrieben; wir besitzen sie gegenwärtig nicht mehr. — Ueber die Classification der Philonischen Schriften und über das Gewicht seiner Citate nach den verschiedenen Klassen seiner Werke vergl. Ueber den Einfluss §. 34, woselbst auch Anmerk. a nachgewiesen ist, dass manche Schrift irrthümlich als verloren angegeben wird. 8) Der Zweifel an der Acchtheit mancher Philonischen Werke gilt nicht den von Aucher aus dem Aramäischen übersetzten Stücken (bei Richter Th. 6—8) und den von Brissonade mitgetheilten Fragmenten, sondern selbst manchen Abhandlungen, deren Authenticität als über allen Zweifel erhaben geachtet wird. Dieses zumeist Irinsichtlich der Schrift Quod omnis probus liber, die unbedenklich citirt wird und als rechte Fundgrube für den Essäismus gilt, die aber viele Zeichen der Unechtheit an sich trägt. Schon die Widmung im Eingange (p. 865) „w OttodoTt" erregt Verdacht; Philo schreibt unabhängig: seine Schriften sind in einem Geiste coneipirt, der sich nicht an Menschen wendet. — Die darauf-folgende Benennung idv tiov 7iv9-t(yoQii(ov IfQtaTeeTov 9-uiaov ist in Philo's Mund höchst auflallend und kommt nie bei ihm vor. Auch für XvyrcQOTfiTov Hl.uxovu (p. 867) wird man bei Philo keine Paralelle finden; er wird als ng und zuweilen bei seinem Namen, ein oder zweimal döxifiog ävqQ angeführt; jedes sonstige schmeichlerische Epithet wird vermieden. — Dass das phytische Orakel als höchstes Kriterium der Wahrheit hingestellt wird, (p. 868: To ZaKfoxltiov ovdtv riSv nvihoxQ^arov <hcvfi(tov, p. 889 ol CqvwMtov fiulXav ij nv&oXQtiarov) spricht ebenso gegen Philo's Autorscliaft, als der Einwurf gegen den von Hercules und Bacchus Beweis für den Probus Uber: „Man wird verneinen, dass Heroen hierfür als Beweis angeführt werden können, da sie höher als die menschliche Natur stehen und aus sterblichem und unsterblichem Samen gemischt sind'* (p. 881). Und selbst wenn man Manches auf Rechnung der dedicirten Schrift bringen will, kann ein Philo sagen: 6 rwv IovöttUov Nofio&iTtjs. «« yvfty^g ias loyos ccaxtjzrj? y iloaoqUis (p- 871)? Philo denkt zu edel, um aus Rücksicht vor Menschen von seinem göttlichen und als Musterbild der Philosophen aufgestellten Moses in solcher Weise zu sprechen. — Auch die pedantisch demonstrative Beweisführung mit einem Major, Minor und einein ergo (p. 873. 874) widerspricht dem ganzen Wesen